# taz.de -- Ressourcenverbrauch von KI: Nimmersatt
> Für jedes Bild, jede Antwort im Chat, die die künstliche Intelligenz
> ausspuckt, gräbt sie an Ressourcen. Lässt sich die Gier noch zähmen?
Einen Teelöffel Wasser. So viel verbraucht Sam Altman, Chef des
ChatGPT-Entwicklers OpenAI, zufolge ein Dutzend Anfragen an dessen
KI-Chatbot. Die Botschaft: Ein Teelöffel Wasser, das ist doch quasi nichts.
Und es stimmt. Ein tropfender Hahn kommt auf mehr, die Herstellung der
Bohnen für eine Tasse Kaffee benötigt über 250 Liter, und wer will da noch
wissen, wie viel Wasser auf ein Steak kommt? Je nach Quelle und Größe sind
es 3.000 Liter aufwärts.
Doch die Summe macht es. Und es ist nicht nur Wasser. Die Rechenzentren, in
denen KI-Modelle trainiert werden und die Dienste laufen, benötigen Strom,
das Training der Modelle Daten. Und das Problem wächst. Künstliche
Intelligenz wird zunehmend in andere Dienste eingebaut. In
[1][Suchmaschinen], in Messengerdienste, in Onlineplattformen.
„Hinter jedem Prompt, Bild oder Video steht eine wachsende Infrastruktur
von Energiesystemen, Wasserentnahmen, Landnutzung, Ressourcenabbau und
Elektronikschrott“, erklärte Kaveh Madani, Direktor des Instituts für
Wasser, Umwelt und Gesundheit der UN-Universität, kürzlich bei der
Vorstellung eines Reports zu den [2][Umweltfolgen von KI].
Aber es gibt auch eine gute Nachricht. Die KI-Branche ist in Sachen
Ressourcenverbrauch noch weit weg etwa von der Betonherstellung oder der
Landwirtschaft. Und während deren über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen
entsprechend schwer zu verändern sind, hat KI noch ein höheres
Formbarkeitspotenzial. Wenn ein Gesetzgeber jetzt also Vorgaben macht für
die Energieeffizienz von Rechenzentren, für nachhaltige Wassernutzung, für
geeignete und ungeeignete Standorte und für einen transparenten Umgang mit
Trainingsdaten – dann stellt das die richtigen Weichen für die Zukunft.
Daten: Im Training frisst sich die KI durch Bild und Buch
Für gewöhnlich sehen in Europa geborene Kinder ihren ersten lebendigen
Elefanten im Zoo. Wie so ein Tier aber aussieht, das wissen sie schon
vorher ganz genau. Sie haben Zeichnungen in einem Bilderbuch gesehen,
Kuscheltiere oder vielleicht Fotos, die jemand etwa in Ostafrika oder
Indien aufgenommen hat. Alles in allem dürfte das in der Regel maximal eine
zweistellige Zahl an Kontakten zwischen Elefantenbild und Kindgehirn sein.
Trotzdem hat das Kind eine ziemlich genaue Vorstellung vom Tier und kann es
von einem Nashorn oder Flusspferd unterscheiden.
Ein Kind ist eben auch keine künstliche Intelligenz. Denn die würde mit
einer zweistelligen Zahl an visuellen Informationen samt Textbeschreibung
noch nicht weit kommen. Aktuelle KI-Modelle – die zugegebenermaßen etwas
mehr können, als Tiere voneinander zu unterscheiden – werden mit Textmengen
in der Größenordnung von Terabyte bis Petabyte trainiert.
Zum Vergleich: Ein Terabyte sind 1.024 Gigabyte – und handelsübliche
Smartphones, auf denen haufenweise Fotos, Audio- und Videoaufnahmen liegen,
haben Speicherplatz im zwei- bis dreistelligen Gigabytebereich.
Daten sind also eine zentrale Ressource zur Entwicklung von KI-Systemen.
Allerdings können KIs ihre Trainingsdaten nicht einfach selbst generieren –
ohne irgendwann zu kollabieren und nur noch Unsinn zu produzieren. Die
KI-Firmen brauchen frische Daten, und zwar viele. Um sich die zu
beschaffen, gehen die Unternehmen rechtlich wie ethisch nicht immer saubere
Wege, etwa mithilfe sogenannter [3][Schattenbibliotheken]. In denen werden
auf Tauschbörsen wie BitTorrent urheberrechtlich geschützte Bücher
gesammelt.
Gerichtsfest ist bereits, dass Meta diesen Weg genutzt hat, wobei sich der
Konzern darauf beruft, legal gehandelt zu haben – weil man Vorkehrungen
getroffen habe, die Daten nicht weiterzuverbreiten.
