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       # taz.de -- Schließung von Parks: Sperrstunde für den Pöbel
       
       > Das Tempelhofer Feld ist nachts geschlossen, der Görlitzer Park war es
       > zeitweise. Der Entzug von Stadtgrün ist eine Machtdemonstration, die sich
       > gegen arme Menschen richtet.
       
   IMG Bild: Kein Ort für den Pöbel nur ein Ort für die Natur und ihren Zaun
       
       Lange Zeit dachte man, Konservative hassen nur DIE GRÜNEN, in Berlin zeigt
       sich: Sie hassen das Grün.
       
       Bestimmt nicht jedes! Konservative Politik richtet sich schließlich an
       Menschen am Stadtrand mit Gärtchen ums Häuschen und an solche, die ihre
       Freizeit gerne mal auf dem Golfplatz verbringen.
       
       Die CDU hasst also nicht das Grün. Sie gönnt es uns nur nicht. Sie hasst
       das öffentliche Grün. Spielt Kai Wegner eigentlich auch Rasentennis? Ich
       weiß es nicht.
       
       Was ich weiß, ist: Der schwarz-rote Berliner Senat hat es auf die
       Grünflächen abgesehen. So wurde der [1][Görlitzer Park in Kreuzberg] gegen
       den Willen des Bezirks und trotz massiven Protests der Anwohnenden umzäunt,
       um ihn nachts zu schließen.
       
       ## Was Feldlerchen nicht können
       
       Aus Naturschutzgründen nachts geschlossen ist das [2][Tempelhofer Feld].
       Das ergibt durchaus Sinn. Falls ihr den Unterschied zwischen Drogendealern
       und Feldlerchen nicht kennt: Dealer können in Seitenstraßen ausweichen,
       wenn eine Grünanlage geschlossen wird. Feldlerchen können das nicht. Auch
       deswegen kritisiert der Nabu die nun wieder diskutierte Randbebauung des
       Tempelhofer Felds.
       
       Gegen eine Bebauung haben die Berliner*innen [3][bereits 2014
       gestimmt.] Wieso will dieser Senat unbedingt das Grün nehmen, das Menschen
       und Feldlerchen offensichtlich sehr wichtig ist?
       
       Der Entzug des Grüns ist eine Machtdemonstration. Sie richtet sich gegen
       arme Menschen, wobei Armut immer diverser wird. Da sind die, die abends
       keine Wohnung haben, in die sie zurückgehen können, wenn der Park
       abgeschlossen wird. Und diejenigen, die den Sommer draußen verbringen, weil
       daheim nicht genug Platz ist.
       
       Und die, an die wir nicht denken, wenn wir „arm“ sagen und die sich selbst
       nicht so bezeichnen würden, die sich aber den Sommerurlaub seit ein paar
       Jahren nicht mehr leisten können und neuerdings auch nicht mehr das Glas
       Wein in der Außengastronomie. Je höher die Mieten, je teurer die Stadt,
       desto mehr brauchen wir kostenlose Orte zum Joggen und Lesen, zum Menschen
       treffen oder Alleinsein. Wir brauchen sie zum Atmen.
       
       ## Diese dritten Orte
       
       Aufgescheucht am Abend werden nicht die, die in ihrer Hollywoodschaukel
       hinterm Haus sitzen, sondern die, die sich gerade zwischen überquellenden
       Mülleimern und Trampelpfaden mit nem Spätigetränk auf ein Handtuch gesetzt
       haben. Sperrstunde für den Pöbel.
       
       Görlitzer Park und Tempelhofer Feld haben gemeinsam, dass ihre Nutzung als
       Freizeiträume, als sogenannte dritte Orte, an denen nicht gewohnt oder
       gearbeitet, sondern kostenlos rumgehangen wird, von Anwohner*innen und
       Bürgerinitiativen hart erstritten wurde.
       
       Aus einem stillgelegten Bahnhof und einem stillgelegten Flughafen, aus
       Orten, die für Hektik und Betriebsamkeit stehen, wurden Orte der Begegnung
       und Erholung. Das sind kollektive Erfolge, die für eine solidarische
       lebendige Zivilgesellschaft stehen. Der Moment, in dem man das Tempelhofer
       Feld betritt und die Augen sich neu justieren, weil der Blick nicht an der
       nächsten Hauswand abprallt, ist nicht nur jedes Mal aufs Neue besonders,
       weil die Aussicht frei ist, sondern auch, weil man Freiheit spürt.
       
       Schließung und Randbebauung, das ist keine Symbolpolitik, die der
       konservativen Wählerschaft signalisieren soll, „Wir greifen durch im Kampf
       gegen Kriminalität“ oder wir „bauen, bauen, bauen“.
       
       Es ist ein Signal an alle, die ein Recht auf Stadt fordern: „Euer
       Engagement lohnt sich nicht. Wir können euch alles wieder nehmen.“
       
       11 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Simone Dede Ayivi
       
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