# taz.de -- Aus dem Tagebuch des Fifa-Präsidenten: Er ist da, auch wenn er fehlt
> Gianni Infantino ist jetzt im großen Klub der Zehner. Das bewegt ihn.
> Auch das Treffen mit den WM-Schiris lässt ihn nicht kalt. Aber war da
> nicht was?
IMG Bild: „Grazie, Caro amico!“ Gianni Infantino (r.) zu Pierluigi Collina
## 10. Juni 2026
Es ist der Tag vor dem Eröffnungsspiel [1][der besten Fußball-WM aller
Zeiten]. Die Zehn in diesem Datum macht mich nachdenklich. Denn es ist eine
großartige Zahl. Zehn. Das ist Maradona, das ist Pelé, das ist Messi. Zehn,
das bin nun auch ich, selbst wenn ich als Spieler die Neun auf dem Rücken
getragen habe. Seit zehn Jahren darf ich nun schon die Geschicke des
Fußballs leiten. Jetzt bin ich die Zehn. Es ist wie ein Traum. Donald Trump
nennt mich „König des Fußballs“. Und er hat ja recht.
So wie Diego Maradona recht gehabt hat. „El pibe de oro“, der Goldjunge,
wie ich ihn immer genannt habe. Er hat mich erst nicht verstanden. Dann hat
er mich geliebt. Nicht umsonst heißt es in dem wunderbaren Buch, das ich
über die ersten 10 Jahre von Gianni Infantino bei der Fifa habe schreiben
lassen: „Brillante Köpfe können manchmal kompliziert sein, aber Brillanz
verbindet.“ Ich sage das in der vollen Gewissheit, dass beim
Eröffnungsspiel zwischen den wunderbaren Mannschaften aus Mexiko und
Südafrika alles so funktionieren wird, wie sich das Milliarden Menschen
überall auf dem Globus wünschen.
Es wird einen Schiedsrichter geben, der anpfeifen wird und, wenn alles gut
geht, und was sollte nicht gut gehen, wird es der gleiche Schiedsrichter
sein, der mit einem Stoß in seine Pfeife – und wir haben natürlich die
besten Pfeifen der Welt – das Spiel beenden wird. Beim Schreiben dieses
Satzes sind meine Gedanken in Miami. Dort habe ich am Montag die
Schiedsrichter in ihrem Vorbereitungscamp auf die WM besucht. Es war eine
großartige Begegnung mit großartigen Menschen. Wir haben die Schiedsrichter
mit flamingofarbenen Trikots ausgestattet, um der Stadt Miami und ihren
wundervollen Menschen Tribut zu zollen. Und [2][unser oberster
Schiedsrichter Pierluigi Collina] hat sogar die gleiche Frisur wie ich
getragen. Um mir Tribut zu zollen? Es war eine große Ehre für mich. Grazie,
caro amico! Gäbe es Rückennummern für Schiedsrichter, ich würde dir die
Zehn verpassen.
Jetzt lese ich, dass bei unserem Treffen mit den Schiedsrichtern jemand
nicht da war, der hätte da sein sollen. Auch wenn das so war, so hat er
nicht gefehlt. Denn in Gedanken waren wir bei ihm. Und er bei uns. Denn er
gehört zu uns, egal, wo er ist. Fußball hat schon immer die Welt vereint,
auf dem Platz und in Gedanken. Dafür hat sich [3][unser Freund Omar] auch
bei uns ganz offiziell in einer Stellungnahme, die wir für ihn aufgesetzt
haben, bedankt. Er kann nun die Weltmeisterschaft von zu Hause aus in
Somalia verfolgen. Und was gibt es Schöneres für einen Fußball-Fan? Denn
das sind wir ja schließlich alle: Fußball-Fans.
Sogar ich.
10 Jun 2026
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