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       # taz.de -- Corona-Aufarbeitung: Frauen trugen laut Experten die Hauptlast der Pandemie
       
       > Wie waren die Belastungen von Sorgearbeit und Arbeit während Corona
       > verteilt? Was lässt sich daraus lernen? Das beschäftigte am Donnerstag
       > den Bundestag.
       
   IMG Bild: Vor allem Frauen haben die Hauptlast der Corona-Pandemie getragen
       
       Es war die Zeit extremer Überbelastungen – Kitas und Schulen waren
       geschlossen, Pflegeheime und Krankenhäuser wurden unter Quarantäne
       gestellt, Menschen verloren ihren Job. Was lässt sich aus der
       Corona-Pandemie für zukünftige Krisen lernen? Am Donnerstag diskutierte die
       Corona-Enquete-Kommission des Bundestages mit sechs Sachverständigen über
       die Themen „Arbeitswelt, soziale Sicherung und soziale Resilienz,
       Care-Arbeit“.
       
       „Die Corona-Pandemie war [1][die größte Gesundheitskrise in unserer
       Generation]“, sagte Hubertus Heil (SPD). Das habe zu Verwerfungen geführt,
       sozial und wirtschaftlich. Als damaliger Bundesminister für Arbeit und
       Soziales war Heil für das Kurzarbeitergeld, Arbeitsschutz und die
       Abfederung sozialer Härten direkt zuständig.
       
       Seine selbstkritische Erkenntnis: „Bestimmte Gruppen, [2][zum Beispiel
       Menschen mit Behinderung], wurden oft nicht mitgedacht.“ Weil in Krisen
       aber diejenigen am meisten leiden, die es ohnehin schwer haben, müsse man
       statt auf die Lautesten auf die Verletzlichsten gucken.
       
       Dass vor allem Frauen die Hauptlast der Pandemie getragen haben, war
       einhellige Meinung unter den Sachverständigen, zu denen auch Judith Rahner
       vom Deutschen Frauenrat und Katharina Spieß vom Institut für
       Bevölkerungsforschung gehörten. „Die Auswirkungen der Pandemie sind nicht
       geschlechtsneutral“, sagte Rahner.
       
       ## Belastung ungleich verteilt
       
       Auf dem Arbeitsmarkt sei Geschlechterungleichheit besonders deutlich
       geworden: Minijobber:innen, von denen zwei Drittel Frauen sind, rutschten
       häufiger in die Grundsicherung, Teilzeitbeschäftigungen führten bei Frauen
       zu niedrigen Kurzarbeitergeldern, gleichzeitig trugen Frauen den
       überwiegenden Teil der unbezahlten Sorgearbeit für Kinder und
       pflegebedürftige Angehörige, so Rahner.
       
       Katharina Spieß betonte wiederum, dass die Belastungen sehr unterschiedlich
       verteilt waren. „Insbesondere Alleinerziehende, Trennungsfamilien, Familien
       mit anderen Familiensprachen als Deutsch oder auch einkommensarme Familien
       waren von der Pandemie sehr stark betroffen.“ Auch Pflegebedürftige in
       Pflegeeinrichtungen sowie Pflegepersonal seien Hauptleidtragende gewesen,
       betonte die Sachverständige und Krankenschwester Grit Köllmer aus
       Oschersleben. „Ich höre das Thema von vielen Angehörigen, aber auch bei
       uns, das Thema ist noch überhaupt nicht verarbeitet.“ Sie kritisierte zu
       viele unrealistische Eingriffe der Politik, zu viel Flickenteppich.
       
       ## Welche Lehren ziehen?
       
       Während Köllmer viele lebensweltliche Beispiele aus der Pflege lieferte,
       fielen die Abgeordneten der AfD, die die Sachverständige eingeladen hatten,
       vor allem mit Disruption auf. Immer wieder fielen sie den Sachverständigen
       grob ins Wort, stellten suggestive Fragen. Kommissionsvorsitzende Franziska
       Hoppermann (CDU) musste mehrmals zu einem parlamentarischen Umgang mahnen.
       
       Insbesondere Katja Kipping, die von 2021 bis 2023 das Amt der Berliner
       Sozialsenatorin für die Linke innehatte und im Anschluss als
       Bundestagsabgeordnete weitermachte, hatten die AfD-Abgeordneten auf dem
       Kieker. Kipping setzte sich lange Zeit für eine Zero-Covid-Strategie ein.
       
       Für die insgesamt 14 Abgeordneten und 14 Sachverständigen der
       Corona-Enquete-Kommission ergaben sich für zukünftige Krisen einige
       konkrete Handlungsempfehlungen. So forderte Spieß, dass
       [3][Betroffenenverbände auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene] früh in
       Krisenstäbe einbezogen werden, und auch, dass ein stärkerer Fokus auf
       Eltern gelegt werden müsse, um strukturell benachteiligte Kinder und
       Jugendliche zu erreichen. Rahner hingegen pochte auf verpflichtende
       geschlechterpolitische Folgenabschätzung bei politischen Entscheidungen.
       
       ## Warnung vor aktuellen Spardebatten
       
       Mit Blick auf die derzeitigen Diskussionen um Kürzungen im Sozialbereich
       betonte Hubertus Heil die Wichtigkeit des Sozialstaates in Krisenzeiten.
       „Das sage ich aktuell“, so Heil, „weil heute manchmal so getan wird, als
       sei der Sozialstaat das eigentliche ökonomische Problem unseres Landes.“
       
       Ebenfalls mit Blick auf die aktuellen Spardebatten warnte Judith Rahner vom
       Deutschen Frauenrat davor, auch hier die Gleichstellung aus den Augen zu
       verlieren. „[4][Wenn das Elterngeld gekürzt wird], wenn pflegende
       Angehörige und Alleinerziehende stärker belastet werden, dann setzt die
       Bundesregierung Reformen zulasten der Frauen durch, die dieses Land während
       Corona maßgeblich am Laufen gehalten haben“, sagte sie im Anschluss an den
       Ausschuss der taz.
       
       Bis Juni 2027 arbeitet die Enquete-Kommission noch verschiedene Komplexe
       der Pandemie auf. Dann soll sie ihren Abschlussbericht vorstellen.
       
       12 Jun 2026
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Amelie Sittenauer
       
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