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       # taz.de -- Ungleichheit in Unternehmen: Wer verdient ein Jahresgehalt mit nur 2,5 Tagen Arbeit?
       
       > Die 100 größten Unternehmen Europas verschärfen die Ungleichheit massiv,
       > zeigt eine Oxfam-Studie. Wie die Politik die Konzerne im Zaum halten
       > könnte.
       
   IMG Bild: Bayer-Zentrale im Dunkeln: Der Pharmakonzern bezahlte 2024 Aktionär*innen trotz Verlusten
       
       Schwierige wirtschaftliche Zeiten, Inflation oder hohe Stromkosten treffen
       nicht alle gleichermaßen. Im Gegenteil, eine kleine Gruppe verdient
       weiterhin saftig: Geschäftsführer und Aktionärinnen.
       
       Oxfam Deutschland [1][hat untersucht], wie die 100 umsatzstärksten
       europäischen Unternehmen Ungleichheit verschärfen – etwa durch
       „milliardenschwere Dividenden für Aktionär*innen, maßlose CEO-Vergütungen
       oder vernachlässigte Investitionen in den ökologischen Wandel“, so Leonie
       Petersen, die bei der Organisation Expertin für die sozial-ökologische
       Transformation ist. Ihr Team hat verschiedene Aspekte von Ungleichheit der
       100 Unternehmen, darunter 27 aus Deutschland, mit Daten von 2022 bis 2024
       untersucht.
       
       Laut Oxfam verdienten die Topmanager*innen im Schnitt 5,9 Millionen
       Euro im Jahr, wobei Männer rund 23 Prozent mehr verdienten als ihre
       Kolleginnen. 89 Firmen stellten diese Informationen bereit.
       
       Beim Gender-Pay-Gap liegt die Deutsche Bank auf dem unrühmlichen ersten
       Platz: Im Durchschnitt verdienten dort Männer 38,8 Prozent mehr als Frauen
       – unabhängig ihrer Jobtitel. Es gibt aber auch Fälle, in denen Frauen sogar
       mehr verdient haben als Männer. Das war im untersuchten Zeitraum bei 12 der
       100 Unternehmen so, darunter beim Autobauer BMW und Logistikunternehmen DHL
       Group.
       
       ## Topmanager*innen verdienen 78-mal mehr als der Schnitt
       
       Unabhängig vom Geschlecht hat Oxfam zudem die Gehälter der Führungsebene
       mit dem durchschnittlichen Einkommen im Unternehmen verglichen. Die
       Topmanager*innen der 100 Unternehmen verdienten 2024 demnach 78-mal
       mehr. Spitzenkräfte der französischen Supermarktkette Carrefour verdienten
       sogar das 365-Fache von Mitarbeitenden mit einem durchschnittlichen Gehalt.
       
       Wird das Managergehalt nicht mit dem Durchschnittsgehalt, sondern mit dem
       Medianlohn verglichen, ergibt sich sogar ein Verhältnis von
       durchschnittlich fast 160 zu 1. Der Medianlohn entspricht dem Gehalt, das
       in der Mitte liegt, wenn man alle Gehälter der Höhe nach auflistet. Das
       kann aussagekräftiger als der Durchschnitt sein, wenn einen interessiert,
       was ein normales Gehalt im Unternehmen ist.
       
       Der Durchschnitt kann durch Ausreißer wie extrem hohe Vorstandsgehälter
       auch weit von dem entfernt liegen, was die meisten Menschen im Unternehmen
       verdienen. In den untersuchten Unternehmen dürfte das vielfach der Fall
       sein. Laut der Oxfam-Studie verdienten dort Geschäftsführer*innen in
       nur 2,5 Tagen so viel, wie Mitarbeitende mit Mediangehalt in einem ganzen
       Jahr. Die Berechnungen basieren nicht auf allen 100 Unternehmen, denn nur
       die Hälfte von ihnen hat die für die Berechnung nötigen Daten
       veröffentlicht.
       