Oder das Beispiel Social-Media-Posts: Die Plattformen wollen hier in der
Regel die Daten der Nutzenden zum Training verwenden – ohne sie explizit um
Erlaubnis zu fragen. Allerdings wäre das aus Sicht von
Datenschützer:innen nach EU-Recht nötig. Dazu kommt: „Das Recht auf
Vergessenwerden ist de facto nicht mehr durchsetzbar“, sagt Esther
Görnemann, die am Weizenbaum-Institut zu KI forscht. Schon jetzt gibt es
juristische Verfahren, weil Chatbots falsche oder das Persönlichkeitsrecht
verletzende Informationen zu existierenden Personen generiert haben.
Drittes Beispiel: [4][Stimmen]. Der Verband Deutscher Sprecher:innen
kritisiert, der Streamingdienst Netflix wolle sich für neue Projekte eine
Rechteabtretung sichern, der zufolge Aufnahmen auch fürs KI-Training
zugelassen sind.
Im Februar legte der Sprecher:innenverband ein Gutachten der
Rechtsanwaltskanzlei Spirit Legal vor, das zentrale Klauseln des Vertrags
als unwirksam oder rechtswidrig einstuft. Auch die Gema ist vor Gericht
gegangen – und [5][kann erste Erfolge verbuchen]. So entschied jüngst das
Landgericht München gegen OpenAI: Die Nutzung von Liedtexten durch den
US-Konzern verstößt laut Gericht gegen das Urheberrecht. Rechtskräftig ist
das Urteil noch nicht. Auch ein weiteres Verfahren gegen den
KI-Musikgenerator Suno läuft noch. Ziel der Gema ist, dass KI-Unternehmen
künftig für die Nutzung der musikalischen Werke zahlen.
Eher gezwungenermaßen einigte sich vergangenes Jahr das KI-Unternehmen
Anthropic mit US-Autor:innen auf einen Vergleich. Zur Beilegung einer
Sammelklage, die Anthropic die unrechtmäßige Nutzung von Büchern für das
KI-Training vorwarf, verpflichtete es sich, mindestens 1,5 Milliarden
US-Dollar an Autor:innen zu zahlen. Pro Buch sollen das Medienberichten
zufolge rund 3.000 US-Dollar sein.
Einen Erfolg verbuchen kann auch die Wikimedia-Stiftung. Sie gab Anfang des
Jahres bekannt, dass sie spezielle Zugänge eingerichtet hat, die KI-Firmen
nutzen können, um an Trainingsdaten zu gelangen – und dafür Lizenzgebühren
zahlen. Konkrete Zahlen nennt die Stiftung nicht. Aber dass Firmen wie
Google, Amazon und Microsoft mitmachen, ist ein Erfolg.
Forscherin Esther Görnemann fordert, auch in Sachen Regeln nachzulegen:
etwa eine Pflicht dazu, dass die KI-Unternehmen ihre Trainingsdaten
offenlegen. Damit würden die Firmen wahrscheinlich von selbst darauf
achten, keine Urheberrechtsverletzungen zu begehen. Gleichzeitig könnten
dann mit gutem Kuratieren der Daten beispielsweise menschenverachtende
Inhalte ebenso wie persönliche Daten entfernt werden.
„Außerdem sollten wir stärker jenseits der LLMs denken“, sagt Görnemann.
Als Alternative nennt sie unter anderem SLMs – kleine Sprachmodelle. Zum
Beispiel die Organisation EleutherAI, die kleine Modelle entwickelt, deren
Trainingsdaten rein aus Open-Source-Quellen bestehen, darunter frei
verfügbarer Code, wissenschaftliche Texte und Bücher aus der freien
Bibliothek Projekt Gutenberg.
„Small-Language-Modelle sind rechtssicherer, transparenter und
nachvollziehbarer“, sagt die Forscherin – und in ihren spezifischen
Bereichen auch zuverlässiger in ihren Antworten. Für Europa, das gerade
seinen Weg sucht im globalen KI-Wettrennen, könne das ein
vielversprechender Ansatz sein.
Energie: Sie frisst sich durch Strom und Gas
Dort, wo in den USA Rechenzentren ihre KI-Modelle betreiben, formt sich
unter den Anwohner:innen Widerstand. Sie fürchten, die Zentren könnten
die örtlichen Strompreise nach oben treiben. Zwar sagt Sam Altman, Chef von
OpenAI, eine Anfrage an ein ChatGPT-Modell verbrauche nur 0,34 Wattstunden
– so viel Energie wie ein Ofen in einer Sekunde.
