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       # taz.de -- Wunschmaschine Techno: Alles, was ich will, ist tanzen
       
       > Das Verlangen, am Sonntagnachmittag vorbei an der harten Tür ins Berghain
       > zu kommen. Im Rhythmus der Körper erblüht die Fantasie zu voller Pracht.
       
   IMG Bild: Oder doch die Pflanzen auf den Balkon bringen?
       
       Jogginghose und Doc Martens trage ich. Eine goldene Kette am Hals, ein
       durchsichtiges T-Shirt unter der Übergangsjacke, die trotzdem zu dünn für
       das Wetter ist. Eine Sonnenbrille habe ich wetterunabhängig auch auf. So
       komme ich mir vor wie ein Klischee, doch der Plan nimmt in meiner Fantasie
       immer mehr Gestalt an.
       
       Zum ersten Mal, seit ich in Berlin wohne – und überhaupt –, verspüre ich
       den Wunsch, ins Berghain zu gehen. In meiner Fantasie fahre ich mit dem
       Taxi vor. Schweigend würden der Fahrer und ich an diesem regnerischen
       Sonntagmittag die Stadt durchqueren. Auch er würde eine Sonnenbrille
       tragen.
       
       [1][Dann sehe ich mich in der Schlange vor dem Club stehen und spiele
       verschiedene Antworten durch, die ich dem Türsteher geben könnte, falls er
       mich fragt:] „Warum bist du hier?“ Würde er mich zurück nach Hause
       schicken, könnte ich mich ohne Diskussion damit abfinden.
       
       Wenn ich dagegen reinkäme, würde ich den ganzen Nachmittag tanzen – ohne
       mit jemandem zu reden, ohne Drogen zu nehmen oder Alkohol zu trinken.
       Einfach tanzen, das ist alles, was ich will. Ich will den Bass der Musik in
       meinem Körper spüren, auch in meinem Herzen, als würde es sich dem Rhythmus
       anpassen. Ich würde mich bewegen, bis ich nicht mehr kann, während ich
       andere Clubbesucher*innen beobachte und von ihnen beobachtet werde.
       Mit der Menge tanzender Menschen würde ich verschmelzen, bis ich darin
       verschwinde.
       
       ## Dunkle Wolken
       
       All das geht mir durch den Kopf, während ich meinen Balkon für die Saison
       vorbereite und sich weitere dunkle Wolken über mir sammeln. Ich bringe die
       Pflanzen hinaus, die drinnen überwintert haben, erneuere die Erde in den
       Töpfen, pflanze ein paar Samen und gieße alles mit der grünen Gießkanne.
       
       Die Zeit vergeht, und irgendwann merke ich, dass mir der Mut und die
       Energie fehlen, die Wohnung zu verlassen. „Ein anderes Mal“, verspreche ich
       mir. Im Hintergrund läuft die typische Klangkulisse eines Sonntags:
       Irgendwo im Haus beginnt eine Waschmaschine zu schleudern, die Wände
       vibrieren. Ein Stück weit klingt das wie Techno.
       
       14 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Zehn-Jahre-Berghain/!5035494
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Luciana Ferrando
       
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