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       # taz.de -- Immobilienprojekt in Albanien: Eine Insel für Ivanka Trump
       
       > Ein Bauprojekt von Trumps Schwiegersohn Kushner sorgt in Albanien seit
       > Wochen für Proteste. Doch Ministerpräsident Edi Rama will daran
       > festhalten.
       
   IMG Bild: Die Flamingo-Revolution: Seit zwei Wochen protestieren Demonstranten in Tirana gegen das Projekt in der Lagune von Narta
       
       ap/afp | Der [1][albanische Ministerpräsident Edi Rama] hält trotz heftiger
       Proteste an einem Immobilienprojekt an der Adria-Küste fest. An dem
       Luxusprojekt auf einer Adria-Insel ist eine Firma des Schwiegersohns von
       US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, beteiligt. Rama wies in einem
       Interview mit der Nachrichtenagentur AP Einwände von Umweltschützern als
       unbegründet zurück. Das Projekt werde die großen Investoren ins Land
       locken, sagte der Regierungschef.
       
       Das Luxusprojekt, das mit Trumps Tochter Ivanka und ihrem [2][Ehemann Jared
       Kushner] in Verbindung steht und dessen Kosten auf rund vier Milliarden
       Euro geschätzt werden, besteht aus zwei Teilen: einer Bebauung im Gebiet
       der Narta-Lagune, einem Naturschutzgebiet, und einem kleineren Resort auf
       der nahe gelegenen Insel Sazan, einem unbewohnten [3][ehemaligen
       Militärstützpunkt aus der Zeit des Kommunismus]. Eine mit Kushner
       verbundene Investmentfirma hat für das Projekt von den albanischen Behörden
       einen besonderen Investorenstatus erhalten. Das Projekt ist deswegen in
       Albanien hoch umstritten. Zuletzt nahmen die Proteste dagegen zu.
       
       Erst am vergangenen Samstag hatten in dem Naturschutzgebiet an der
       albanischen Küste Hunderte Menschen [4][gegen die Pläne für ein
       Luxus-Ferienresort protestiert]. Dem Plan zufolge ist die Umwandlung der
       unbewohnten Insel Sazan in einen glanzvollen Urlaubsort vorgesehen.
       
       Umweltschützer aus dem ganzen Land und Anwohner folgten einem Aufruf von
       Umweltschutzorganisationen und versammelten sich in der [5][Lagune
       Vjosa-Narta rund 150 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Tirana], wie eine
       Journalistin der Nachrichtenagentur AFP beobachtete.
       
       ## Abends vor dem Amtssitz des Premiers
       
       „Dieses ganze Meeresgebiet ist Schutzgebiet. Es zu zerstören wäre
       verheerend für die Artenvielfalt“, sagte die Finanzangestellte Emiljona
       Puja. Die Demonstrierenden versammelten sich an einem Strand, einige
       schwenkten die rote albanische Flagge, andere trugen aufblasbare Flamingos,
       das Symbol der Protestbewegung, und riefen „Streicht das Projekt“.
       
       Seit mehr als einer Woche versammeln sich in Tirana jeden Abend Tausende
       Menschen vor Ramas Amtssitz, um gegen die aus ihrer Sicht geplante
       Zerstörung ganzer Gebiete des Naturschutzgebietes und die Entwicklung eines
       Luxus-Urlaubsorts zu protestieren. Das Projekt soll Hotels, Wohnungen,
       Villen und einen Jachthafen umfassen. Die Lagune an der südlichen
       Adriaküste ist ein bedeutendes Rastgebiet für Zugvögel und Flamingos.
       „Dieses Gebiet ist einer der wichtigsten Orte für Artenvielfalt im
       Mittelmeerraum“, sagte Denisa Kasa von der Albanischen Vereinigung zum
       Schutz der Umwelt (PPNEA).
       
       Die albanische Regierung argumentiert, das Projekt sei für das ehemalige
       kommunistische Land von grundlegender Bedeutung. Albanien strebt den
       Einstieg in den Markt für Luxustourismus und [6][eine EU-Mitgliedschaft]
       an. Ministerpräsident Rama erklärte am Dienstag in dem Interview, dass noch
       keine formelle Umweltverträglichkeitsprüfung eingeleitet worden sei, obwohl
       bereits Rodungsarbeiten in einem Naturschutzgebiet begonnen haben. Die
       albanische Antikorruptionsbehörde hat Ermittlungen zu dem Projekt
       aufgenommen. Die Regierung gibt an, das Land sei in Privatbesitz. Doch die
       Angaben zum Verlauf der Privatisierung sind widersprüchlich.
       
       ## „Absolut atemberaubend“
       
       Rama sagte, die Idee zu dem Projekt sei zufällig entstanden. Er habe in
       Südalbanien mit Kushner, dessen Ehefrau Ivanka Trump und Freunden zu Abend
       gegessen. Diese hätten auf dem Weg nach Montenegro im Hafen von Durrës
       einen Zwischenstopp zum Auftanken eingelegt. Monate später sei Kushner am
       Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos auf ihn zugekommen und habe
       Interesse an Investitionen in Albanien geäußert. „Ihr Land ist absolut
       atemberaubend, und wir würden gerne nach einer Investitionsmöglichkeit
       suchen“, zitierte Rama Kushners Worte.
       
       Für negative Reaktionen machte Rama teilweise Einmischung aus dem Ausland
       verantwortlich. So verwies er auf eine iranische Cyberkampagne gegen
       Albanien, die schon seit Längerem andauere. Albanien hatte Mitgliedern
       einer iranischen Oppositionsgruppe Unterschlupf gewährt. Teheran hat die
       Vorwürfe zurückgewiesen.
       
       ## Rama wiegelt seit Wochen ab
       
       Bereits vorigen Freitag hatte Albaniens Ministerpräsident Edi Rama die
       Proteste heruntergespielt und erklärt, es gebe „keinen Grund zur
       Besorgnis“. „Wir können nicht über etwas diskutieren, das nicht existiert“,
       sagte er gegenüber Reportern in Montenegro, wo er am EU-Westbalkan-Gipfel
       teilnahm, auf die Frage nach den Protesten in seinem Land. Rama forderte
       die westlichen Medien auf, bei ihrer Berichterstattung „viel vorsichtiger“
       zu sein. Das Projekt sei noch gar nicht genehmigt. Zudem seien „die besten
       Experten“ der Welt in die Planungen eingebunden. Es gehe darum, „etwas
       Einzigartiges zu schaffen“.
       
       Die albanische Regierung versucht seit langer Zeit, ihre Wirtschaft
       [7][durch den Tourismus anzukurbeln]. Die Familie von Trump hat weltweit
       vielfach in Luxusprojekte investiert. Kritiker werfen Kushner und seiner
       Frau vor, die Präsidentschaft von Donald Trump für eigene Geschäfte zu
       nutzen.
       
       11 Jun 2026
       
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