Google gibt an, ihre KI Gemini verbrauche sogar nur 0,24 Wattstunden. Wie
die Konzerne aber zu diesen Zahlen kommen, lassen sie nicht unabhängig
überprüfen. Sie haben ein Interesse daran, die Zahlen kleinzurechnen.
Und wie sich das rasante Wachstum der KI-Stromfresser mit dem Ende fossiler
Stromversorgung vereinbaren lässt, steht noch aus. Der Internationalen
Energieagentur ([6][IEA) zufolge wächst der Strombedarf von Rechenzentren]
– für KI, aber auch für andere Internetdienste – weltweit viermal schneller
als die Stromnachfrage aller anderen Sektoren. [7][2030 könnten sie 3
Prozent des globalen Verbrauchs ausmachen], derzeit sind es noch 1,5. Aber
falls KI in den nächsten Jahren stärker genutzt wird als im
Standardszenario der IEA, könnten es auch 4,4 Prozent werden.
All das sind grobe Schätzungen. Wie viel Strom ein KI-Modell braucht, „das
können wir nicht genau wissen“, sagt Ralf Herbrich. Er forscht zu KI und
Nachhaltigkeit am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam, hat
schon bei Microsoft, Facebook, Amazon und Zalando zu KI gearbeitet.
„Einerseits gibt es Probleme mit der Messbarkeit, andererseits mit der
öffentlichen Verfügbarkeit von Daten“, sagt er.
Ein KI-Sprachmodell wie ChatGPT, Claude oder Gemini werde drei bis sechs
Monate trainiert, „für ein modernes System brauche ich 20 Millionen
GPU-Stunden“, erklärt Herbrich. Ein GPU ist ein Prozessor, mit dem sich
KI-Modelle besonders gut trainieren lassen. Ihr Verbrauch liege bei 1
Kilowatt pro Stunde, insgesamt verschlingt das Training für eine neue
Version von ChatGPT also um die 20 Millionen Kilowattstunden. Das
entspricht etwa 286.000 E-Auto-Ladungen oder der Stromproduktion eines
Windrads in 16 Monaten.
Aber das Training macht nur 10 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs von
KI-Sprachmodellen aus, den Rest die Nutzung: Ein Bild zu erzeugen, benötige
etwa halb so viel Energie wie eine Smartphone-Akkuladung, sagt Herbrich,
und sei etwa zehnmal so energieintensiv wie das Erzeugen eines längeren
Textes, was wiederum etwa zehnmal so viel Strom verbrauche wie eine ganz
kurze Antwort. Das unterscheide sich aber je nach Modell und Version – und
transparent machen die Unternehmen das nicht.
Dazu kommen noch die Kühlung des Rechenzentrums, in dem die Prozessoren
arbeiten, Datenspeicher, Netzwerkequipment und Back-up-Batterien oder
-Generatoren, die sich alle je nach Bauart unterscheiden. Außerdem sind
Rechenzentren selten nur mit den Anfragen für ein einziges Sprachmodell
beschäftigt, sondern erledigen eine ganze Reihe von Aufgaben mit
unterschiedlichen Strombedarfen. All das macht es kompliziert, den
Stromverbrauch von KI zu berechnen.
Diverse Unternehmensberatungen, Forschungsinstitute und die IEA haben sich
trotzdem an Schätzungen versucht. Forscher:innen des Öko-Instituts haben
im Auftrag von Greenpeace [8][auf dieser Basis die Folgen des
Rechenzentrenausbaus untersucht]. Bis 2030 steigt deren Energieverbrauch
weltweit demnach auf 1.389 Terrawattstunden, deutlich mehr als die 945
Terrawattstunden, aus dem Normalszenario der IEA.
Das Öko-Institut geht aber noch einen Schritt weiter: Es berechnet, wie
klimaschädlich der KI-Boom ist. Das ist noch schwieriger. Denn wenn ein
Rechenzentrum ans schwedische Stromnetz angeschlossen ist, das zu 99
Prozent mit erneuerbaren Energien läuft, ist es bei gleicher Leistung für
deutlich weniger CO2-Emissionen verantwortlich als im Kohleland Polen.
Das Öko-Institut nimmt dafür seine Schätzung des Energieverbrauchs der
Rechenzentren und teilt ihn auf die USA, China, Europa und den Rest der
Welt auf. Mithilfe der Anteile erneuerbarer Energien am jeweiligen Strommix
der Region kommen sie auf insgesamt 356 Millionen Tonnen CO2-Ausstoß im
Jahr 2030, mehr als dreimal so viel wie 2025. „Wir haben sogar mit einem
optimistischen CO2-Reduktionspfad in der weltweiten Stromerzeugung
gerechnet und sind trotzdem auf diese hohen Zahlen gekommen“, sagt Jens
Gröger, der die Studie mitgeschrieben hat.
