# taz.de -- Cosmo-Radio und Repräsentation: Die Lücke wird größer
> Das Aus des Radiosenders Cosmo ist beschlossen, doch es gibt öffentliche
> Gegenwehr. Es geht nicht zuletzt um den Raum für Minderheiten.
IMG Bild: Der WDR verliert an Profil, und die Lücke zu migrantischem Publikum wächst
Die ARD steht unter Druck. Die Rundfunkanstalten müssen sparen, und zwar so
viel, dass Programme zusammengelegt und Stellen abgebaut werden sollen.
Gleichzeitig hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Auftrag, ein
vielfältiges Programmangebot bereitzustellen und gesellschaftliche Gruppen
abzubilden, die im kommerziellen Medienmarkt oft unterrepräsentiert sind.
Genau an diesem Spannungsfeld entzündet sich nun die [1][Debatte um das Aus
von Cosmo.]
Seit der Rundfunkratssitzung am 3. Juni ist klar: Der interkulturelle
Radiosender Cosmo wird schon kommendes Jahr in seiner bisherigen Form
eingestellt. An seine Stelle soll das deutlich reduzierte [2][Angebot 1Live
Street] treten. Mit Cosmo verschwinden auch die digitalen Kanäle des
Senders, darunter ein [3][Instagram-Account mit mehr als 100.000
Followern.] Wie es mit den dort entstandenen Inhalten weitergeht, ist
bislang unklar.
Cosmo ist ein Gemeinschaftsprojekt von WDR, Radio Bremen und RBB. Die
Redaktionen in Köln, Berlin und Bremen vereinten Journalist:innen aus
mehr als 20 Herkunftsländern. Das Programm gehörte zu den wenigen
öffentlich-rechtlichen Angeboten, die sich gezielt an ein internationales
Publikum richteten und [4][migrantische] sowie queere Perspektiven fest
verankert hatten.
## Kleineres Angebot, weniger Budget, gleiche Vielfalt?
Aus wirtschaftlicher Sicht kommt die Entscheidung nicht überraschend.
[5][Laut der Media-Analyse 2026 Audio I erreichte Cosmo] lediglich eine
Reichweite von 0,3 bis 0,4 Prozent und liegt damit im unteren Bereich der
Gesamtreichweiten der ARD-Programme.
Ähnlich niedrige Reichweiten haben übrigens auch MDR Schlagerwelt und
Deutschlandfunk Nova. WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk verteidigte
die Pläne gegenüber dem Katholischen Nachrichtendienst KNA mit dem Hinweis,
das Angebot stamme aus einer „völlig anderen Zeit“.
Die Mediennutzung habe sich grundlegend verändert. Künftig wolle man
Menschen unterschiedlicher Herkunft mit passgenaueren Formaten erreichen.
Zudem sollen interkulturelle Themen stärker in junge Programme integriert
werden.
Doch genau hier setzt die Kritik an. Denn bislang ist unklar, wie ein
kleineres Angebot mit weniger Budget die gleiche Vielfalt abbilden soll.
Vor allem fehlt eine erkennbare Alternative zu einem bundesweiten Programm,
das migrantische Perspektiven ins Zentrum stellt.
Der Widerstand gegen die Entscheidung ist entsprechend groß. Bereits im
vergangenen Jahr hatten rund 300 Prominente, darunter Fatih Akin und
Herbert Grönemeyer, den Erhalt von Cosmo gefordert. Inzwischen haben mehr
als 100.000 Menschen eine Petition unterzeichnet.
Zudem veröffentlichten die [6][Neuen Deutschen Medienmacher*innen]
einen offenen Brief, den nach eigenen Angaben über 500 Organisationen
unterstützen. Darunter sind große migrantische Dachverbände, aber auch die
Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union dju, das Grimme-Institut
und der Deutsche Musikrat.
In dem Brief heißt es: „Mehr als ein Viertel der Menschen in Deutschland
hat eine Migrationsgeschichte. Für diese Communitys ist Cosmo kein
Nischenprogramm.“ Fällt Cosmo weg, schrumpft ein Raum, der angesichts
gesellschaftlicher Polarisierung und eines erstarkenden Nationalismus
dringender gebraucht wird denn je.
Das Problem ist ja sowieso schon, dass sich viele Menschen in den
öffentlich-rechtlichen Programmen nicht repräsentiert fühlen. Das zeigt zum
Beispiel eine ARD-Umfrage aus 2025.
Nur 42 Prozent der Befragten in Ostdeutschland und 44 Prozent in
Westdeutschland stimmten dort der Aussage zu: „Die ARD gibt Menschen wie
mir eine Stimme.“ Wenn nun eines der wenigen Programme verschwindet, das
migrantische und internationale Perspektiven gezielt sichtbar macht, stellt
sich die Frage, ob damit nicht genau jene Repräsentationslücke weiter
wächst, die die ARD eigentlich schließen sollte.
11 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Cosmo-Redakteurin-ueber-Umbau/!6183691
DIR [2] /Ende-von-Radiosender-Cosmo/!6183237
DIR [3] https://www.instagram.com/cosmo/?hl=de
DIR [4] /WDR-Sitzung-zum-Sender-Cosmo/!6184380
DIR [5] https://www.ard.de/die-ard/aufgaben-der-ard/hoerfunknutzung-100.html
DIR [6] https://www.neuemedienmacher.de/
## AUTOREN
DIR Ann-Kathrin Leclere
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