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       # taz.de -- Kulturkampf in Frankreich: Ein Bürgermeister streicht ein Stück vom Theaterspielplan
       
       > Im südfranzösischen Castres regiert seit März die extreme Rechte. Ihr
       > Bürgermeister lässt nun ein Stück über die Nöte eines Migranten vom
       > Theaterspielplan streichen.
       
   IMG Bild: Umgänglich, zugänglich – und gerade deshalb ein Hassobjekt der Rechten: Das Publikum liebt den Dramatiker Alexis Michalik
       
       Kulturkampf findet in Frankreich auf kommunaler Ebene statt. Nachrichten
       von abgesagten Festivals und gestrichenen Finanzierungen mehren sich von
       dort, wo die Rechten im März die Rathäuser erobert haben. Immerhin [1][80
       Städte mit über 10.000 Einwohner*innen] sind mittlerweile in den Händen
       der Extremisten des Rassemblement National (RN). Und anders als in
       Deutschland liegt die Hoheit übers kulturelle Programm in Frankreich
       unmittelbar bei Bürgermeister und Stadtrat.
       
       Ins Zentrum dieses Kampfs geschleudert wurde nun Alexis Michalik, der
       gegenwärtig erfolgreichste Dramatiker Frankreichs. Die FAZ hatte vor drei
       Jahren vermutet, er sei „der Theaterliebling der Rechten“. Das aber sieht
       Florian Azéma, neuer Bürgermeister von Castres im Pyrenäenvorland, ganz
       anders. Azéma, 29, und ein Rising Star des RN, hat Michaliks Stück
       „Passeport“ vom Stadttheater-Spielplan der kommenden Saison gestrichen.
       Warum? „Wir hatten das Recht dazu“, so die kaltschnäuzige Begründung. Einen
       Vertrag habe es nie gegeben, [2][ließ er gestern wissen.]
       
       Na ja. Der französische [3][Code Civil kennt selbstverständlich auch
       mündliche Verträge]. Laut Michalik waren die Aufführungen auch fest
       gebucht, genehmigt und mit Terminen im Februar im Spielplan verankert
       gewesen. „Sie standen sogar im Spielzeitheft, das öffentlich vorgestellt
       wurde.“ Das könnte als Beweis reichen.
       
       Wichtiger ist die inhaltliche Dimension: Denn es geht klar darum, das Thema
       Migration von der Bühne zu verbannen – jedenfalls in einer
       optimistisch-märchenhaften Sichtweise, [4][wie Michalik sie für „Passeport“
       gewählt hat]. Sein Protagonist ist ein Geflüchteter aus Eritrea, der,
       halbtot geschlagen und ohne Gedächtnis, [5][am Rande der Refugé-Camps von
       Calais] aufgefunden wird. Sein Pass weist ihn als Issa aus.
       
       Begleitet von einem tamilischen und einem syrischen Geflüchteten,
       unterstützt von einem Schwarzen Polizisten, bemüht er sich mit diesem
       Identitätsrest um eine Aufenthaltsgenehmigung. Das schrammt am Kitsch nicht
       immer vorbei, aber vielleicht bringt gerade die leichte Zugänglichkeit
       dieses 2024 uraufgeführten Zeitstücks die Rechten auf die Palme. Seit zwei
       Jahren füllt es den Saal des Pariser Théâtre de la Renaissance, [6][aber 7
       von dessen üblichen 50 Tourneestationen] winkten mit Blick auf die
       anstehenden Kommunalwahlen bei „Passeport“ ab.
       
       Diese Absagen waren noch ausdrücklich damit begründet worden, dass es eine
       „unnötige Polemik“ verursachen könnte [7][und zudem „das Thema Einwanderung
       instrumentalisiere“]. Das ist bemerkenswert, denn unter diesem Vorwand
       ließen sich auch andere Werke verbannen – angefangen mit Aischylos
       Geflüchteten-Drama „Die Schutzflehenden“, der ältesten überlieferten
       Tragödie. Insofern stimmt, was Michalik postet: „Alle Künstler und
       Dramaturgen könnte schon morgen dasselbe Los treffen“.
       
       10 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Kommunalwahlen-in-Frankreich/!6165018
   DIR [2] https://www.lejournaldici.com/actualite-24777-pas-du-tout-une-annulation-selon-la-municipalite
   DIR [3] https://www.legifrance.gouv.fr/codes/id/LEGISCTA000032040792/2016-10-01
   DIR [4] https://journals.openedition.org/mondesmigrations/384
   DIR [5] /Flucht-ueber-den-Aermelkanal/!5974001
   DIR [6] https://www.sudouest.fr/culture/theatre/on-n-a-pas-le-droit-de-censurer-ou-d-interdire-le-monde-du-spectacle-peine-a-defendre-sa-liberte-d-expression-21744206.php
   DIR [7] https://lepetitboulonnais.com/2025/04/03/passeport-pas-de-censure-a-boulogne-billancourt-mais-un-silence-qui-en-dit-long/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Benno Schirrmeister
       
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