       Die Ungleichheit in europäischen Unternehmen [2][hat in den vergangenen
       Jahrzehnten immer weiter zugenommen]: Etwa in Großbritannien lag das
       Verhältnis zwischen Vergütung von Geschäftsführer*innen und dem
       durchschnittlichen nationalen Einkommen im Jahr 1986 bei 30 zu 1, im Jahr
       2022 bereits bei 124 zu 1.
       
       ## Mehr Geld für Aktionär*innen als grüne Transformation
       
       Oxfam hat sich nicht nur mit der Gehaltsstruktur der Unternehmen
       beschäftigt. Als Ausdruck von Ungleichheit sieht es die Organisation auch,
       wenn ein Unternehmen sich mehr um die Aktionär*innen kümmert als um die
       eigene Zukunft und damit auch die der Arbeitnehmer*innen.
       
       Die Hälfte der Unternehmen gab dem Bericht nach 32-mal mehr Geld für ihre
       Aktionär*innen aus als für grüne Investitionen.
       
       Und: Die deutschen Unternehmen Vodafone und Bayer sowie der Schweizer
       Bergbau- und Rohstoffkonzern Glencore schütteten 2024 sogar Dividenden an
       die Aktionär*innen aus, obwohl sie Verluste machten. Auch die Deutsche
       Bahn und ZF Friedrichshafen gehören dazu, wenngleich hier die
       Aktionärsstruktur einen Unterschied macht. Statt privaten Aktionären
       gehören die Anteile der Deutschen Bahn der Bundesrepublik Deutschland.
       
       Hauptaktionär des Autozulieferers ZF ist mit knapp 94 Prozent die
       Zeppelin-Stiftung, die treuhänderisch von der Stadt Friedrichshafen geführt
       wird und Geld für kulturelle und soziale Zwecke ausgibt. Gleichzeitig
       kündigte ZF Friedrichshafen ebenfalls 2024 an, 14.000 Stellen abbauen zu
       wollen.
       
       Die Mehrheit der Unternehmen hat allerdings private Anteilseigner*innen. Im
       Schnitt zahlten die europäischen Firmen ihnen über zwei Drittel der Gewinne
       aus, entweder über Dividenden oder über Aktienrückkäufe.
       
       ## Oxfam fordert Gehaltsgrenze für Führungsspitze
       
       „Das ist kein zufälliges Ergebnis wirtschaftlicher Entwicklungen, sondern
       Ausdruck eines Systems, das zu einem enormen Einfluss von Großkonzernen und
       der Konzentration von Milliardenvermögen führt“, kommentierte Petersen.
       Durch gezielte Fusionen und Übernahmen könnten große Konzerne ganze
       Branchen kontrollieren, Preise und Löhne bis in die Zulieferer bestimmen.
       
       Mit ihren finanziellen Mitteln hätten sie zudem erheblichen Einfluss auf
       politische Entscheidungen, setzten sich etwa für Abschwächungen des
       Lieferkettengesetzes oder Nachhaltigkeitsregeln ein. „Dieser Teufelskreis
       aus Konzern- und politischer Macht treibt die soziale Ungleichheit weiter
       voran“, heißt es im Bericht.
       
       Der Wirtschaftsverband europäischer Unternehmen Business Europe wollte die
       Oxfam-Studie auf Anfrage nicht kommentieren. Oxfam fordert unter anderem
       [3][eine dauerhafte Übergewinnsteuer] sowie Vorgaben zu Führungsgehältern:
       Der Abstand zum Medianlohn müsse begrenzt werden, das Verhältnis dürfe
       maximal bei 20 zu 1 liegen. Zudem müsse Deutschland die [4][EU Richtlinie
       zur Gehaltstransparenz] umsetzen.
       
       Transparenzhinweis: Informationen zur Aktionärsstruktur von ZF
       Friedrichshafen wurden nachträglich hinzugefügt.
       
       9 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.oxfam.de/publikationen/oxfam-analyse-100-groessten-europaeischen-konzerne-ungleichheit-made-europe
   DIR [2] https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/00076791.2024.2430724#abstract
   DIR [3] /Krisengewinne-der-Oelkonzerne/!6184964
   DIR [4] /EU-Vorgaben-bei-Lohngleichheit/!6184970
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Leila van Rinsum
       
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