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       # taz.de -- UNHCR-Bericht 2025: Der Trend geht zur Abschiebung
       
       > Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist erstmals seit langer Zeit leicht
       > zurückgegangen, so die Vereinten Nationen. Der Grund dafür ist aber
       > bedenklich.
       
   IMG Bild: Flüchtlinge aus dem Sudan fordern vor dem UNHCR-Büro in Tripolis Hilfe und Rückführung
       
       Zum ersten Mal seit vielen Jahren ist die Zahl der Flüchtlinge auf der Welt
       leicht zurückgegangen. 50,6 Millionen Menschen waren im vergangenen Jahr
       außerhalb ihres Herkunftslandes vertrieben – im Vorjahr waren es noch 51,2
       Millionen. Das berichtet das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen
       (UNHCR) in seinem Jahresbericht 2025, den es am Mittwoch vorstellte.
       
       Was wie ein Fortschritt erscheint, ist mit viel Leid erkauft. Denn zwar
       kehrten im vergangenen Jahr etwa 4,4 Millionen Menschen wieder in ihre
       Herkunftsländer zurück Das lag aber nur teils daran, dass sich die Lage
       dort verbessert hätte. Oft waren Abschiebungen oder eine Vertreibung durch
       den Entzug von Rechten in den Aufnahmeländern die Ursache.
       
       Über 90 Prozent der Rückkehrer entfielen dabei auf nur drei Herkunftsländer
       – alle waren Konfliktregionen.
       
       Fast zwei Millionen Menschen [1][kehrten in das von den Taliban beherrschte
       Afghanistan zurück], viele von ihnen wurden aus Pakistan abgeschoben. 1,3
       Millionen Menschen kamen nach Syrien zurück, [2][oft abgeschoben aus der
       Türkei]. In den Sudan, [3][wo der Krieg mit unverminderter Härte
       weitergeht], kehrten rund 650.000 Menschen zurück, die oft aus Ägypten
       abgeschoben worden waren. „Viele der Rückkehrenden gingen unter widrigen
       Umständen und in Gebiete zurück, in denen weiterhin Unsicherheit herrscht“,
       so der UNHCR dazu.
       
       ## Millionen Menschen wurden neu vertrieben
       
       Auch in Venezuela wurde ein [4][Anstieg spontaner Rückkehrbewegungen] sowie
       staatlich organisierter Rückführungen verzeichnet. Hier spiele aber laut
       UNHCR eine Rolle, dass Menschen annehmen, dass sich die Lebensbedingungen
       in dem Land verbessert haben. Seit 2018 seien mehr als 1,2 Millionen
       Menschen in das Land zurückgekehrt.
       
       Gleichzeitig wurden 2025 mehrere Millionen Menschen neu vertrieben, sodass
       am Ende nun ein Minus von weltweit etwa 600.000 Geflüchteten steht. Die
       meisten Menschen flohen im vergangenen Jahr [5][aus dem Sudan], der
       Ukraine, Venezuela, Südsudan, Burkina Faso, Afghanistan, Mali und Myanmar.
       
       Hinzu kommen rund 69 Millionen sogenannter Binnenvertriebener – also
       Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes fliehen mussten. Insgesamt
       summiert sich die Zahl der Vertriebenen damit weltweit auf knapp 118
       Millionen.
       
       Vier von zehn Geflüchteten sind Kinder – ein überdurchschnittlicher Anteil,
       da nur knapp ein Drittel der Weltbevölkerung minderjährig ist. Mehr als ein
       Drittel der Vertriebenen, die in ein anderes Land gelangen, kommen in nur
       sechs Ländern unter – [6][Kolumbien], Deutschland, die [7][Türkei],
       [8][Uganda], Iran und Tschad sind die Länder, die in den vergangenen Jahren
       am meisten Flüchtlinge aufgenommen haben.
       