Noch ein Grund, warum die Öko-Institut-Zahlen den CO2-Ausstoß der
Rechenzentren eher unterschätzen: „In den USA sieht es teilweise noch
schlimmer aus, weil dort, wo der Strom sowieso knapp ist, Gasturbinen für
die Rechenzentren gebaut werden“, sagt Gröger. So zum Beispiel das
Rechenzentrum für Elon Musks KI-Modell Grok, das auf Anfragen von Nutzern
tagelang [9][sexualisierte Deepfakes von Frauen und Mädchen] generierte.
KI-Forscher Sasha Luccioni fordert im [10][MIT Technology Review]: „Wir
sollten aufhören, Zahlen basierend auf Hörensagen zu rekonstruieren,
sondern mehr Druck auf diese Unternehmen ausüben, die echten Zahlen
herauszugeben.“ Zumal Ralf Herbrich darauf hinweist, dass
KI-Entwickler:innen dabei sind, den Stromverbrauch der Modelle zu
verkleinern. „Der Ausbau erhöht die Notwendigkeit, die Energiewende
voranzutreiben, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu beschleunigen, und
er treibt die Forschung in energieeffizientere Software voran“, sagt er.
Gröger ist weniger zuversichtlich: „So schnell, wie der Ausbau stattfindet,
kommen die Stromnetzbetreiber nicht hinterher, diesen Strom durchzuleiten“,
sagt er. Er hält es jedoch ebenfalls für möglich, KI für Klima- und
Umweltschutz einzusetzen – nur nicht mit den riesigen Sprachmodellen der
US-Techgiganten, sondern zum Beispiel mit auf Müllsortierung
spezialisierten, kleinen Modellen. „Man kann alle Dienste effizient
anbieten, wenn man zuerst die Aufgaben und dann die Lösungen definiert,
aber die großen KI-Firmen machen es umgekehrt: Sie bieten die Sprachmodelle
an und suchen nach Aufgaben“, sagt Gröger.
Um den KI-Boom in geregelte Bahnen zu lenken, schlägt er vor, zuerst zu
klären, wofür die KI eingesetzt werden soll, kleinere Rechenzentren zu
bauen und deren Abwärme etwa zur Wärmeversorgung zu nutzen. Die aktuelle
Art der KI-Entwicklung sei „nicht gottgegeben“, sagt er. Man könne als
Staat durchaus eingreifen. „Die Lösung ist nicht, die US-Techkonzerne in
der EU zu kopieren.“
Ganz ähnlich sehen das die fünf KI-Forscher:innen, die das
Bundesumweltministerium zu nachhaltiger KI-Nutzung beraten haben.
Deutschlands „industrielle KI-Landschaft“ beruhe auf aufgabenspezifischen,
spezialisierten KI-Modellen, die sich für die Anwendung in der Industrie
besser eigneten und gleichzeitig weniger Energie verbrauchten als die
großen KI-Modelle von Anthropic und Co.
Sie schlagen deshalb neben Transparenzpflichten auch vor, Forschungsgelder
gezielt an KI-Entwickler:innen zu geben, die abseits der aktuell angesagten
generativen Modelle arbeiten. Außerdem sollten deutsche und europäische
Behörden Umweltschutzkriterien beachten müssen, wenn sie KI-Anwendungen und
Clouddienste einkaufen, sodass Entwickler:innen einen Anreiz haben,
diese Kriterien einzuhalten.
Wasser: Die KI dürstet nach Wasser
Über 3.000 Rechenzentren stehen in der EU. Um den zunehmenden Bedarf durch
Digitalisierung und KI zu decken, will die EU-Kommission viele mehr bauen.
Auch in Deutschland sollen sich die Rechenzentrumskapazität bis 2030
verdoppeln und „die Kapazitäten für künstliche Intelligenz und
High-Performance-Computing vervierfachen“, verkündete Digitalminister
Karsten Wildberger (CDU) im März zur neuen nationalen
Rechenzentrumsstrategie.
In manchen Regionen könnte die aber zum Problem werden. Nach einer Studie
des Bundesverbands Bitkom werden viele der neuen Zentren dort gebaut, wo
der Wasserstress ohnehin hoch ist, etwa im [11][von Trockenheit betroffene
Brandenburg] oder im Rhein-Main-Gebiet rund um Frankfurt. Beide Gegenden
gehören nach einer Studie des BUND zu den am stärksten betroffenen Regionen
Deutschlands. Dort, auf lokaler Ebene, kann der Wasserverbrauch der
Rechenzentren zum Problem werden.
