# taz.de -- Kunst der Woche: Die Konturen sind brüchig
> In Diana Cepleanus Malerei scheinen sich Objekte langsam aufzulösen. Bei
> Renata Lucas, Shilpa Gupta und Haegue Yang werden Alltagsgegenstände zum
> Material.
IMG Bild: Renata Lucas, „evasive topography (nr asphalt)“, 2026
Der Blick nach draußen. Auf Landschaften, gleichförmige Balkone,
Eingangstüren, die fast verborgen sind hinter Gewächsen. Und dann auf die
Dinge, die man in den Häusern findet. Eine ganze Reihe von auf
auseinandergefalteten Pappboxen hängen da nebeneinander in der Ausstellung
von Diana Cepleanu in der Galeria Plan B, bemalt mit verzierten
Christbaumkugeln.
Auf einer kleinen quadratischen Leinwand aus dem Jahr 1994 rollt ein
leuchtend grüner Kohlkopf seine Blätter. Das „Big Sofa“ (2024) ist zu groß,
um ganz aufs Bild zu passen. Auf einem gemusterten Teppich stehend schmiegt
es sich in die Ecke. Kleine zarte Püppchen hat Cepleanu auch gemalt,
Topfpflanzen mit roten Blüten.
Alltägliches, Wiedererkennbares findet sich auf den Gemälden der 1957 in
Bukarest geborenen Künstlerin. Ein wenig wirkt es jedoch immer so, als sei
es dabei, sich aufzulösen, wie eine schwächer werdende Erinnerung. Brüchig
erscheinen Konturen, weil Cepleanu mitunter die oberste Farbschicht wieder
abkratzt.
Manche der Arbeiten in der Ausstellung stammen aus den 1990ern, so auch ein
Selbstporträt der Künstlerin, auf dem sie gedankenverloren ihren
Betrachter:innen begegnet, die Finger in sich verknotet, so wie sie es
manchmal wie von selbst tun, wenn man sich in der eigenen Welt verliert.
## Geschnitten, gespalten, geschichtet
Was die drei Künstlerinnen verbindet, die die Galerie Neugerriemschneider
in der Gruppenausstellung „perceptual territories – cut, split, layered“
zueinander in Beziehung setzt, ist die Fähigkeit, mittels Alltagsobjekten
und deren Formen über (Macht-)Strukturen und Prägungen zu sprechen.
Die brasilianische Konzeptkünstlerin Renata Lucas schließt in neuen
Arbeiten an eine Installation an, die sie bereits 2015 in der Galerie
gezeigt hat. Damals hatte sie Segmente dreier historischer Brunnen Berlins
aus unterschiedlichen Epochen nachgegossen und zu einem neuen Springbrunnen
zusammengefügt. Mit „fontes e sequestros“ verwies sie nicht nur auf die
jeweiligen Kontexte, sondern überhaupt auf die Wechselwirkungen zwischen
der Architektur von Städten und deren Bewohner:innen, zwischen öffentlichem
Raum und privater Nutzung – insbesondere in Bezug auf die Ressource Wasser.
Eine Papierarbeit nimmt die Formen wieder auf, im Objekt „evasive
topography (nr asphalt)“ wiederum überlagern sich Abflüsse wie
Baumaterialschichten.
Bei Haegue Yangs Skulpturen hat man das Rasseln fast schon im Ohr, wenn man
sie nur betrachtet. Aus unzähligen Messingglöckchen, wie sie in rituellen
Praktiken Verwendung finden, setzen sich ihre „Sonic Half Moons“ zusammen.
[1][Shilpa Gupta] schließlich zeigt unter anderem ein Skizzenbuch, für das
sie Bewohner:innen Deutschlands gebeten hatte, aus dem Kopf die Umrisse
des Landes zu zeichnen. Ein Ventilator schlägt die Seiten nach
Zufallsprinzip auf. Ganz willkürlich, wie die Ziehung von Grenzen.
9 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Beate Scheder
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