# taz.de -- Iran bei der Fußball-WM 2026: Der WM droht ein Eklat
> Der Krieg überschattet die WM-Teilnahme Irans. Mannschaft und Fans sehen
> sich in den USA Schikanen ausgesetzt. Irans Sportminister droht.
IMG Bild: Beim Zeigen dieser alten iranischen Flagge in den WM-Stadien droht der von den Mullahs verordnete Spielabbruch
dpa/taz | Kurz vor dem WM-Start hat Iran mit einem Spielabbruch gedroht,
wenn es bei Auftritten des Teams in den Stadien zu Protesten persischer
Fans gegen die islamische Führung kommen sollte. „Wir haben der Fifa
bereits mitgeteilt, dass die Verantwortlichen des Teams das Spiel abbrechen
würden, sobald wir in den Stadien politische Parolen hören“, warnte
Sportminister Ahmed Donjamali.
Der iranische Fußballverband habe den Weltverband zudem mehrfach
aufgefordert sicherzustellen, dass iranische Zuschauer ausschließlich
[1][die offizielle Flagge der Islamischen Republik] ins Stadion bringen
dürfen – und nicht die alte iranische Flagge. Auch in diesem Fall würde das
Team das Spielfeld verlassen, so der Minister laut Sportportal Varzesh3.
Seit Wochen besteht Iran darauf, dass in den Stadien nur die offizielle
Staatsflagge zugelassen wird und nicht die [2][insbesondere von
monarchistischen Oppositionsgruppen bevorzugte alte Flagge] mit Löwen- und
Sonnenemblem. Diese wird auch [3][bei Protestkundgebungen im Ausland
verwendet] und gilt als Symbol der Ablehnung des islamischen Systems in
Iran. Beobachter bezweifeln, dass ein solches Verbot durchsetzbar wäre.
## Krieg mit USA überschattet WM-Teilnahme
Zwei der drei Vorrundenspiele Irans finden in Los Angeles statt. Dort lebt
der Großteil der fast zwei Millionen Menschen umfassenden persischen
Diaspora in den USA. Die Stadt wird daher auch „Tehrangeles“ oder
„Irangeles“ genannt. Für viele von ihnen bietet die WM die ideale
Plattform, um ihren Protest gegen die iranische Führung weltweit sichtbar
zu machen.
Überschattet wird die WM-Teilnahme Irans vom militärischen Konflikt mit den
USA. Ein Sondergesandter von US-Präsident Donald Trumo, Paolo Zampolli,
[4][schlug im April sogar vor, Iran bei der anstehenden Fußball-WM in
Nordamerika durch das in der Qualifikation gescheiterte Italien zu
ersetzen]. Fifa-Chef Gianni Infantion dagegen tat alles, [5][um einen
WM-Boykott Irans zu verhindern].
Stattdessen sieht sich das WM-Team nun Schikanen ausgesetzt. Wegen
Einreisebeschränkungen musste der iranische Verband sein Teamquartier aus
dem US-Bundesstaat Arizona bereits ins südlich von San Diego gelegene
Tijuana in Mexiko verlegen, wo die Spieler am Wochenende eintrafen. Die
iranische Fußball-Nationalmannschaft wird deshalb nur einen Tag vor ihrem
für den 15. Juni geplanten Auftaktspiel gegen Neuseeland in die USA reisen.
Das Team werde per Charterflug nach Los Angeles fliegen, sagte
Mannschaftssprecher Amir Mehdi Alawi am Dienstag der staatlichen
Nachrichtenagentur ISNA.
## Wochenlange Diskussionen um WM-Teilnahme
Um die Teilnahme der Iraner, deren Land sich im Krieg gegen die USA
befindet, hatte es monatelange Diskussionen gegeben. So erhielten letztlich
zwar alle Spieler ein Visum für die Einreise in die USA – nicht aber alle
Mitglieder ihres Betreuerstabs, unter ihnen Verbandspräsident Mehdi Tadsch.
Probleme gibt es auch für iranische Fans. Deren Reise in die USA werde
„behindert“, heißt es in einer Erklärung des iranischen Fußballverbands vom
Dienstag. Demnach hatte der iranische Verband bereits mit dem Verkauf der
in den Fifa-Bestimmungen vorgesehenen 8 Prozent der Eintrittskarten
begonnen. Doch dann sei ihm die Zuteilung wieder entzogen worden. Nun sei
der Verband nicht in der Lage, den Fans „auch nur ein einziges Ticket zur
Verfügung zu stellen“.
Die Fifa sieht sich möglicherweise an die [6][US-Sanktionen gegen den Iran]
gebunden. Der iranische Verband bezeichnete den Schritt jedoch als „im
Widerspruch zum Geist, der bei internationalen Wettbewerben herrscht“.
Weder die Fifa noch die US-Organisatoren haben sich öffentlich zu den
Vorwürfen geäußert.
## Iranische Testspiele abgesagt
Der FFI wirft WM-Mitgastgeber USA vor, die Anwesenheit iranischer Fans auf
diesem Wege verhindern zu wollen. Wegen des Kriegs hätten iranische Fans
Beobachtern in Teheran zufolge allerdings ohnehin kaum Chancen gehabt, zur
WM einzureisen. Derzeit werden in den US-Auslandsvertretungen keine Visa
für iranische Bürger ausgestellt. Zudem sind Reisen in die USA [7][für die
meisten iranischen Fans kaum bezahlbar].
Irans Nationalmannschaft wird ohne ihre geplante Generalprobe in das
Fußball-Turnier in [8][Mexiko], [9][Kanada] und den USA starten. Das
offenbar für Donnerstag angesetzte Testspiel gegen Grenada in Tijuana wurde
kurzfristig abgesagt. Die Mannschaft des Inselstaats begründete den Rückzug
laut der iranischen Nachrichtenagentur INSA mit einer unzureichenden
Vorbereitung.
Es ist bereits das zweite Testspiel Irans, das abgesagt wurde. In früheren
Planungen sollte die Mannschaft in den USA auf Puerto Rico treffen. Dieses
Spiel wurde gestrichen, nachdem das Trainingslager von den USA nach Mexiko
verlegt worden war.
10 Jun 2026
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