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       # taz.de -- Bremer Jobcenter-Chef muss gehen: Zu kreativ mit den Finanzen
       
       > Das Bremer Jobcenter leistet sich einen „Kreativraum“ für die
       > Mitarbeitenden für 900.000 Euro. Nun wurde der Geschäftsführer abberufen.
       
   IMG Bild: Draußen funktional, drinnen kreativ: Das Jobcenter Bremen-Mitte
       
       Eine turbulente Woche liegt hinter dem Bremer Jobcenter: Am vorvergangenen
       Sonntag war bekannt geworden, dass einem langjährigen Mitarbeiter fristlos
       gekündigt wurde, nachdem er sich in einer ZDF-Dokumentation abfällig über
       Leistungsempfänger:innen geäußert hatte. Fünf Tage später, am
       Freitag, musste nun auch sein Chef, Jobcenter-Geschäftsführer Thorsten
       Spinn, seinen Hut nehmen. Ein kausaler Zusammenhang zwischen beiden Fällen
       besteht aber offenbar nicht.
       
       Spinn wurde zum Verhängnis, was zuvor über das Finanzgebaren seiner Behörde
       bekannt geworden war. Die leistet sich einen sogenannten „Kreativraum“ für
       Workshops und interne Fortbildungen. Für dessen Ausgestaltung waren einst
       99.000 Euro eingeplant. Schon Ende Mai hatte der Weser Kurier
       skandalisiert, dass die Kosten auf 600.000 Euro geklettert seien; die
       Oppositionsfraktionen von CDU und FDP, aber auch die Fraktion der SPD sahen
       Aufklärungsbedarf.
       
       Im Verlauf dieser Woche stellte sich nun heraus, dass alles noch viel
       teurer war: Von 906.000 Euro ist in einer Pressemitteilung zu Spinns
       Abberufung von der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven die Rede. Die
       Arbeitsagentur ist gemeinsam mit der Bremer Sozialbehörde Trägerin des
       Jobcenters.
       
       „Nach Auffassung der Träger steht die Höhe der entstandenen Kosten nicht in
       einem angemessenen Verhältnis zum verfolgten Zweck“, heißt es in der
       Pressemitteilung. Darüber hinaus soll Spinn versäumt haben, die Träger des
       Jobcenters in die Kostenentscheidung einzubeziehen. Das stelle „einen
       schwerwiegenden Verstoß gegen die Grundsätze einer vertrauensvollen
       Zusammenarbeit dar“.
       
       ## „Vertrauen erschüttert“
       
       Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit
       Bremen-Bremerhaven Joachim Ossmann wird in der Mitteilung mit den Worten
       zitiert: „Die Trägerversammlung muss bei Vorhaben mit erheblichen
       finanziellen Auswirkungen frühzeitig und vollständig informiert werden, um
       ihrer Steuerungs- und Kontrollverantwortung nachkommen zu können.“ Das sei
       im vorliegenden Fall nicht in ausreichendem Maße gewährleistet gewesen.
       
       Sozialsenatorin Claudia Schilling (SPD) teilte mit: „Die vorliegenden
       Erkenntnisse haben das Vertrauen der Träger in die Geschäftsführung
       nachhaltig erschüttert. Vor diesem Hintergrund war die Entscheidung
       erforderlich, Thorsten Spinn als Geschäftsführer abzuberufen.“
       
       Wenige Tage vorher hatte Spinn seinerseits den langjährigen Mitarbeiter
       Fred Göcken fristlos entlassen. Er hatte in einer ZDF-Dokumentation gesagt:
       „Geldausgeben ist unsere zentrale Aufgabe – so betrachten das viele bei
       uns.“ Er sagte auch, seiner Einschätzung nach würden „30 bis 40 Prozent der
       Leistungsempfänger falsche Angaben“ machen.
       
       Der FDP-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Humpich versucht nun, einen
       Zusammenhang zwischen beiden Themen herzustellen: „Die Vorgänge rund um das
       Bremer Jobcenter werfen immer mehr Fragen auf“, schreibt er in einer
       Pressemitteilung. Während viele Bürger „jeden Euro zweimal umdrehen“
       müssten, würden hier offenbar hunderttausende Euro für Prestigeprojekte
       ausgegeben. „Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass diejenigen unter
       Druck geraten, die Missstände ansprechen oder auf Probleme aufmerksam
       machen.“
       
       Von dem teuren Kreativraum hatte Göcken vor der ZDF-Kamera allerdings gar
       nicht gesprochen. Und Sozialsenatorin Schilling hatte seine Entlassung
       ausdrücklich mit den Vorwürfen gegen Leistungsempfänger:innen
       begründet. „Die Behauptung, 30 bis 40 Prozent der Leistungsbeziehenden
       würden Sozialleistungen missbräuchlich beziehen, entbehrt jeder belastbaren
       Grundlage“, sagte sie laut einer Pressemitteilung. „Solche pauschalen
       Aussagen verzerren die Realität, beschädigen das Vertrauen in den
       Sozialstaat und stellen Hunderttausende Menschen bundesweit unter
       Generalverdacht, die Leistungen rechtmäßig beziehen.“
       
       Ihre Sprecherin Nina Willborn verweist im Fall Göcken außerdem auf die
       Vorgeschichte: „Der betreffende Mitarbeiter hatte sich bereits im Vorfeld
       der Kündigung in einer lange andauernden arbeitsrechtlichen
       Auseinandersetzung mit seinem Arbeitgeber befunden.“
       
       Ganz aus heiterem Himmel kommt auch die Freistellung von Jobcenter-Chef
       Thorsten Spinn nicht. Schon in den vergangenen Jahren hatte es massive
       Kritik am Jobcenter gegeben: Das hatte 2024 sein Budget für Hilfen zur
       Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt [1][derart überzogen], dass
       zwischenzeitlich kaum noch neue Maßnahmen finanziert werden konnten. Eine
       Teil-Lösung: Ein [2][Vorgriff auf den Etat des Folgejahres]. Im Februar
       2026 wurde zudem bekannt, dass [3][wegen Schlamperei im Bremer Jobcenter]
       immer wieder tausende Leistungsempfänger:innen monatelang auf ihr
       Geld warten müssen.
       
       12 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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   DIR Jan Kahlcke
       
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