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       # taz.de -- Erste Erhöhung seit drei Jahren: EZB hebt Leitzins an
       
       > Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihren ‌Leitzins erstmals seit
       > fast drei Jahren. Grund dafür ist vor allem die stark gestiegene
       > ‌Inflation.
       
   IMG Bild: Der Rubel … äääääh Euro rollt!
       
       rtr Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht ihren ‌Leitzins wegen [1][der
       stark gestiegenen ‌Inflation] erstmals seit fast drei Jahren. Sie setzte
       den Einlagensatz am Donnerstag von 2,0 auf 2,25 Prozent herauf. Über ihn
       steuert der EZB-Rat maßgeblich seine Geldpolitik, auch die Tages- und
       Festgeldzinsen für Sparer orientieren sich daran. Befeuert von den
       [2][infolge des Irankrieges erhöhten Energiekosten] war die Teuerungsrate
       im Euroraum zuletzt mit 3,2 Prozent deutlich über das Ziel der EZB von 2,0
       Prozent hinausgeschossen. Zuletzt hatte die Notenbank die Zinsen im
       September 2023 angehoben.
       
       Experten hatten mit der geldpolitischen Straffung gerechnet. „Da die
       Inflation im Euroraum 3 Prozent überschritten hat und wenig Aussicht auf
       Entspannung im Irankonflikt besteht, ‌ist eine Zinserhöhung jetzt der
       richtige Schritt“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens
       Fuest. Die EZB folge damit nur dem, was die Märkte schon eingepreist
       hätten. „Dieser Schritt soll ein Signal an die Finanzmärkte, aber auch an
       die Unternehmen und Haushalte sein, dass die EZB die Inflationsdynamik sehr
       genau im Auge hat“, sagte der Chefvolkswirt der deutschen Förderbank KfW,
       Dirk Schumacher.
       
       Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen rechnen für September
       mit einer weiteren Zinsanhebung. Höhere Zinsen können aber auch die
       Konjunktur dämpfen, da dadurch Kredite für Investitionen teurer werden.
       Gewerkschaften haben deshalb von einer Zinserhöhung abgeraten.
       
       „Eine Zinserhöhung wäre in der gegenwärtigen Situation ein schwerer Fehler
       und würde die wirtschaftliche Erholung mutwillig noch weiter abwürgen“,
       sagte der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes
       (DGB), Stefan Körzell, zu Reuters. „Dabei brauchen Deutschland und Europa
       Wachstum und Stabilität dringender denn je.“ Das Bruttoinlandsprodukt der
       ‌Eurozone ist im ersten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft, womit der
       Währungsraum mit einem Bein in der Rezession steht.
       
       ## „Dient der Glaubwürdigkeit“
       
       Die EZB will unbedingt sogenannte Zweitrundeneffekte vermeiden, durch die
       sich die Inflation immer weiter in der Wirtschaft festsetzt: Wenn die
       Teuerung zu steigenden Löhnen und Preiserhöhungen von Unternehmen führt,
       ⁠könnten diese Effekte die Inflation über längere Zeit hochtreiben. „Eine
       Zinserhöhung wird den Ölpreis nicht senken“, betonte Lena Dräger vom Kieler
       Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Sie dient vielmehr dazu, die
       Glaubwürdigkeit der EZB im Kampf gegen die Inflation zu wahren und die
       Erwartungen zu stabilisieren, bevor sich der Schock dauerhaft festsetzt.“
       
       Nach Beginn der Angriffe der USA ‌und von Israel auf Iran am 28. Februar
       sind die Energiepreise stark gestiegen. Die Zentralbank will verhindern,
       dass es wieder ⁠zu einem Inflationsschub kommt wie 2022, als Russlands
       Invasion in der Ukraine die Teuerungsrate auf zeitweilig über 10 Prozent
       steigen ließ. Die EZB stand damals in der Kritik – auch weil sie die
       Teuerungswelle zu lange ‌unterschätzt hatte. EZB-Präsidentin Christine
       Lagarde und andere Vertreter der Zentralbank hatten in jüngster ‌Zeit
       klargemacht, dass die Zentralbank diesmal wachsamer sein werde. Dabei geht
       es auch um ihre Glaubwürdigkeit und ihr Mandat, für stabile Preise zu
       sorgen.
       
       Die Inflationserwartungen der Verbraucher in den Euroländern sind wegen der
       gestiegenen ‌Energiepreise infolge des Irankriegs weiter hoch. In den
       kommenden drei ⁠Jahren erwarten sie eine durchschnittliche Teuerungsrate
       von 2,9 Prozent.
       
       11 Jun 2026
       
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