# taz.de -- Rassistische Krawalle in Nordirland: Damals die Bürgerrechtler, heute die Migranten
> Nach einem Messerangriff durch einen Sudanesen brennen Belfaster
> Unionisten Häuser von Migranten nieder. Die Mentalität dahinter ist die
> gleiche wie 1969.
IMG Bild: Am Morgen danach: Spuren von Hass und Gewalt in Belfast
Die Bilder der r[1][echten Krawalle aus der nordirischen Hauptstadt
Belfast] erinnern an den August 1969. Damals griff eine Meute von der
protestantisch-unionistischen Shankill Road [2][die
katholisch-nationalistische Bombay Street an]. Sämtliche 63 Häuser gingen
in Flammen auf, die Bewohner mussten fliehen. Der Stadtrat ließ eine Mauer,
die sogenannte „Friedenslinie“, zwischen den Vierteln errichten – eine
halbe Meile lang, sechs Meter hoch und bestehend aus einer Million
Ziegelsteinen.
Diejenigen, die in der Nacht zum Mittwoch in den unionistischen Vierteln
randalierten und Häuser von Migranten niederbrannten, nachdem ein Sudanese
einen Schotten mit einem Messer lebensgefährlich verletzt hatte, sind zu
jung, um sich an 1969 zu erinnern. Aber es steckt die gleiche Mentalität
dahinter. Die unionistischen Protestanten fühlen ihre britische Identität
bedroht – damals durch die Bürgerrechtsbewegung, heute durch Migranten.
Das heißt freilich nicht, dass Katholiken weniger rassistisch sind. In der
überwiegend katholischen Republik Irland haben Migranten auch nichts zu
lachen. Aber Nordirlands Katholiken haben eben andere Erfahrungen gemacht.
Mit Religion hatten die Konflikte in Nordirland nie etwas zu tun. Es ist
das Erbe der britischen Kolonialpolitik. Die englische Krone beschlagnahmte
im 16. und 17. Jahrhundert irischen Grundbesitz und siedelte Protestanten
aus England und Schottland an, um die Insel zu kontrollieren.
Das ist zwar lange her, aber es prägt [3][noch heute die Denkweise bei
manchen] – und zwar nicht nur bei den Randalierern auf der Straße, sondern
auch bei einigen unionistischen Politikern. Carla Lockhart von der
nordirischen Democratic Unionist Party und Abgeordnete im Londoner
Unterhaus sagte, die britische Regierung müsse gegen die illegale
Einwanderung nach Nordirland vorgehen, sonst würden die Unruhen anhalten.
Außerdem müsse die offene Landgrenze zwischen der Republik Irland und
Nordirland geschlossen werden. Folgt man dieser Logik und macht die Grenze
dicht, dreht man die Uhr um 60 Jahre zurück.
10 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Ralf Sotscheck
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