# taz.de -- Folge von US-Sanktionen: Kuba abgeschnitten von Visa und Mastercard
> Die USA wollen das Firmenimperium des kubanischen Militärs kleinkriegen
> und drohen dessen internationalen Partnern. Die ziehen sich zurück.
IMG Bild: Die Lage in Kuba wird immer prekärer: Stromausfälle, Wasserknappheit. Bewohner holen Wasser von einem Tankwagen
Der ökonomische Aderlass in [1][Kuba] geht weiter: Seit Samstag können die
Menschen im Inselstaat infolge von US-Sanktionen nicht mehr mit den
Kreditkarten von Visa und Mastercard zahlen. Der Grund: Die internationale
Bank, die die Transaktionen bisher abgewickelt hat, hat die Verträge mit
dem kubanischen Finanzdienstleister Fincimex storniert. Dieser gehört zu
Kubas größtem Konzern Grupo de Administración Empresarial (Gaesa), der sich
wiederum vollständig im Besitz des Militärs befindet, also direkt von den
Mächtigsten in Havanna gesteuert wird.
Kuba muss nun auf Bargeld, nationale Prepaidkarten oder russische und
chinesische Bankanbieter zurückgreifen. Doch viele Devisen dürfte es in
kubanischen Geldautomaten überhaupt nicht mehr geben.
„Die Ökonomie kollabiert in Scheibchen“, drückt es der kubanische Ökonom
Pavel Vidal aus, der im kolumbianischen Cali lehrt und gemeinsam mit
mehreren Kollegen an einem Plan für den Neustart auf Kuba arbeitet. „Sie
wird erst wieder auf die Beine kommen, wenn die USA ihre Sanktionen
aussetzen, wenn es zu Vereinbarungen in den Verhandlungen kommt“, meint
Vidal.
Doch bisher dringt aus diesen Verhandlungen nichts nach außen. Die
Verschärfung der Sanktionen lässt darauf schließen, dass der Kreis der
Entscheider in Havanna, zu dem in jedem Fall die Familie [2][des
94-jährigen Ex-Präsidenten Raúl Castro] sowie die Militärs gehören, bisher
wenig kompromissbereit ist.
## Lenkt Kuba ein?
Das könnte erklären, warum die USA Sanktionen gegen die Nomenklatura des
Systems wie Präsident Miguel Díaz-Canel, seine Frau Lis Cuesta Peraza, aber
auch gegen Alejandro Castro Espín, Sohn von Raúl Castro, und etliche andere
ausgesprochen hat. Das Signal aus Washington ist klar: Es geht um die
Kapitulation.
Doch die Verantwortlichen in Havanna wollen durchhalten, obwohl Kuba seit
Mitte Mai weitgehend vom Warenimport abgeschnitten ist. Große Reedereien
wie die französische CMA CGM und [3][die deutsche Hapag-Lloyd haben den
Service nach Kuba eingestellt]. „Vorübergehend“ laut den Reedereien.
Für Pavel Vidal ist mit Blick auf den Frontalangriff der USA auf Gaesa
klar, dass es ohne das Einlenken der kubanischen Führung kaum weitergehen
wird.
Mit der Exekutivanweisung mit der Nummer 14.404, datiert auf den 1. Mai,
hat Donald Trump Sanktionen für alle Unternehmen vorgesehen, die nach dem
5. Juni noch mit der Gaesa kooperieren. Auf Deutsch übersetzt heißt der
Konzern „Gruppe für Unternehmensmanagement der Streitkräfte“.
Hinter dem biederen Namen verbirgt sich ein Firmenimperium mit annähernd
sechzig Unternehmen, die wie ein Krake die Inselökonomie in den Tentakeln
hält. Je nach Quelle kontrolliert die Holding 40 bis 60 Prozent der
kubanischen Wirtschaft. Zu ihr gehören Finanzunternehmen wie Fincimex,
Supermärkte, Tankstellen, Autovermietungen und mit Gaviota auch das größte
Tourismusunternehmen der Insel.
Gaviota betreibt mindestens 120 Hotels, vor allem der gehobenen Klasse.
Gemanagt werden sie wiederum von internationalen, oft spanischen Ketten.
Melía und Iberostar heißen die beiden großen, Barceló, Roc, Velentín die
kleineren, die auf den Druck der USA auf Kuba vorerst die Segel streichen:
Managementverträge wurden vor der US-Frist am 5. Juni aufgekündigt.
Die USA drohen andernfalls mit handfesten Sanktionen. Keines der
betroffenen Tourismusunternehmen kann es sich leisten, auf dem US-Markt
Probleme zu bekommen. Das gilt auch für große Player wie die kanadische
Kette Blue Diamond mit 62 Hotels oder kleinere wie Archipelago
International aus Indonesien, die bislang mindestens sechs Hotels
unterhalten haben.
Geht es für Kuba also erst wieder bergauf, wenn die USA die Gaesa
zerbrechen sehen? Für den Neustart der kubanischen Wirtschaft sei das
ohnehin nötig, meint Ökonom Pavel Vidal. Das Konglomerat sei zu groß, zu
mächtig und müsse in seine Bestandteile zerlegt werden, so der Experte.
7 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Knut Henkel
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