# taz.de -- Demo gegen Kürzungen: Uni Hamburg „exzellent, aber pleite“
> Studierende und Beschäftigte der Uni Hamburg protestieren gegen
> finanzielle Engpässe. Bewegt sich die Stadt nicht, drohen zehn Prozent
> Abbau bis 2032.
IMG Bild: Rund 7.000 demonstrieren gegen den Sparkurs: Kundgebung gegen Kürzungen an der Uni Hamburg am Donnerstag
Unter dem Motto „Wissen schafft Zukunft“ haben am Donnerstag rund 7.000
Beschäftigte und Studierende der Universität Hamburg gegen die prekäre Lage
ihrer Hochschule demonstriert.
Die merken sie deutlich: Studentische Hilfskräfte verlieren ihre Jobs,
ganze Studiengänge wie Teile der Sonderpädagogik stehen vor dem Aus.
„Das ist ekelhaft!“, sagte eine Studentin der Fachschafträte bei der
Auftaktkundgebung vor dem Uni-Haupthaus unter tosendem Applaus. Und der
Chemie-Professor Peter Burger erinnerte daran, dass die Uni erst gerade
wieder den Exzellenztitel holte. „Aber die bittere Wahrheit lautet hinter
den Kulissen: [1][Wir sind exzellent], aber pleite.“
Zuletzt waren 2011 mehr als 10.000 Studierende und Beschäftigte vor das
Rathaus gezogen, um die damals drohenden Kürzungen abzuwenden. Nun sei es
erneut Zeit dafür, hieß es in dem Aufruf zur Demonstration der [2][AG
Ausfinanzierung] an der Universität Hamburg, „erhöhen wir den Druck auf die
politisch Verantwortlichen, verschaffen wir uns Gehör“. Der Zeitpunkt ist
bewusst gewählt, so laufen gerade die Haushaltsverhandlungen im rot-grünen
Hamburger Senat.
## Uni hat Sparkurs eingeschlagen
Aktuell besteht an der Uni Hamburg ein Haushaltsloch von 30 Millionen Euro,
weil Kosten für gestiegene Tarife und Maßnahmen zur Cyber-Sicherheit nicht
ausgeglichen wurden. Deswegen hat das Uni-Präsidium einen Sparkurs
eingeschlagen: Es hat verfügt, dass alle acht Fakultäten der mit rund
43.000 Studierenden größten Hochschule der Stadt in 2025 und 2026 [3][4,5
Prozent der Kosten einsparen].
Doch es kommt noch schlimmer. Bis zum Jahr 2032 droht ein [4][Strukturabbau
von mindestens 10,5 Prozent der Universität], wenn sich die Stadt nicht
bewegt.
Chemie-Professor Burger warnte bei der Demo vor einem Ausbluten der
Hochschule. So seien wegen des Spardrucks fast 35 Prozent der
Promotionsstellen nicht besetzt. Und hinzu komme: Statt wie bisher 50 neuen
Landespromotionsstipendien gebe es von diesem Jahr an null. „Was ist das
für ein Signal, das wir an die jungen Talente schicken? Geht weg, geht
woanders hin, in Hamburg gibt es keine Perspektive.“
Exzellenz finanziere eben leider keine Lehre, Drittmittel seien ebenfalls
weder für die Lehre noch den Grundbetrieb da. Dafür sei die Stadt zuständig
und verantwortlich. „Und diese Verantwortung wird gerade und auch schon
längere Zeit vernachlässigt“, sagte Burger in seiner Funktion als
stellvertretender Landesvorsitzender des Deutschen Hochschulverbands.
## Hamburger Senat äußert sich nicht
Besonders hart von der Kürzungen betroffen wird die Fakultät für
Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN) sein, das hatte John
Lütten, Postdoktorand am Geografie-Institut, betont. Offiziell sei von 16
Prozent des Budgets die Rede. „Wir gehen aktuell aber von Kürzungen von bis
zu einem Viertel des Budgets aus.“ Das funktioniere nicht ohne
Personalabbau. So drohe an der MIN-Fakultät die Schließung ganzer Institute
und der Wegfall von Studiengängen. Dabei gebe es bereits jetzt teilweise
Haushaltssperren, „das heißt, Institute können eigentlich nicht mal mehr
Druckerpapier kaufen“.