       ## Kriege in Iran und Libanon treiben in die Flucht
       
       Neu aufflammende Kriege tragen maßgeblich zu dieser Entwicklung bei. Die
       eskalierenden [9][Kriege in Iran und in Libanon] haben ab Februar 2026 zu
       „großflächigen Vertreibungen, zahlreichen zivilen Opfern sowie erheblichen
       Schäden an Wohngebäuden und ziviler Infrastruktur geführt“, so der UNHCR.
       In Libanon seien schätzungsweise eine Million Menschen, in Iran rund 3,2
       Millionen vorübergehend auf der Flucht innerhalb des Landes. Vieles deute
       darauf hin, dass die Vertreibung länger andauern werde.
       
       In Mali habe sich die Sicherheitslage nach dem [10][Vormarsch von
       Dschihadisten und Tuareg-Rebellen] im Norden des Landes zuletzt deutlich
       verschärft. Die teilweise Abriegelung der Hauptstadt Bamako durch
       bewaffnete Gruppen Ende April 2026 dürfte weitere Vertreibungen nach sich
       ziehen.
       
       „Für zu viele Flüchtlinge beginnt die Flucht als Rettungsanker, dauert aber
       ein Leben lang“, sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Barham Salih.
       Es gehe zunächst ums Überleben, die Flucht bestimme aber oft dauerhaft die
       Lebensrealität. „Humanitäre Hilfe rettet Leben, aber ermöglicht es den
       Menschen nicht, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.“ Wichtig sei der
       Übergang von reiner Nothilfe zu wirtschaftlicher Eigenständigkeit. „Wir
       können eine Zukunft nicht akzeptieren, in der Millionen Menschen über Jahre
       oder Jahrzehnte ohne echte Perspektive bleiben.“
       
       Von einem „historischen Vertreibungsausmaß“ sprach das International Rescue
       Committee (IRC). Die NGO warnte vor einem „Kollaps der internationalen
       Schutzsysteme“. Der erste Rückgang der globalen Vertreibungszahlen seit
       über einem Jahrzehnt klinge zunächst nach einer guten Nachricht, sagte
       IRC-Direktor David Miliband. Doch die Zahlen „spiegeln Elend in
       historischem Ausmaß wider“. Kürzungen bei Hilfsgeldern, Resettlement und
       grundlegenden Schutzsystemen haben Geflüchteten keinen Ausweg gelassen.
       „Rückkehr ohne Ressourcen ist keine Lösung – sie ist Vertreibung im zweiten
       Anlauf“, so Miliband. „Die Frage ist, ob die Welt den Willen hat, die
       Schutzsysteme wieder aufzubauen – oder sie weiter abzutragen.“
       
       Jan Egeland, Generalsekretär des Norwegian Refugee Council, erinnerte
       daran, dass sich die Zahl der Menschen, die aufgrund von Gewalt und
       Konflikten aus ihrer Heimat geflohen sind, in den letzten 15 Jahren fast
       verdreifacht hat. „Dies ist ein menschliches Leid von ungeheurem Ausmaß und
       ein kollektives Versagen der Menschheit,“ so Egeland. Rückführungen nach
       Afghanistan erfolgten oft unter Zwang. In der Demokratischen Republik Kongo
       seien Flüchtlingslager unter Waffengewalt geräumt wurden, wodurch Tausende
       Familien in nicht mehr existierende Häuser zurückgeschickt wurden. „Die
       Welt versagt weiterhin gegenüber Zivilist*innen, die von Konflikten und
       Gewalt betroffen sind“, sagte Egeland.
       
       11 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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   DIR [4] /Flucht-aus-Venezuela/!5995441
   DIR [5] /Flucht-aus-Sudan/!6115539
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   DIR [7] /Lage-von-Syrerinnen-in-der-Tuerkei/!6054841
   DIR [8] /Migrationspolitik-in-Uganda/!6132733
   DIR [9] /Krieg-in-Iran-und-Libanon/!6186221
   DIR [10] /Grossoffensive-von-Rebellen-in-Mali/!6174059
       
       ## AUTOREN
       
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