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       # taz.de -- Weltmeisterschaft und Weltpolitik: Ein Trikot ist nicht das letzte Hemd
       
       > Der Bundeskanzler hat Donald Trump unbeholfen ein Fußballtrikot
       > überreicht. Peinlich! Sonst aber lief es diese Woche recht gut für
       > Friedrich Merz.
       
   IMG Bild: Donald zeigt sein Geschenk: Die Nationalmannschaft könnte einen besseren Rechtsaußen vertragen:
       
       Als der deutsche Bundeskanzler dem amerikanischen Präsidenten am [1][Rande
       des G7-Gipfels ein Trikot] der deutschen Fußballnationalmannschaft übergab,
       als er es ihm hinhielt wie ein unbeholfener Verkäufer, waren Spott und die
       Scham mal wieder XXL.
       
       Ehrenlos!, hieß es, wie kann er sich nur so kleinmachen? Kritisiert wurde
       auch, dass Friedrich Merz die Bilder der Geschenkübergabe auf seinen
       Kanälen mit dem Satz garnierte: „After all, we are on the same team.“
       
       Tatsächlich könnte die Nationalmannschaft einen energischeren Rechtsaußen
       vertragen, aber darum soll es hier nicht gehen. Denn diese Woche lief für
       Friedrich Merz ausnahmsweise ziemlich gut – was in der Häme über sein
       Geschenk beinahe unterging.
       
       Da steht über allem das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran. Das
       Abkommen, unterzeichnet in Versailles, ist fatal für die USA und stärkt das
       iranische Terrorregime. Die Kriegsziele der USA, ein [2][Regime]-Change und
       ein Ende des Atomprogramms, wurden verfehlt. Für die Bundesregierung ist
       das Abkommen trotzdem ein Glück. Denn es hat direkte ökonomische und
       indirekte politische Folgen, von denen Deutschland profitieren könnte.
       
       ## Vielleicht einfach nur eine peinliche Geste
       
       Die direkte ökonomische Folge: Der Ölpreis sinkt, die Straße von Hormus ist
       befahrbar. Davon profitieren die Weltwirtschaft, aber auch Unternehmen und
       Menschen in Deutschland. Dass die Bundesregierung innenpolitisch so
       schlecht dasteht, dass die extreme Rechte in Umfragen so erfolgreich ist,
       liegt wesentlich an den hohen Preisen, der Verunsicherung und dem Gefühl,
       dass es bergab geht. Sollte das Abkommen halten, die Preise in den
       Supermärkten und an den Tankstellen sinken und die Wirtschaft so wachsen,
       wie es sich vor Beginn des Irankriegs abzeichnete, wäre das wohl das beste
       Mittel, um die Regierung zu stabilisieren und die Umfrageerfolge der
       [3][extrem Rechten einzudämmen].
       
       Eine weitere Folge könnte die Stärkung Europas sein. Das Abkommen mit Iran
       zeigt, dass sich Großmächte nicht die Welt unterwerfen können, wie es ihnen
       gefällt. USA und Israel haben ihre Ziele nicht erreicht. Das stärkt jene
       Staaten des Westens, die auf Verhandlungen, auf ein gemeinsames Vorgehen
       und Regeln setzen.
       
       Zeitgleich, und das ist die andere gute Nachricht für Friedrich Merz in
       dieser Woche, wird deutlich wie nie, dass auch Russlands Krieg in der
       Ukraine nicht erfolgreich ist. Die Ukraine hat die russische Hauptstadt
       angegriffen, eine Ölraffinerie wurde getroffen. Die Bewohner Moskaus
       müssten im Wortsinne die Augen verschließen, wenn sie die Rauchschwaden und
       diesen Krieg weiterhin ignorieren wollten. Und in den russisch besetzten
       Gebieten wird schon das Benzin knapp.
       
       Friedrich Merz und seine Verbündeten haben es vermieden, Trump sein
       schlechtes Abkommen mit Iran unter die Nase zu reiben. Sie haben sogar ihre
       Bereitschaft für eine Minenräumungsmission in der Straße von Hormus
       bekräftigt; auch wenn nicht absehbar ist, ob es dazu kommt, ob es ein
       UN-Mandat und eine Mehrheit im Bundestag dafür geben wird.
       
       Aber die Bundesregierung hat die Bereitschaft signalisiert, den USA zu
       helfen, aus dem selbst angerichteten Schlamassel herauszukommen. Sie tut
       das nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil sie Trump nun in der
       Ukrainefrage unter Druck setzen kann. Trumps Verteidigungsminister mag zwar
       mit dem Abzug der Truppen aus Europa drohen. Aber das ist eine leere Geste.
       Die USA brauchen ihre Soldaten in Deutschland.
       
       Das Geschenk für Trump mag eine peinliche Geste gewesen sein. Aber
       Deutschland und Europa sind nach dieser Woche selbstbewusster und stärker,
       als es dieses Bild vermittelt.
       
       19 Jun 2026
       
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