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       # taz.de -- Bauarbeiten an Sehenswürdigkeit: Was für eine Fassade!
       
       > Seit 40 Jahren ist der Brüsseler Justizpalast von Baugerüsten umgeben,
       > die mit der Zeit selbst renoviert werden mussten. Nun ist die Vorderfront
       > wieder sichtbar.
       
   IMG Bild: Brüsseler Justizpalast: Ganze Generationen kennen das Gebäude nur von Baugerüsten umgeben
       
       Eine Influencerin filmt sich selbst mit staunendem Gesicht, dann schwenkt
       die Kamera rüber zur Vorderfront des Brüsseler Justizpalasts. Die Fassade
       ist zu sehen! Ohne Baugerüste! Oh my God!
       
       Der Brüsseler Justizpalast ist eine der Hauptsehenswürdigkeiten der
       belgischen Hauptstadt: Er ist ein Nationalsymbol, ein gängiges Fotomotiv,
       Teil der Skyline – und seit über 40 Jahren eine [1][Dauerbaustelle]. Ganze
       Generationen kennen das Gebäude mit seiner imposanten 142 Meter hohen
       Kuppel, das fast von der ganzen Stadt mit seinen hügeligen Straßen und
       Parks aus zu sehen ist, nur umgeben von einem Stahlkäfig. Nun ist seit
       dieser Woche zum ersten Mal wieder die Vorderfront sichtbar – und die
       Social-Media-Timelines der Brüsseler Bubble ist voll damit.
       
       1984 bröckelten erstmals Steine von der Fassade, die mit Abgasen belastete
       Stadtluft machte der Bausubstanz zu schaffen. Um das Gebäude zu sichern,
       wurden Gerüste angebracht. Sonst passierte nichts. Der Beginn der
       Renovierungsarbeiten zog sich so lange dahin, dass schließlich die
       Baugerüste selbst renovierungsbedürftig wurden. Es musste also ein Gerüst
       an das Gerüst gebaut werden, um das alte Gerüst zu renovieren. All das
       kostete bereits mehrere Millionen. Erst ab 2023 konnten die eigentlichen
       Renovierungsarbeiten beginnen. Bereits ein Jahr später wurden erste Teile
       des Gerüsts abgebaut, der große Eingang und die Statuen davor wurden
       erstmals wieder sichtbar.
       
       ## Auch der Architekt bekam sein Werk niemals zu Gesicht
       
       Im 19. Jahrhundert war der Justizpalast, gebaut im griechisch-römischen
       Stil, eines der größten und höchsten Gebäude der Welt. Bis heute ist er
       eines der größten Gerichtsgebäude weltweit. Seine Gesamtfläche beläuft sich
       auf 26.000 Quadratmetern mit acht Innenhöfen und 27 Gerichtssälen. Seine
       Grundfläche ist größer als die des Petersdoms in Rom.
       
       Der Bau dauerte 17 Jahre: von der Grundsteinlegung im Jahr 1866 bis zur
       Einweihung im Jahr 1883. Architekt Joseph Poelaert, nach dem der Platz vor
       dem Justizpalast benannt ist, erlebte die Fertigstellung nicht mehr.
       
       Im Zweiten Weltkrieg wurden zentrale Bereiche und das Dach immens
       geschädigt, als die Nazis das Gebäude nach dem Sieg der Alliierten in Brand
       steckten, wohl um Dokumente zu vernichten. Bis 1948 reparierten die
       Belgier:innen die Schäden und bauten die markante Kuppel leicht
       verändert und etwas höher wieder auf.
       
       ## Renovierungsarbeiten finden in mehreren Phasen statt
       
       Dennoch ist der Justizpalast in der heutigen Zeit die Baugerüste nach wie
       vor nicht komplett los. In diesem Sommer soll lediglich die erste Phase der
       Renovierung beendet sein, derzeit finden noch am linken Flügel der
       Vorderfront Arbeiten statt. Auch sind an der Vorderseite noch auf Höhe des
       Kuppelgebäudes Baugerüste zu sehen: Das wird nämlich erst in der zweiten
       Phase renoviert, die im kommenden Jahr beginnen soll. In Phase drei steht
       die Renovierung der Fassaden in Richtung des Marollenviertels an, in Phase
       vier die der Rückseite und jener Gebäudeseiten, die zum Stadtviertel Saint
       Gilles zeigen.
       
       Laut Plan sollte dies alles bis zum Jahr 2030 erledigt sein, genau genommen
       bis zum belgischen Nationalfeiertag am 31. Juli, dem 200. Geburtstag des
       Königreichs. Doch daraus wird, Überraschung, nichts. Die Baubehörde nennt
       mittlerweile das Jahr 2035 als voraussichtlichen Fertigstellungstermin. Der
       [2][ehemalige Justizminister Koen Geens] hatte sogar schon mal von 2040
       gesprochen, zumal nach der Fassadenrenovierung noch die Restaurierung der
       Innenräume ansteht.
       
       Der Justizpalast wird also mindestens für eine weitere Dekade eine
       Baustelle bleiben. Und damit eins mit dem [3][Brüsseler Stadtbild], zu dem
       von blaugelben Zäunen umrahmte Baustellen fest gehören.
       
       12 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Eva Fischer
       
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