# taz.de -- Verbotenes WM-Outfit von Haiti: Politischer Trikottausch
> Die Auswahl Haitis erinnert mit ihren Trikots an die Unabhängigkeit des
> Landes. Der Fifa ist das zu politisch. Jetzt müssen neue Hemden her.
IMG Bild: Umstrittenes Textil: Perus Jesús Petrell zieht bei einem Testspiel am Trikot des Haitianers Dominique Simon
Ist das nicht schön? Der kolumbianische Sportartikelhersteller Saeta hat
sich beim Trikotdesign der haitianischen Nationalmannschaft richtig ins
Zeug gelegt. Das Shirt ist komplett blau. Nur der Kragen und die Ärmelenden
sind rot mit weißen Akzenten. Das Logo des Verbandes prangt zentral auf der
Brust, zwischen dem Ausrüsterlogo und der Spielernummer. Einfach clean.
Beim zweiten Hinsehen fällt ein weiteres Detail auf: Am unteren Ende des
Trikots ist eine Illustration eingearbeitet. Fünf Personen sind zu sehen,
eine hält eine rot-weiße Flagge in die Luft. Eine Hommage an die
[1][Schlacht von Vertières] aus dem Jahr 1803, die Haitis Unabhängigkeit
sicherte. Das ist nun zum Politikum geworden.
In letzter Sekunde, einen Tag vor Turnierstart und vier Tage vor der ersten
Gruppenpartie des haitischen Teams gegen Schottland, grätschte die Fifa
dazwischen. Ästhetisch hatte der Verband nichts zu beanstanden. Aber eine
„Kriegsszene“, wie die Fifa die Abbildung nennt, habe bei einer friedlichen
Fußball-WM nichts zu suchen. Zwar hatte das Team in diesem Trikot schon
zwei Vorbereitungsspiele in Florida bestritten, aber da hatten die
Funktionäre des Weltverbandes wohl ihre Brillenputztücher in Zürich
vergessen.
## Die Fifa ist politisch, wenn es der Fifa gerade passt
Das Trikot muss jedenfalls weg. Da hilft auch die Entschuldigung des
Herstellers nichts mehr. Das Shirt sei „nicht als politisches Statement“
gedacht gewesen, sondern nur „als Hommage an die Männer und Frauen, die
jeden Tag für Haitis Zukunft kämpfen“, so das Unternehmen.
So ist es recht. Die Haitianer sollten froh sein, dass Fifa-Boss Infantino
und die Seinen das Team nicht gleich ganz vom Spielbetrieb ausgeschlossen
haben. Die Fifa selbst lebt die Trennung von Sport und Politik nun wahrlich
beispielhaft vor, wo immer es möglich ist. Und was war das dann bei der
Auslosung der WM-Endrunde im Dezember? [2][Da hatte Infantino einen neu
geschaffenen Friedenspreis der Fifa an Donald Trump verliehen].
In den Augen der Fifa-Führung ist so etwas genauso unpolitisch wie die
Nähe, die der Weltverband zu autokratischen Regimen wie Saudi-Arabien oder
Katar sucht. Wie die Fifa es hingenommen hat, [3][dass der somalische
Schiedsrichter Omar Artan nicht in die USA einreisen durfte], das war ja
nun wohl wirklich total unpolitisch. Hat sich Artan nicht auch noch beim
Weltverband bedankt für alles, was ihm widerfahren ist? Eben.
Also spielt weiter, hier gibt es nichts zu sehen. Nur andere Trikots müsst
ihr anziehen.
12 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Verti%C3%A8res
DIR [2] /Fussball-WM-2026/!6178485
DIR [3] /WM-Verbot-fuer-somalischen-Schiri/!6185854
## AUTOREN
DIR Rico Setz
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