URI: 
       # taz.de -- Regierungskrise in Großbritannien: Streit um Militärausgaben setzt Starmer unter Druck
       
       > Der britische Verteidigungsminister John Healey ist zurückgetreten. Damit
       > verliert Premierminister Keir Starmer einen loyalen Mitstreiter.
       
   IMG Bild: Keir Starmer (l.) und John Healey gehen nun getrennte Wege
       
       Am Donnerstag sind im Laufe des Tages in Großbritannien der bisherige
       Verteidigungsminister John Healey, der Staatssekretär für das britische
       Militär Al Carn und die beiden hochrangigen Labourabgeordneten Pamela Nash
       und Rachel Hopkins von Ihren Posten im Verteidigungsministerium abgetreten.
       
       Der Grund für den Rücktritt ist ein Streit um höhere Verteidigungsausgaben.
       Diese seien „weit unter dem, was für die Verteidigung und das Land in
       dieser gefährlichen Zeit notwendig ist“, schrieb Healey auf X. Am
       vergangenen Montag habe er zum ersten Mal den vollständigen Zehnjahresplan
       für die Verteidigungsausgaben Großbritanniens gesehen und sich im Hinblick
       auf die fehlenden Mittel entschieden, sein Amt niederzulegen. Er kritisiert
       die „Unfähigkeit“ Starmers und die „Nichtbereitschaft“ des
       Finanzministeriums, die Ressourcen, welche das Land in einer Zeit der
       steigenden Gefahr benötige, zu lockern.
       
       Im Angesicht der Herausforderungen der Ukraine und des Krieges im Mittleren
       Osten und den von Russland ausgehenden Gefahren wäre dies notwendig. Er
       betont, dass Großbritannien die Zielmarke von drei Prozent ihrer
       Wirtschaftskraft, die in Verteidigung investiert werden sollte, erreichen
       müsse.
       
       Tatsächlich seien jedoch nur 2,68 Prozent garantiert worden. Dies führe zu
       einer reduzierten Einsatzfähigkeit, erhöhe die Gefährdung des britischen
       Militärs und mache das Land unsicherer.
       
       ## Lange politische Karriere
       
       Der 66-jährige Healey ist seit dem Sieg Tony Blairs 1997 im Unterhaus und
       übernahm im Jahr 2020, nachdem Keir Starmer Labourführer wurde, zunächst
       die oppositionelle Zuständigkeit für Verteidigung. 2024 wurde er mit dem
       Einzug Labours als Regierungspartei britischer Verteidigungsminister.
       
       Die Regierung rutschte in diese Krise trotz deutlicher Warnschüsse. Erst
       vor zwei Wochen hatte Lord George Robertson, der im Auftrag der
       Starmer-Regierung die Lage der britischen Streitkräfte überprüfte, gewarnt,
       dass die Regierung, was Investitionen in das Militär betreffe, an einer
       „korrosiven Nachlässigkeit“ leide.
       
       Obwohl Starmer mit dem ehemaligen britischen Fallschirmjäger Dan Jarvis am
       Donnerstagabend bereits einen neuen kriegserfahrenen Verteidigungsminister
       ernannt hatte, sind die Rücktritte für ihn schwerwiegend und sitzen genau
       an der Kluft zwischen dem linken Flügel der Partei, der mehr soziale
       Investitionen fordert, und dem zentrischen Flügel, der auf die
       Staatsfinanzen achtgeben will und keine Kompromisse in der Frage des
       britischen Militärs machen möchte.
       
       Am kommenden Donnerstag wird zudem die Nachwahl in Makerfield ausgetragen,
       deren [1][Labourkandidat Andy Burnham] ein Damoklesschwert über Starmers
       Parteiführung darstellt. Binnen der vergangenen Wochen hat Starmer
       insgesamt sieben Regierungsrücktritte erlitten, darunter ist auch sein
       ehemaliger Gesundheitsminister Wes Streeting – auch er sieht sich als
       potenzieller Nachfolger Starmers. Die konservative Oppositionsführerin Kemi
       Badenoch sprach zynisch vom Zerfall der Starmer-Regierung.
       
       ## Starmer bleibt gelassen
       
       Die prekäre Lage könnte nun zu Steuererhöhungen führen. Peinlich ist die
       Sache auch bezüglich des bevorstehenden Nato-Gipfels in Ankara Anfang Juli.
       Dort sollte der Zehnjahresplan bereits fertiggestellt worden sein.
       
       Für Starmer ist dennoch noch alles in Ordnung. Das britische Militär sehe
       seine höchsten Investitionen seit dem Ende des Kalten Krieges. Er werde die
       Sicherheit des Landes nicht vernachlässigen, behauptete er. Ein hohes Maß
       ist das nicht, da Großbritanniens militärische Kapazitäten seit dem Fall
       der Mauer immer mehr zurückgingen.
       
       12 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Wahlkampf-in-Grossbritannien/!6185806
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
       ## TAGS
       
   DIR Keir Starmer
   DIR Verteidigungsetat
   DIR Verteidigungsminister
   DIR Großbritannien
   DIR Labour
   DIR Großbritannien
   DIR Keir Starmer
   DIR Keir Starmer
   DIR Keir Starmer
   DIR Großbritannien
   DIR Wahlen in Großbritannien
   DIR Großbritannien
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
   DIR Großbritanniens Premier in der Krise: Tritt Starmer am Montag zurück?
       
       Laut einem Zeitungsbericht könnte Premier Starmer schon zu Wochenbeginn
       zurücktreten. Unklar ist, wie schnell eine Nachfolge geregelt würde.
       
   DIR Labour-Krise in Großbritannien: Endspiel für Keir Starmer
       
       Ein rechter Durchmarsch ist in Großbritannien kein Naturgesetz. Aber Andy
       Burnhams Nachwahlerfolg beendet Labours Probleme nicht, er offenbart sie.
       
   DIR Labour-Krise in Großbritannien: Starmer-Herausforderer Andy Burnham gewinnt Nachwahl
       
       Andy Burnham hat die Nachwahl in Makerfield gewonnen. Mit seinem Einzug ins
       britische Parlament dürfte es für Premierminister Keir Starmer eng werden.
       
   DIR Neuer britischer Veteidigungsminister: Dan Jarvis kann nicht Nein sagen
       
       Mit dem Selbstverständnis, dass keine Aufgabe zu groß ist: der
       Ex-Elitesoldat und ehemalige Bürgermeister von Sheffield wird ins Kabinett
       Starmer berufen.
       
   DIR Wahlkampf in Großbritannien: Wählt Andy, damit wir Linken nicht untergehen
       
       In Makerfield setzt Labour-Politiker Andy Burnham zum Sprung ins britische
       Parlament an. Er will den angeschlagenen Premier Keir Starmer beerben.
       
   DIR Machtkampf in der Labour-Partei: Warm-up im Nachfolgekampf
       
       Andy Burnham will bei einer Nachwahl ins Parlament einziehen – um dann Keir
       Starmer als Parteichef und Premier abzulösen. Der Partei droht ein
       Flügelkampf.
       
   DIR Regierungskrise in Großbritannien: Augen zu und durch
       
       Premier Keir Starmer kündigt in seiner Regierungserklärung einen riesigen
       Haufen Vorhaben an. Derweil bringen sich seine Labour-Gegner in Stellung.