# taz.de -- Wald in Nordrhein-Westfalen: Hambacher Forst soll Urwald werden
> Der Hambacher Wald soll Wildnis werden. Filmemacher, die den dortigen
> Protest gegen den Braunkohletagebau dokumentiert haben, begrüßen das.
IMG Bild: Auf ewig ruht der Forst zu Hambach nun
kna/dpa/taz | Der Hambacher Forst soll Wildnis werden – das begrüßen jetzt
auch die Macher einer Dokumentation über den dort gestorbenen Studenten
Steffen Meyn. „Der ‚Hambi‘ war immer ein Symbol“, teilten Kilian
Kuhlendahl, Jens Mühlhoff und Fabiana Fragale am Donnerstag mit. Das
Entscheidende sei nicht die konkrete Rettung des Waldes, sondern die
Tatsache, dass es eine Einigung gibt. „Die Bewegung hat sich durchgesetzt“,
so die Filmemacher. Solche Erfahrungen seien wichtig. Veränderungen würden
von vielen engagierten Einzelpersonen bewirkt.
Der [1][damals 27-jährige Student Meyn] hatte 2018 die Proteste im
Hambacher Forst unter anderem mit einer Helmkamera begleitet. Aktivisten
hatten sich in Baumhäusern verschanzt, um die Rodung des Waldes zu
verhindern. Als die Polizei die Häuser räumte, stürzte Meyn von einer
Hängebrücke und starb. Kuhlendahl, Mühlhoff und Fragale verarbeiteten sein
Material [2][zu dem Film „Vergiss Meyn nicht“ (2023)].
Am Dienstag hatten Vertreter der nordrhein-westfälischen Landesregierung
und des Energiekonzerns RWE eine Erklärung zur Zukunft des Hambacher
Forstes unterzeichnet. Bis spätestens 2035 soll der rund 400 Hektar große
Wald in öffentliches Eigentum übertragen werden. Bereits zuvor werde RWE
den Wald nicht mehr forstwirtschaftlich nutzen. Er werde zum
„Wildnisentwicklungsgebiet“. Dafür werde er dauerhaft unter Schutz
gestellt, teilte das NRW-Umweltministerium mit.
Der Hambacher Forst war unter dem Motto „Hambi bleibt“ zum bundesweiten
Symbol für den Kampf um die Energiewende geworden. Umweltschützer und
Aktivisten hatten seit 2012 Baumhäuser errichtet, um die Rodung des
ursprünglich 4.000 Hektar großen Waldes für die klimaschädliche
Braunkohle-Verstromung zu verhindern und ihn vor dem anrückenden
Braunkohletagebau zu schützen. Große Teile des Waldes waren für den von RWE
betriebenen Tagebau Hambach gerodet worden. Auch das letzte Stück sollte
für die Braunkohlegewinnung weichen.
In einem der größten Polizeieinsätze der Geschichte Nordrhein-Westfalens
wurden die Baumhäuser 2018 mit Verweis auf den Brandschutz geräumt. Kurz
nach der Räumung im Herbst 2018 verfügte das Oberverwaltungsgericht Münster
einen vorläufigen Rodungsstopp. Die endgültige Rettung des Waldes kam durch
die politische Einigung: Im Kohlekompromiss zwischen Bund, Ländern und
Energiekonzernen wurde Anfang 2020 entschieden, dass der Hambacher Forst
erhalten bleiben soll.
11 Jun 2026
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