# taz.de -- Kongress „Take back the Future“: „Wir sind standhaft geblieben“
> Die AfD hatte versucht, den linken Kongress „Take back the Future“ an der
> TU Berlin zu verhindern. Jetzt kann er doch stattfinden – mit Abstrichen.
IMG Bild: „Take back the Future“ kann nun doch hier ausgerichtet werden: TU Berlin
„Der Kongress wird stattfinden“, verkündete am Freitagmorgen die Sprecherin
des Kongresses „Take back the Future“, Veronika Dinter, auf einer
Pressekonferenz des Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverbands
(SDS). 1.750 Anmeldungen gab es laut Dinter bis Freitagmorgen für den
Kongress, der gemeinsam vom SDS und den „Studis gegen Rechts“ organisiert
wird und von Freitag bis Sonntag in den Räumen der TU Berlin stattfinden
soll. Anfang der Woche waren es noch 1.100 Anmeldungen, doch die Debatte
der letzten Tage hat den Anmeldezahlen Aufwind verschafft.
Die TU hatte die Absage von 14 Veranstaltungen gefordert, damit der
Kongress weiterhin auf ihrem Gelände stattfinden könne. Die Programmpunkte
des Kongresses waren bereits seit Anfang Mai bekannt, als Grund für den
plötzlichen Rückzieher vermuten die Organisator*innen ein Gutachten
der AfD, das ihrem Anwalt vorliege.
Nach den Gesprächen der letzten Tage gibt es nun eine Einigung: Vier
Veranstaltungen, die sich inhaltlich mit den anstehenden Wahlkämpfen im
Osten beschäftigen, dürfen nicht in den Räumen der TU stattfinden – es sei
aber geplant, sie an anderen Örtlichkeiten auszutragen, hieß es. Wo, ist
noch nicht klar.
Das TU-Präsidium erlebten die Veranstalter*innen als sehr
kooperationsbereit. Margarita Tsomou, Theaterwissenschaftlerin von der Uni
Osnabrück, ist das aber zu wenig: „Diese Ablenkungspraxis muss als
Strategie der AfD erkannt werden“, sagte sie.
Erst vergangene Woche hatte Tsomou an der bundesweiten Themenwoche
„Wissenschaft gegen Faschismus“ mitgewirkt. Über 500
Wissenschaftler*innen und die Initiative „Studis gegen Rechts“ hatten
Seminare, Lesungen und Diskussionsforen organisiert. Auch an der TU hatten
dazu Veranstaltungen stattgefunden. „Wir haben gesehen, wie dringend der
Bedarf war, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen“, so Tsomou. „Es ist
ein Skandal, dass genau diese Diskussionen nun untersagt werden sollten.“
Damit sei genau das eingetreten, wovor sie letzte Woche gewarnt hatten.
Wissenschaft müsse nicht neutral sein, betonte Robin Celikates von der FU
Berlin: „Unis sind Orte der politischen Bildung und kontroversen
Diskussionen.“ Das Neutralitätsgebot, auf das sich in der Debatte um
politische Veranstaltungen häufig berufen wird, werde oft missverstanden,
sagte Jannik Jaschinski, der die Veranstalter juristisch berät:
„Chancengleichheit der Parteien gilt für den Staat, nicht für die
Zivilgesellschaft.“
## Falsch verstandene Neutralität
Dies gelte auch dann, wenn Ressourcen vom Staat bezogen würden, wie zum
Beispiel die Räumlichkeiten einer Universität. „Rechtsextreme Strategien
zielen genau darauf ab, dass staatliche Stellen dieses Neutralitätsgebot
falsch verstehen“, so Jaschinski. Dadurch würden Hochschulen verunsichert.
Auch Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) sah im Fall der TU keinen
Verstoß gegen das Neutralitätsgebot.
Celikates warnt entschieden vor dem Einfluss der AfD: „Es finden bereits
Eingriffe statt, ohne dass die AfD überhaupt mitregiert.“ Jetzt sei die
Zeit, entschieden dagegenzuhalten. Auch die Universitäten sieht er in der
Verantwortung. Veronika Dinter freut sich über den Erfolg. „Wir sind
standhaft geblieben. Die AfD hat versucht, uns mundtot zu machen, aber
damit ist sie gescheitert“, sagte sie am Freitag.
Bei der TU war am Freitagmittag niemand für eine Stellungsnahme zu
erreichen. Eine Sprecherin hatte der WELT Anfang der Woche mitgeteilt: „Die
Technische Universität Berlin ist ein Ort des wissenschaftlichen
Austauschs, der kritischen Debatte und der gesellschaftlichen
Auseinandersetzung. Wir haben das Bestreben, parteipolitischen Streit
insgesamt vom Campus fernzuhalten. In konstruktiver Abstimmung mit den
studentischen Veranstalter*innen wurde das Programm daher gesichtet
und in einzelnen Punkten angepasst.“
12 Jun 2026
## AUTOREN
DIR Anna Simbürger
## TAGS
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