# taz.de -- Erde speichert mehr Wärme: Meereshitzewellen nehmen zu
> Ein aktueller Klimabericht zeigt, wie schnell sich Ozeane weiter
> aufheizen. Die Erde nimmt so viel Wärme auf wie nie zuvor seit
> Messbeginn.
IMG Bild: Messungen zeigen, dass die Meere wellenweise heißer werden
dpa | Der Ausstoß an Treibhausgasen steigt weiterhin, die Erde nimmt immer
mehr Energie auf, und die [1][Tage mit Meereshitzewellen] werden häufiger.
Das geht aus dem jüngsten Report Indicators of Global Climate Change (IGCC)
hervor, den führende Wissenschaftler zur derzeit tagenden UN-Klimakonferenz
in Bonn präsentieren. Die jährlich erscheinende Auswertung gilt als
Zwischenbilanz für die Berichte des Weltklimarats IPCC, die nur im Abstand
mehrerer Jahre herauskommen.
Mitautor Thomas Frölicher von der Universität Bern fasst die Datenlage in
drei Grundsätzen zusammen: „Wir stoßen mehr Treibhausgase als je zuvor
aus.“ Dies führe zu einem Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen etwa von
CO2, Methan und Distickstoffmonoxid in der Atmosphäre. „Und dadurch
speichern wir mehr Wärme im Erdsystem und bringen die Welt aus dem
Gleichgewicht.“
## Treibhausgasausstoß steigt weiterhin
Die gesamten [2][globalen Emissionen] entsprachen im Jahr 2024 dem Effekt
von rund 56,8 Milliarden Tonnen CO2. Davon entfielen 38,6 Milliarden Tonnen
(Gigatonnen CO2; GtCO2) auf CO2 aus fossilen Brennstoffen und Industrie. Im
Durchschnitt der Jahre 2015–2024 waren es 54,6 GtCO2 – davon 36,7 aus
fossilen Brennstoffen und Industrie.
Entsprechend ist die globale mittlere Konzentration wichtiger Treibhausgase
in der Atmosphäre 2025 im Vergleich zu 2019 – den jüngsten Daten des
Weltklimareports – weiter gestiegen. Bei CO2 um 15,6 auf 425,6 ppm (Teile
pro Million), bei Methan um 70,2 auf 1936,3 ppb (Teile pro Milliarde).
## Erde im Ungleichgewicht
Als Folge nimmt das sogenannte Energieungleichgewicht der Erde zu: Dieses
entsteht, weil etwa durch die Treibhausgase mehr Energie in das Erdsystem
kommt als es verlässt. Das zeigt, wie schnell sich Wärme im Klimasystem
ansammelt. Laut Report hat der Wert sich von 0,40 Watt pro Quadratmeter im
Zeitraum 1976–1995 auf 1,04 Watt pro Quadratmeter im Zeitraum 2006–2025
mehr als verdoppelt.
Als Ursachen nennt der Report die steigenden Konzentrationen langlebiger
Treibhausgase, aber auch Rückgänge beim Ausstoß kühlender Aerosole wie
Schwefeldioxid und eine erhöhte Aufnahme der Erde von Sonnenstrahlung durch
geringere Reflexion an Wolken und kleiner werdende Meereisflächen.
Die globale Erwärmung der Erde setzt sich demnach mit hoher Geschwindigkeit
fort: Im Zeitraum 2010–2019 waren es noch 0,23 Grad pro Jahrzehnt. Für
2016–2025 berechneten die Forscher 0,27 Grad pro Jahrzehnt – das entspricht
der Rate von 2015–2024.
## Ozeane erwärmen sich drastisch
Seit den 1970er Jahren haben die Ozeane laut Report etwa 90 Prozent der
überschüssigen Wärmeaufnahme gespeichert. Der verbleibende Anteil verteilt
sich auf die Erwärmung der Landflächen und der Atmosphäre sowie das
Abschmelzen von Eis. So ist im Ozean laut Report seit den 1990er Jahren
etwa „eine robuste Zunahme der Erwärmung in Tiefen zwischen 700 und 2000
Metern zu beobachten“. Die Temperaturen über den Landflächen sind vom
Zeitraum 1850–1900 bis zum Jahrzehnt 2016–2025 um 1,81 Grad angestiegen.
Neu aufgenommen im Report wurden die Tage mit Meereshitzewellen, deren
Anzahl sich von 1991 bis 2025 mehr als verdreifacht habe. Im Jahr 2025 gab
es im Durchschnitt an jedem Ort der Ozeanoberfläche an 65 Tagen
Meereshitzewellen. Dabei ist die Temperatur um einen bestimmten Wert
erhöht.
Bei zwei wichtigen Klimaindikatoren wurde nach Angaben der Mitautorin
Karina von Schuckmann eine Beschleunigung über längere Zeit nachgewiesen.
Das sei neben dem Energieungleichgewicht der Erde der Meeresspiegelanstieg,
der durch die Erwärmung der Ozeane und das Abschmelzen von Eis auf Land
entsteht. Von 1971 bis 2018 waren es laut Report rund 2,33 Millimeter pro
Jahr, von 2018 bis 2025 bereits 3,84 Millimeter pro Jahr. Schuckmann ist
Beraterin bei der Forschungsorganisation Mercator Ocean International in
Toulouse.
## CO2-Emissionsbudget in drei Jahren aufgebraucht
Wenn der Mensch die Erderwärmung mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit auf
1,5 Grad begrenzen möchte, darf er laut IGCC nur noch 130 GtCO2
produzieren. Bei den derzeitigen Emissionen werde das Budget in drei Jahren
aufgebraucht sein. Bei einer Begrenzung auf 1,7 Grad seien es noch 500
GtCO2 und damit zwölf Jahre.
Für den Report haben mehr als 70 Forscher über 40 Datensätzen ausgewertet,
von denen viele nach Autorenangaben nun durch Entscheidungen über die
öffentliche Finanzierung gefährdet seien. Nötig sei ein abgestimmtes
internationales Vorgehen, um die Kontinuität der Klimabeobachtungen zu
gewährleisten.
Dem Report zufolge steigt der Ausstoß an Treibhausgas-Emissionen zwar nicht
mehr so schnell wie in den 2000er Jahren, er erhöht sich aber immer noch.
Die Menschheit sei demnach sehr weit davon entfernt, „jetzt auf einem
abnehmenden Pfad zu sein“, sagt Mitautorin Sonia Seneviratne von der ETH
Zürich. Die Zunahme der Emissionen „finde ich sehr schwierig zu verstehen,
wenn wir wissen, dass es das Pariser Abkommen 2015 gegeben hat“, sagt sie.
„Man sieht, dass die Emissionen einfach weiter zunehmen, obwohl wir sehr
viele Alternativen haben.“
Sie verwies auf Äthiopien, das ein Importverbot von Verbrennern verfügt
hat. „Also wenn Äthiopien das schafft, denke ich, könnten viele Länder in
Europa das auch schaffen.“
11 Jun 2026
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