Er umfasst verschiedene Bereiche. Die Wissenschaft betrachtet sowohl den
Wasserverbrauch in der Anwendung und im Training und inkludiert den
Verbrauch zur Stromerzeugung und der Kühlung. Somit landen unabhängige
Studien bei einem errechneten Wasserverbrauch pro Anfrage, der 15- bis
75-mal so hoch ist wie der der Anbieter, die nur den Verbrauch im Moment
der Anfrage zählen. So soll ChatGPT nicht mehr als ein Tröpfchen, „ein
Fünfzehntel eines Teelöffels“, Wasser verbrauchen.
Der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches bleibt auf Anfrage aber
entspannt. In der Gesamtschau werde der neue Wasserbedarf ausgeglichen
durch Effizienzgewinne und durch die Energiewende. Der Energieverbrauch
fällt je nachdem besonders ins Gewicht: Strom aus Atom, Gas und Kohle
verbraucht deutlich mehr Wasser als aus Wind und Solar. In den letzten
Jahrzehnten sank der Wasserverbrauch durch Stromerzeugung deswegen von 29
Millionen auf 9 Millionen Kubikmeter.
Trotzdem brauchen Rechenzentren Kühlung, und die verbraucht vor Ort Wasser.
Über den Wasserstress durch Rechenzentren dringen Informationen nur
tröpfchenweise an die Öffentlichkeit. Denn obwohl die europäische
Energieeffizienzrichtlinie Rechenzentren verpflichtet, ihren Verbrauch
offenzulegen, verstecken sich Betreiber hinter nationalen Ausnahmen. Laut
einem Bericht der EU-Kommission wurden die entsprechenden Daten für das
Jahr 2024 nur für 36 Prozent der Rechenzentren gemeldet. Und auch in
Deutschland meldeten insbesondere die großen Rechenzentren „entweder gar
keine Verbräuche oder lassen Energie- und Wasserverbrauch schlicht aus“,
sagt Julian Bothe von der NGO Algorithm Watch.
Gerade streng durchgesetzte Energieeffizienzregeln wären ein starker Hebel,
um den Wasserverbrauch zu senken – würde Bundeswirtschaftsministerin
Katherina Reiche das Energieeffizienzgesetz nicht gerade versuchen
abzuschwächen.
Mehr Transparenz hilft in der Planung neuer Rechenzentren. Wie viel Wasser
sie verbrauchen, kann auf mehreren Wegen gesteuert werden, etwa durch den
Standort. [12][Kühle Lagen] helfen dabei, allein durch die Außenluft die
Rechenzentren zu kühlen. Orte mit lokaler Infrastruktur, um die Abwärme
direkt zu nutzen, könnten doppelt profitieren. Doch bisher entscheidet nach
einer [13][Studie der Gesellschaft für Informatik] primär die Anbindung an
Energienetze und Internetknotenpunkte den Standort. Ökologische Faktoren
spielten eine untergeordnete Rolle. Einige Unternehmen entwickeln
[14][Kühlsysteme, die etwa einen geschlossenen Kreislauf bilden]. Damit sie
sich als Best Practice durchsetzen, helfen klare Rahmenbedingungen.
Nach Recherchen von Lobby Control und Campact deutet viel darauf hin, dass
Techkonzerne auf die Änderung des Energieeffizienzgesetzes Einfluss nahmen.
Der Entwurf sieht vor, dass der Ressourcenverbrauch nicht mehr
veröffentlicht werden muss. Dabei forderten deutsche und europäische
Anbieter durchaus mehr Transparenz und klare Auflagen, sagt Bothe. „Weil
sie besonders gut sind in nachhaltiger Rechnerei.“ Gegen die US-Anbieter
könne Europa mit nachhaltigerer KI wettbewerbsfähig bleiben. Laschere
Regeln könnten wirtschaftlich von Nachteil sein.
Die Kabinettsabstimmung über das Energieeffizienzgesetz wurde verschoben,
möglicherweise auch wegen öffentlichen Drucks: Über 150.000 Unterschriften
hat die Petition „Klimaschutz statt KI-Wahn“. Sie fordert Leitplanken für
Big Tech.
Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, ein Terabyte seien
etwa 1.024 Gigabyte. Es sind jedoch genau 1.024 Gigabyte.
20 Jun 2026
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DIR [13] https://gi.de/fileadmin/GI/Allgemein/PDF/2025-06_GI_Studie_KI_RZ_Halbleiter_Auswirkungen_Wasser.pdf
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