Die AStA-Vorsitzende der Uni, Daria Azadi, warf dem Senat vor, ganz bewusst
bei den Studienbedingungen, den Studiengängen, den Tutorien, den
Öffnungszeiten der Bibliotheken und der Ausstattung sparen zu wollen. „Das
trifft die Lebensbedingungen von uns Studierenden, die sowieso schon
mehrheitlich unter der Armutsgrenze leben.“
Die AG Ausfinanzierung fordert, den Grundetat der Uni von rund 390
Millionen Euro um eben jene fehlenden 30 Millionen Euro zu erhöhen. Zudem
soll es künftig eine dynamische Anpassung dieses Etats in Höhe der realen
Entwicklungen von Tarifen und Sachkosten geben.
Aus der Politik kommt bisher wenig. Hamburgs rot-grüner Senat will seinen
Haushaltsplanentwurf für die Jahre 2027 und 2028 bis Ende des Monats
beschließen. Die zuständige Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal
(Grüne) hatte im Frühjahr gesagt, die Uni müsse selbst aus ihrem Defizit
herauskommen, will sich aber nun bis zum Abschluss der
Haushaltsverhandlungen nicht äußern.
Im Gespräch war auch ein Abbau von Studienplätzen. Die Zielzahlen dafür
werden jährlich zwischen Stadt und Uni festgelegt und ebenfalls aktuell
verhandelt. Ein Gerücht, wonach bereits zum Wintersemester fünf Prozent
Studienplätze entfallen, hat Uni-Sprecher Alexander Lemonakis nicht
bestätigt. „Richtig ist, dass die Sparmaßnahmen bereits jetzt zu weniger
wissenschaftlichem Personal in der Lehre führen.“ Die Uni prüfe derzeit im
Austausch mit der Behörde, „welche Auswirkungen das mittelfristig auf die
Studienkapazitäten hat“.
So droht ein Abbau von Ausbildungskapazitäten. Gefragt, ob dies hinnehmbar
ist, heißt es aus der in der Regierung befindlichen SPD-Fraktion: „Das
lässt sich von außen derzeit nicht belastbar beurteilen.“ Immerhin beteuert
die Fraktion, sich für gute Förderbedingungen des akademischen Nachwuchses
einsetzen zu wollen.
Die grüne Wissenschaftspolitikerin Selina Storm sagt: „Es ist
nachvollziehbar, dass angekündigte Einsparungen bei Studierenden zu Sorgen
und Unmut führen.“ Es sei aber die eigenständige Entscheidung der
Universität, „wie sie die notwendige finanzielle Konsolidierung auf den Weg
bringt“. Auf die Frage, ob es im neuen Haushalt die geforderten 30
Millionen zusätzlich gibt, geben weder SPD noch Grüne eine Antwort und
verweisen auf die Behörde. Diese kann jedoch noch nichts sagen.
Die Linken-Hochschulpolitikerin Sabine Ritter sagt dazu: „Wir finden diese
Forderung absolut richtig und angemessen.“ Auch sei Studienplatzabbau keine
Option. „Wir sollten jenen, die studieren wollen, ein Angebot machen
können. Das ist eine offene Wissenschaftsgesellschaft ihrer Jugend
schuldig.“ Und dass es in diesem Jahr keine Promotionsstipendien gibt, sei,
so Ritter, „eine Schande“.
11 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Hamburger-Uni-bleibt-exzellent/!6162029
DIR [2] https://ag-ausfinanzierung.blogs.uni-hamburg.de/
DIR [3] /Hochschulpolitik-in-Hamburg/!6137395
DIR [4] /Internes-Dokument-der-Uni-Hamburg/!6166422
## AUTOREN
DIR Kaija Kutter
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