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       # taz.de -- Künstliche Intelligenz im Journalismus: KI-Checker sind auch nicht die Lösung
       
       > Der Fall Casdorff empört. Hinter der Verlockung, im Journalismus KI zu
       > verwenden, stecken strukturelle Probleme, die strukturelle Lösungen
       > erfordern.
       
   IMG Bild: Auch für den ein oder anderen Journalisten verlockend: Künstliche Intelligenz
       
       Wenn Journalist:innen anfangen, ihre Texte mit Künstlicher Intelligenz
       zu generieren, schaffen wir uns selbst ab. Es ist ganz klar falsch, dass
       Stephan-Andreas Casdorff, der Editor-at-Large beim Tagesspiegel, [1][für
       mehrere Meinungsbeiträge Künstliche Intelligenz verwendet hat]. Und es ist
       richtig, dass der Tagesspiegel aus dem Fall Konsequenzen zieht – Casdorff
       darf bis auf Weiteres nicht mehr publizistisch tätig sein.
       
       Casdorff ist aber bei Weitem nicht der einzige, der in letzter Zeit bei der
       Verwendung von KI bei der Texterstellung ertappt wurde. Beiträge des
       CDU-Politikers Mario Voigt hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung kürzlich
       gelöscht, weil sie KI-generiert sein sollen. Der Bundesdigitalminister
       Carsten Wildberger (CDU) soll laut Zeit-Recherchen [2][ebenfalls KI für
       Texte verwendet haben.]
       
       Bei Casdorff ist der Fall aber anders gelagert, denn er hat als ehemaliger
       Chefredakteur und Herausgeber einer Zeitung genauso wie andere
       Journalist:innen die Aufgabe, Themen kritisch, vertrauenswürdig und vor
       allem nach seinem eigenen besten Wissen und Gewissen einzuordnen.
       Leser:innen verlassen sich darauf, dass sie hier Beiträge von selbst
       denkenden Menschen lesen. Fälle wie dieser erschüttern dieses Vertrauen
       erheblich.
       
       Es ist ganz klar: Wir leben in einer Zeit, in der KI in unser aller Alltag
       Einzug genommen hat und wir müssen einen Weg finden, mit ihr umzugehen. Auf
       manche Verwendung von KI können wir uns schon einigen. So etwa nutzt die
       taz ein KI-Transkriptionsprogramm, das Interviews in Text umwandelt. Für
       andere Dinge, nämlich die vollständige oder teilweise Erstellung von Texten
       oder die Themenfindung mithilfe eines Chatbots und die dadurch entstehenden
       Herausforderungen, hat sich die taz wie andere Verlagshäuser in den
       vergangenen Jahren Grenzen gesetzt.
       
       Der Tagesspiegel will nun Casdorffs, aber auch andere Texte auf die
       Verwendung von KI überprüfen. Wir können uns aber aktuell und sehr
       wahrscheinlich auch in Zukunft nicht darauf verlassen, erkennen zu können,
       wenn KI verwendet wurde. Das, was viele heute für typische KI-Sprache
       halten, stammt oft aus menschlichen Texten, mit denen die Systeme trainiert
       wurden. Gleichzeitig werden die Modelle immer besser. Ein Wettlauf zwischen
       künstlicher Textgenerierung und Erkennungssoftware wird das Problem nicht
       lösen.
       
       ## Immer mehr immer schneller
       
       Das Problem beginnt ja eigentlich viel früher. Dort, wo
       Journalist:innen es für akzeptabel halten, Kommentare von einer
       Maschine schreiben zu lassen. Es setzt sich fort, wenn Redaktionen Inhalte
       übernehmen, ohne deren Entstehung kritisch zu prüfen. Und es verfestigt
       sich in einer Medienlogik, die Texte in immer kürzerer Zeit produzieren
       will und folglich Journalist:innen unter Druck setzt, immer mehr und
       das immer schneller zu produzieren.
       
       Ständig wird suggeriert, wer keine KI nutze, sei rückständig. Springer-Chef
       Mathias Döpfner verteidigte die Verwendung von KI in politischen Texten
       jüngst, indem er einen nach eigenen Angaben „hundert Prozent
       KI-generierten“ Beitrag veröffentlichte. Dahinter steckt oft dieselbe
       Erzählung: Alle machen es ohnehin, also müsse man mitziehen. Dadurch
       erleben wir einen gefährlichen Normalisierungsprozess.
       
       Wer die Kernaufgaben des Journalismus – das Prüfen, Gewichten und Einordnen
       von Fakten – an Maschinen abgibt, greift die Berufsgrundlage an. Wollen wir
       also Konsequenzen aus dem Fall beim Tagesspiegel ziehen und uns nicht der
       Maschinenlogik unterwerfen, braucht es vor allem zwei Dinge.
       
       Einerseits brauchen wir alle ein besseres Verständnis davon, was KI kann
       und wo wir überhaupt wollen, dass sie eingesetzt wird. Wir müssen uns
       angewöhnen, bei jedem Artikel, bei jedem Audio oder Video zu hinterfragen:
       Ist es echt, was ich hier sehe? Eine Zeit ohne diese Frage wird es nicht
       mehr geben.
       
       Andererseits brauchen Redaktionen die Zeit und das heißt auch die
       Ressourcen, um ihre Arbeit ordentlich zu machen. Zeit, nachzudenken, selber
       zu schreiben, dabei zu hadern und eben auch die Zeit, Texte auf ihren
       KI-Gehalt zu überprüfen.
       
       15 Jun 2026
       
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