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       # taz.de -- Bericht zu Westjordanland: Amnesty spricht von „ethnischer Säuberung“
       
       > Die Menschenrechtsorganisation kritisiert die gezielte Vertreibung von
       > Palästinenser:innen im Westjordanland. Und appelliert an die
       > Bundesregierung.
       
   IMG Bild: Israelische Siedler im Westjordanland
       
       Wegen der [1][Siedlungspolitik im Westjordanland] hat Amnesty International
       schwere Vorwürfe gegen die israelische Regierung erhoben. [2][Am Mittwoch
       stellte die Menschenrechtsorganisation einen 140-seitigen Bericht mit dem
       Titel „Erasing Anything Palestinian“ vor – zu Deutsch etwa „Alles
       Palästinensische auslöschen“.] Darin ist von „ethnischer Säuberung“ in der
       sogenannten Area C – dem hochgradig fragmentierten, von Israel
       kontrollierten Gebiet des Westjordanlandes – die Rede.
       
       „Wir stellen diesen Bericht in Berlin vor, weil die deutsche Regierung
       gemeinsam mit anderen EU-Staaten Israel bei Verbrechen gegen die
       Menschlichkeit unterstützt“, sagte die sichtlich aufgebrachte Amnesty
       Generalsekretärin Agnès Callamard.
       
       Die Bewohner:innen ganzer palästinensischer Dörfer in der Area C würden
       durch Israels Politik aus dem Land vertrieben, in dem sie seit Generationen
       leben. Unter der aktuellen Regierungskoalition Netanjahus mit den
       [3][Rechtsextremen] gebe es in dem Gebiet einen „beispiellosen Anstieg von
       Angriffen durch Siedler“ sagte Callamard. Dies sei „nicht das Werk
       extremistischer Elemente, sondern wird vom Staat durchgesetzt“. Der setzte
       die religiös-nationalistische Agenda der Siedler:innenbewegung um und
       habe den Ausbau von Siedlungen und Landnahmen beschleunigt. Ziel sei es,
       die Area C „von palästinensischer Bevölkerung zu säubern“, so Callamard.
       
       [4][Die UN haben für den Zeitraum vom Januar 2023 bis April 2026 die
       vollständige oder teilweise Entvölkerung von über 100 Dörfer im
       Westjordanland dokumentiert.] Gleichzeitig erfassten sie mehr als 7.280
       Fälle individueller Vertreibung von Palästinenser:innen aufgrund des
       Abrisses von Häusern und Gebäuden durch israelische Streitkräfte.
       
       ## „Apartheid“ und „Genozid“
       
       Seit 2022 hat Amnesty seine Kritik an Israel immer weiter verschärft.
       Zunächst sprach die NGO von „Apartheid“ gegenüber Palästinenser:innen,
       [5][ab 2024 von einem „Genozid“ in Gaza] und nun von „ethnischen
       Säuberungen“.
       
       Die Wortwahl sei „das Ergebnis jahrelanger Recherchen“, sagte Budour Hassan
       vom Amnesty-Büro in Jerusalem. Die Gewalt im Westjordanland reiche
       Jahrzehnte zurück, Generationen der palästinensischen Beduinen seien ihr
       ausgesetzt gewesen. Hassan sprach von einem „Krieg ohne Bomben“. Bei jedem
       Besuch im Westjordanland sehe sie Veränderungen, [6][darunter neue
       Siedler-Außenposten, die „unter den Augen des israelischen Militärs ganze
       Dörfer terrorisieren“, so Hassan.]
       
       Netanjahus Regierung habe es den Siedlern so leicht gemacht, sich zu
       bewaffnen, dass die Palästinenser oft gar nicht unterscheiden könnten, ob
       sie es mit Siedlern oder Soldaten zu tun haben. Für jede Kleinigkeit in der
       Area C benötigten die palästinensischen Bewohner:innen eine Erlaubnis
       der israelischen Militärverwaltung. „Und die ist fast unmöglich zu
       bekommen.“
       
       Mit Blick auf das Treffen der EU-Außenminister in Luxemburg am 15. Juni
       fordert Amnesty eine Aussetzung des EU-Assoziierungsabkommens mit Israel.
       Wegen der Situation in Gaza hatte die EU-Kommission im vergangenen
       September eine Verletzung der Vertragspflichten Israels festgestellt und
       eine Aussetzung der mit dem Abkommen verbundenen Handelsvorteile
       vorgeschlagen.
       
       EU-Staaten wie Spanien hatten sich dem angeschlossen, für den Beschluss ist
       aber Einstimmigkeit erforderlich. [7][Unter anderem Deutschland blockiert
       bisher einen solchen Schritt.] „Die Bundesregierung erkannt ja an, dass die
       Siedlungspolitik illegal ist“, sagte die
       Amnesty-Deutschland-Generalsekretärin Julia Duchrow. Sie verweise darauf,
       „Verbesserung durch vertrauensvollen Dialog unter Freunden“ herbeiführen zu
       wollen. „Aber dann passiert nichts“, sagte Duchrow. „Welche Verbesserungen
       hat sie denn erreicht? Die Situation ist nur immer noch schlimmer
       geworden.“
       
       10 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Gewalt-im-Westjordanland/!6185035
   DIR [2] https://www.amnesty.de/sites/default/files/2026-06/Amnesty-Bericht-Israel-Westjordland-Deutsche-Zusammenfassung-Juni-2026.pdf
   DIR [3] /Rechtsradikaler-israelischer-Minister/!6180556
   DIR [4] https://www.un.org/unispal/document/ocha-humanitarian-situation-report-23-april-2026/
   DIR [5] /Amnesty-International-zu-Krieg-in-Gaza/!6050303
   DIR [6] /Siedlerterror-im-Westjordanland/!6166649
   DIR [7] /EU-Aussenministertreffen-in-Luxemburg/!6172738
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Christian Jakob
       
       ## TAGS
       
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