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       # taz.de -- Antifaschistischer Kongress in Berlin: TU streicht Vorträge gegen die AfD
       
       > Ein studentischer Kongress soll 14 Veranstaltungen aus dem Programm
       > nehmen. Die Organisatoren vermuten, dass diese Forderung von der AfD
       > kommt.
       
   IMG Bild: Demonstranten mit Transparent gegen die AfD und Rechtsradikalismus am 1. Mai 2024
       
       Die Organisator*innen des antikapitalistischen Jugendkongresses „Take
       back the future“ wehren sich gegen Eingriffe in ihr Programm. Bei der
       Veranstaltung des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbands (SDS)
       an der Technischen Universität Berlin (TU) am [1][kommenden Wochenende
       wollen sich laut eigenen Angaben rund 1.500 Student*innen und
       Schüler*innen über Maßnahmen] gegen die AfD, gegen Faschismus und
       Autoritarismus austauschen.
       
       Doch nun steht der Kongress auf der Kippe. Denn die TU hat den
       Organisator*innen am Dienstag mitgeteilt, dass sie 14 Veranstaltungen
       aus dem Programm nehmen sollen, damit der Kongress als Ganzes an der Uni
       stattfinden kann. Insgesamt umfasst er mehr als 90 Vorträge,
       Podiumsdiskussionen und Workshops.
       
       Eine der Veranstaltungen, die die TU aus dem Programm streichen will, ist
       ein Vortrag des Soziologen Andreas Kemper zum Thema „Björn Höcke –
       Enthüllung eines Faschisten“. Kemper zeigt sich am Mittwoch entsetzt: „Es
       wäre eine klare Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit, wenn die
       faschistische Agenda von Björn Höcke nicht als faschistische Agenda
       bezeichnet werden dürfte“, sagt er der taz. „In meinem Vortrag geht es
       nicht um eine Diffamierung von Björn Höcke, sondern ich begründe dort,
       warum Höcke als Faschist interpretiert werden sollte und warum er hinter
       den Neonazi-Texten von Landolf Ladig steckt“, sagt Kemper.
       
       Kemper hatte [2][herausgefunden und nachgewiesen, dass Höcke unter dem
       Pseudonym „Landolf Ladig“] in neonazistischen Zeitschriften publiziert
       hatte, [3][sein Buch mit der Analyse dazu erscheint im Oktober]. Kempers
       Expertise zu Björn Höcke hatte der [4][Bundesvorstand der AfD 2015 und 2017
       sogar selbst zum Anlass genommen, gegen Höcke Ordnungsverfahren]
       einzuleiten.
       
       ## Einfluss der AfD vermutet
       
       Nach Angaben des SDS argumentiert das TU-Präsidium, dass die betreffenden
       Veranstaltungen gegen das Neutralitätsgebot verstießen. Der SDS vermutet
       wiederum, dass die AfD selbst hinter der Streichliste der TU stehen könnte.
       
       Die Partei soll der Uni ein mehrseitiges „Gutachten“ übermittelt haben.
       Denn neben Kempers Vortrag seien auch sonst die Themen oder Punkte
       beanstandet, in denen sie sich mit der AfD oder mit Faschismus befassen,
       etwa das Abendplenum am Samstag mit der Linken-Bundesvorsitzenden Ines
       Schwerdtner zum Thema „Resist Fascism“. Die TU Berlin äußerte sich trotz
       mehrmaliger Nachfragen der taz bis zum Mittwochabend nicht zu den Vorwürfen
       
       „Die Wissenschaftsfreiheit wird eines der ersten Opfer der drohenden
       Faschisierungsprozesse sein“, mahnt Kemper. „Es gibt keine Faschisierung,
       keinen Faschismus ohne Faschisten. Daher müssen Faschisten als Faschisten
       bezeichnet werden – dies ist Bestandteil der Wissenschaftsfreiheit und
       Kampf für die Wissenschaftsfreiheit gleichermaßen“, erklärt er.
       
       Konflikte darum, was an den Hochschulen stattfinden darf, hatte es bereits
       im vergangenen November gegeben. Damals hatten die Humboldt-Universität und
       die Freie Universität Treffen der Gruppe Studis gegen Rechts kurzfristig
       abgesagt. Den Verdacht, dass die AfD Druck gemacht hatte, wiesen die
       Hochschulen von sich. Auch hier war mit dem Neutralitätsgebot argumentiert
       worden.
       
       Allerdings hatte Berlins Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) danach
       festgestellt, dass in den Veranstaltungen kein Verstoß gegen das
       Neutralitätsgebot zu sehen sei. „Es gibt eine Vielzahl von Veranstaltungen
       tagtäglich in unseren Hochschulen“, sagte sie später im
       Wissenschaftsausschuss.
       
       [5][Unterm Strich könne man bei den Veranstaltungen an den Hochschulen in
       ihrer Gesamtheit nicht davon ausgehen, dass einzelne politische Meinungen
       bevorzugt oder unterdrückt würden], sondern „sie bilden die Bandbreite ab
       von politischen Auffassungen, die im Rahmen der Meinungsfreiheit vertreten
       werden können, ohne gegen unser Grundgesetz zu verstoßen“, sagte Czyborra.
       Das hatte damals nach einer grundsätzlichen Aussage geklungen, die den Unis
       auch zukünftig Rechtssicherheit geben sollte.
       
       Davon ist jetzt wenig zu spüren. „Die AfD möchte unseren Kongress
       verhindern“, sagt Veronika Dinter, Pressesprecherin des „Take Back The
       Future“-Kongresses. „Das ist ein Angriff auf Universitäten als Orte des
       kritischen Diskurses.“ Sie forderte alle auf, jetzt erst recht zum Kongress
       zu kommen. „Wir dürfen vor der AfD nicht einknicken“, sagte sie. Der SDS
       fordert dies auch von der TU.
       
       10 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://take-back-the-future.com/
   DIR [2] https://andreaskemper.org/?s=h%C3%B6cke
   DIR [3] https://unrast-verlag.de/produkt/wer-kennt-landolf-ladig/
   DIR [4] /AfD-Ausschlussantrag-gegen-Bjoern-Hoecke/!5401079
   DIR [5] /Studis-gegen-Rechts/!6145560
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Uta Schleiermacher
       
       ## TAGS
       
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