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       # taz.de -- Wasserkrise in Ungarn: Brot oder Batterien
       
       > Die Dürre zwingt Ungarns neue Regierung zum Umdenken: Landwirtschaft und
       > Trinkwasser sollen Vorrang vor Batterie- und E-Autofabriken erhalten.
       
   IMG Bild: Aufgrund des ausbleibenden Regens und der vertrockneten Böden sind die Ernten in Ungarn bedroht, wie hier am Neusiedlersee
       
       Drastischer Wassermangel bedroht Ungarns Plan, europäischer Vorposten der
       chinesischen [1][Elektroauto]-Industrie zu werden. Der Nachfolger des
       rechtspopulistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, Péter Magyar, zieht
       die Notbremse: Landwirtschaft vor Batteriefabriken, lautet die neue Devise.
       „Dem Land geht das Wasser aus“, so das Center for European Policy Analysis
       (Cepa), Ungarn leide unter einer „beispiellosen Wasserkrise“.
       
       Die Dimensionen sind erschreckend: Donau und Theiß führen nur noch 58
       Prozent beziehungsweise 45 Prozent ihres Durchschnitts an Wasser. Der
       Wasserspiegel des Plattensees sank auf 98 Zentimeter unter das normale
       Niveau – sein kleiner Bruder, der Velencei-See, ist auf gerade noch 10
       Prozent seiner Fläche geschrumpft. „Die Situation ist alarmierend und
       erfordert sofortiges Handeln“, warnt Cepa-Experte David Kostelancik,
       ehemaliger US-Top-Diplomat: „Ungarn hat seine Wasserreserven für
       kurzfristige Investitionen verausgabt – jetzt fehlt es für die
       Grundversorgung.“
       
       90 Prozent des Landes gelten inzwischen als gefährdet von Austrocknung.
       Allein in den vergangenen drei Monaten lagen die Niederschläge um bis zu 70
       Millimeter unter dem Durchschnitt. Schon 2025 hatte Dürre die Ernte auf
       550.000 Hektar Agrarland vernichtet. 
       
       ## Totenglöckchen für Ungarns Wirtschaftsmodell
       
       Die Krise ist längst mehr als nur ein Umweltproblem: Sie läutet das
       Totenglöckchen für Ungarns Wirtschaftsmodell. Der nach 16 Jahren abgewählte
       Orbán hatte Ungarn konsequent als europäischen Brückenkopf chinesischer
       Investoren ausgebaut. In der Orbán-Zeit wurde sehr stark auf das Anwerben
       europäischer Autokonzerne, die für ihre Lackieranlagen auch sehr viel
       Frischwasser verbrauchen, und die Ansiedlung chinesischer E-Auto- und
       Batteriefirmen gesetzt.
       
       Rund 16 Milliarden Dollar Investitionszusagen kamen vor allem aus der
       Batteriebranche. Arbeitsplätze, Exporte und Wirtschaftswachstum standen im
       Zentrum der Ansiedlungsstrategie. Orbáns Regierung hat nach eigenen Angaben
       umgerechnet rund 3,8 Milliarden Euro in den Aufbau der Elektroauto- und
       Batterieindustrie gesteckt. Für direkte Subventionen und
       Infrastrukturmaßnahmen wie Strom-, Wasser- und Verkehrsnetze.
       
       Allein das Werk von Contemporary Amperex Technology Co. Limited (CATL), des
       aus China stammenden weltweit größten Herstellers von Batterien für
       Elektrofahrzeuge und Energiespeicher, im zuvor schon wasserarmen Debrecen
       wurde mit etwa 220 Millionen Euro subventioniert. Aber während Bauern um
       ihre Existenz kämpfen, saugt allein CATLs 546 Hektar große Fabrik Millionen
       Liter Frischwasser für Kühlung, Reinigung und chemische Prozesse ab.
       
       ## „Freifahrtschein für China ist vorbei“
       
       „Ausländische Konzerne pumpen unser Wasser ab, während unsere Felder
       verdorren“, empört sich Umweltaktivist István Fábián, ehemaliger Berater
       des ungarischen Landwirtschaftsministeriums. Der neue konservative
       Regierungschef Magyar versucht deshalb einen Kurswechsel.
       
       Künftig sollen Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft Vorrang haben.
       Umweltprüfungen werden verschärft, Batteriefabriken stärker kontrolliert.
       Cepa empfiehlt darüber hinaus einen grundlegenden Umbau der Wasserpolitik
       und eine stärkere Beteiligung von Menschen aus örtlichen Kommunen an
       Entscheidungen über Wasserressourcen. „Die Zeiten, in denen die chinesische
       Industrie von der Budapester Regierung einen Freifahrtschein erhielt, sind
       vorbei“, urteilt Kostelancik.
       
       Batteriehersteller müssen nun Grauwasser-Recyclinganlagen bauen, um den
       Frischwasserverbrauch zu senken. „Die Ära der unkontrollierten Entnahme ist
       vorbei“, betont das Umweltministerium. Denn: „Ohne radikale Wende“, so
       Kostelancik, „muss Ungarn bald wählen: Batterien oder Brot.“ BYD reagiert
       bereits und verspricht strengste Einhaltung der Vorschriften. Doch die Zeit
       drängt: Angesichts prognostizierter weiterer Dürren steht Magyar vor dem
       Dilemma, Chinas Investitionen zu halten – ohne Ungarn auszutrocknen.
       
       Das Problem ist viel größer als das kleine Ungarn: Die Energiewende braucht
       Batterien. Batteriefabriken brauchen Wasser. Doch je häufiger Dürrejahre
       werden, desto härter prallen Industriepolitik und ökologische Realität
       aufeinander.
       
       14 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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   DIR Mathias Brüggmann
       
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