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       # taz.de -- Neue transatlantische Beziehungen: Sich nicht blenden lassen, sondern Grenzen ziehen
       
       > Es war der zweite G7-Gipfel, seit US-Präsident Trump wieder an der Macht
       > ist. Diesmal ohne Eklat. Aber von neuer Harmonie kann keine Rede sein.
       
   IMG Bild: US-Kriegsminister Pete Hegseth in patriotischen Socken: Gleich nach dem G7-Gipfel machte er die Hoffnungen auf gute transatlantische Beziehungen zunichte
       
       Lief doch ganz gut in Évian. Nachdem US-Präsident Donald Trump vor einem
       Jahr das G7-Treffen in Kanada vorzeitig verlassen hatte – damals startete
       er die erste Angriffswelle gegen Iran – und dann leider, leider keine Zeit
       hatte, den ukrainischen Präsidenten zu treffen, blieb er diesmal sogar
       länger.
       
       Unterzeichnete im Versailler Spiegelsaal überraschend ein Friedensabkommen
       mit Iran und machte Wolodymyr Selenskyj Hoffnung, dass die USA endlich
       Druck auf den russischen Kriegsherrn Wladimir Putin ausüben würden, den
       Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Mehr, als die anderen G6 und vor allem
       die Europäer erhofft hatten. Bundeskanzler Friedrich Merz lobte den Gipfel
       als Erfolg. Zieht der Westen also an einem Strang, sind die
       transatlantischen Beziehungen wieder im Lot? Mitnichten!
       
       ## Nicht blenden lassen
       
       Im Umgang mit Trump und seiner Truppe gilt, was Psychologinnen auch für den
       Umgang mit Psychopathen raten: Man soll sich nicht von großartigen
       Versprechungen oder überwältigenden Reden blenden lassen, sondern Grenzen
       ziehen und einhalten. Denn Psychopathen wollen die absolute Kontrolle über
       andere haben. Sie lügen, manipulieren und zielen immer auf die
       Schwachpunkte. Kommt einem als Muster irgendwie bekannt vor.
       
       Nur einen Tag nachdem Trump seinen (schlechten) Deal im Schloss Versailles
       unterschrieben und sich zuvor ausgiebig selbst gelobt hatte, machte sein
       [1][Kriegsminister Pete Hegseth] jegliche Hoffnungen auf ein harmonisches
       Weiter-so wieder zunichte. Hegseth kündigte eine Überprüfung der
       Truppenpräsenz in Europa an, die USA wollen zudem Kampfjets, Bomber und
       Flugzeugträger abziehen. Das war absehbar und tut dennoch weh, denn es
       zielt auf die größte Schwäche der Europäer, nämlich die eigene Sicherheit.
       Die USA wollen keine Schutzmacht Europas mehr sein.
       
       Strategische Abhängigkeiten gibt es aber auch auf anderen Gebieten. So
       bezieht die EU schätzungsweise [2][zwei Drittel des Flüssiggases aus den
       USA], die Abhängigkeit und damit die eigene Erpressbarkeit sind enorm. Was,
       wenn, die Trump-Regierung irgendwann beschließt, die Europäer durch
       LNG-Entzug zu bestrafen? Zudem ist das leidige Zollthema zwar vorerst
       zuungunsten der EU-Staaten vom Tisch, aber es ist nicht ausgeschlossen,
       dass die USA neue Zölle erheben, um ihren politischen Willen durchzusetzen
       und Europa auf Linie zu zwingen.
       
       Das transatlantische Verhältnis bleibt also asymmetrisch und prekär. Daraus
       folgt: [3][Die Europäer müssen weiterhin daran arbeiten, auf Distanz zu den
       USA unter Trump zu gehen]; und die eigene Verteidigung hochziehen, die
       Energieversorgung über den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben
       und weltweit neue Partnerschaften eingehen. Es ist politisch klug, zugleich
       Trump und Co bei Laune zu halten, auch mit T-Shirts und anderen
       Demutsgesten. Aber bitte immer mit Kästner im Hinterkopf: „Nie dürft ihr so
       tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu
       trinken.“
       
       20 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /-Nachrichten-im-Iran-Krieg-/!6188679
   DIR [2] https://de.euronews.com/business/2026/05/13/usa-liefern-kunftig-zwei-drittel-von-europas-lng-importen
   DIR [3] /EU-Gipfel/!6188374
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Anna Lehmann
       
       ## TAGS
       
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