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       # taz.de -- Sexarbeit an Berliner Kurfürstenstraße: Skandal um Olga
       
       > Im Kurfürstenkiez in Berlin eskaliert der Streit um Sexarbeit.
       > Anwohner*innen und die CDU fordern Sperrbezirke, während ein
       > Frauentreff schließen muss.
       
   IMG Bild: An der Kurfürstenstraße gibt es Streit darüber. was die Kurfürstenstraße alles sein soll
       
       Diese Gründerzeitfassaden und die breiten Straßen und die sorgfältig
       bepflanzten Grünflächen sowieso: Der Kurfürstenkiez in Berlin-Mitte könnte
       so schön sein, wären da nicht die Sexarbeiter*innen und mit ihnen die
       Freier und auch die obdachlosen und suchtkranken Menschen. Dieser Meinung
       sind zunehmend Anwohner*innen, die [1][den Kiez, in dem
       Sexarbeiter*innen seit einem Jahrhundert arbeiten, im letzten
       Jahrzehnt radikal gentrifiziert haben.] Und sie verfügen – anders als viele
       Sexarbeiter*innen – über Netzwerk, Geld und Wissen, wie man Interessen
       vertritt.
       
       Nachdem der Versuch, Huren mit primitiven Maßnahmen wie dem Bewerfen mit
       Pizza oder dem Überschütten mit Wasser zu verdrängen, scheiterte, setzen
       Anwohner*innen nun auf politischen Druck. Für Ende Juni haben sie eine
       Demo unter dem Motto „Unser Kiez, unser Zuhause“ angemeldet. Gefordert
       werden ein härteres Vorgehen gegen Drogenkriminalität und ein Sperrgebiet
       in der Nähe von Kitas, Schulen und Seniorenheimen. Damit wäre die
       Straßenprostitution dort illegal, Verstöße könnten mit Bußgeldern geahndet
       werden.
       
       Verbündete finden Anwohner*innen in der Berliner CDU. [2][Die Partei
       fordert ein stadtweites Verbot von Straßenprostitution, das zunächst rund
       um den Nollendorfplatz und im Kurfürstenkiez umgesetzt werden soll.] Zudem
       wollen sie den Kurfürstenkiez als kriminalitätsbelasteten Ort einstufen,
       was Kontrollen ohne Tatverdacht ermöglichen würde.
       
       ## Hilfsangebote vor dem Aus
       
       [3][Unter dem politischen Druck ziehen sich nun auch Vermieter zurück, die
       bislang Anlaufstellen für Sexarbeiter*innen beherbergten.] Der
       Vermieter des Cafés Neustart, einer christlichen Organisation mit Fokus auf
       Ausstiegshilfe, und des Frauentreffs Olga lässt beide Mietverträge
       auslaufen. Das Café Neustart hat bereits neue Räume gefunden, mit Olga geht
       nach 40 Jahren eine der wichtigsten Anlauf- und Beratungsstellen für
       konsumierende Sexarbeiter*innen verloren.
       
       Der Vermieter begründete die Entscheidung gegenüber dem Frauentreff damit,
       dass er die Hilfsangebote aufgrund der Zustände rund um die
       Kurfürstenstraße nicht länger mittragen wolle. Nur werden sich die Zustände
       kaum verbessern, wenn Hilfseinrichtungen schließen. Im Gegenteil:
       Sexarbeiter*innen werden nicht mehr aufgefangen, wenn sie einen
       Schlafplatz, sauberes Drogenbesteck oder Kondome brauchen. Sie werden nicht
       mehr beraten zu Suchthilfe- und Ausstiegsangeboten. Streetworker sind sich
       einig: Einige könnten auf der Straße sterben.
       
       Auch den Anwohner*innen ist kaum geholfen. Sie dürften zunächst mehr
       Probleme mit den Sexarbeiter*innen haben, weil Vermittlungs- und
       Deeskalationsstrukturen, die Konflikte abfederten, verloren gehen. Zudem
       wird es keine Anlaufstelle mehr geben, an die sich Anwohner*innen mit
       Anliegen wenden können.
       
       Erfahrungen aus anderen Städten zeigen: Sperrbezirke lösen das Problem
       nicht, sie verdrängen es bestenfalls. Hilfsorganisationen warnen, dass
       Sperrbezirke Sexarbeiter*innen in abgelegene Außenbezirke oder
       Industriegebiete drängen, was das Risiko für Gewalt und Ausbeutung erhöht.
       
       Die CDU betreibt mit der Forderung nach einem Sperrbezirk vor allem
       Wahlkampf und greift damit auf ein altbekanntes symbolpolitisches Muster
       zurück: Verdrängen statt lösen. Was es wirklich braucht, ist bessere
       Gesundheitsversorgung für Sexarbeiter*innen, einen wirksamen Gewaltschutz,
       Ausbau von Streetwork und Notübernachtungen, die 24/7 offen haben. Das
       dürfte auch der CDU bekannt sein – generiert aber offenbar weniger Stimmen
       als die symbolträchtige Forderung „Sperrbezirk!“.
       
       21 Jun 2026
       
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