# taz.de -- +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Moskau meldet Eroberungen in Kostjantyniwka
> Im Gebiet Donezk geraten die ukrainischen Truppen in der Stadt
> Kostjantyniwka gegen die russische Armee immer weiter unter Druck. Fällt
> die Stadt an Moskau?
IMG Bild: Auf diesem am 15. November 2025 aufgenommenen Foto ist ein zerstörtes Wohnhaus in der Frontstadt Kostjantyniwka zu sehen
dpa Die russischen Truppen rücken nach Angaben des
Verteidigungsministeriums in Moskau bei einem Häuserkampf in der
ostukrainischen Stadt Kostjantyniwka im Gebiet Donezk immer weiter vor.
Erstürmungstrupps hätten erneut mehr als 100 Gebäude der Stadt unter
russische Kontrolle gebracht, teilte das Ministerium in Moskau mit. Im
Südwesten der Stadt seien eingeschlossene Einheiten der ukrainischen
Streitkräfte vernichtet worden. Das ukrainische Militär hatte zuletzt eine
schwierige Lage in der Stadt eingeräumt.
Das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) in Washington stellte
in einer Analyse fest, dass sich die ukrainischen Fähigkeiten einer
Verteidigung von Kostjantyniwka verschlechterten. Zugleich meinten die
Experten, dass Moskau mit seinen detailreichen Angaben versuche, einen
größeren Eindruck der russischen Präsenz zu erzeugen als tatsächlich
vorhanden.
Die Führung in Kyjiw sprach zuletzt vor allem international davon, den
russischen Vormarsch aufgehalten und Gebiete zurückerobert zu haben. Doch
selbst ukrainische Karten zeigen ein Vorrücken russischer Truppen in der
stark zerstörten Industriestadt, wenn auch langsamer als noch in den
Wintermonaten.
## Kommt Putin seinem Ziel einer Donbass-Besetzung näher?
Unabhängige Militärbeobachter halten es für möglich, dass Kostjantyniwka in
den Sommermonaten fallen könnte. Kremlchef Wladimir Putin käme dann seinem
Ziel näher, den Donbass komplett unter russische Verwaltung zu bringen. Von
den größeren Städten im Gebiet Donezk blieben dann nur noch Slowjansk,
Kramatorsk und Druschkiwka unter ukrainischer Kontrolle.
Das russische Verteidigungsministerium behauptete, dass die Ukraine
angesichts des Vorrückens der Moskauer Truppen in Kostjantyniwka bereits
wichtige Betriebe in den nahegelegenen Städten Kamatorsk und Druschkiwka
evakuiere. Die komplette Kontrolle des Gebiets Donezk hat Putin als ein
wichtiges Kriegsziel und als Voraussetzung für Verhandlungen über einen
Waffenstillstand genannt. Der russische Präsident führt seit mehr als vier
Jahren einen zerstörerischen Angriffskrieg gegen das Nachbarland
## Ukraine trifft Industrieanlagen in Russland – Großbrand
Die Ukraine hat mit Drohnenangriffen auf Russland [1][Brände in
Industrieanlagen in den Gebieten Tula und Jaroslawl ausgelöst]. In der
südlich von Moskau gelegenen Region Tula teilte Gouverneur Dmitri Miljajew
mit, dass Trümmer einer abgeschossenen Drohne auf das Gelände einer
Chemiefabrik in Nowomoskowsk gefallen seien. In sozialen Netzwerken gab es
Berichte und nicht überprüfbare Videoaufnahmen von einem Brand. Demnach
wurde der für die Kriegswirtschaft wichtige Betrieb Asot getroffen. Asot
ist eines der größten Chemiewerke Russlands, das vor allem Dünger, aber
auch Bestandteile für die Produktion von Munition in Rüstungsbetrieben
herstellt. Der Gouverneur machte zunächst [2][keine Angaben zum Ausmaß der
Schäden oder möglichen Gesundheitsgefahren] für die Bevölkerung.
In Orjol – rund 350 Kilometer westlich von Moskau – schlug eine Drohne in
einem Hochhaus ein, wie Gouverneur Andrej Klytschkow mitteilte. Ein Mensch
sei bei dem gezielten Angriff getötet worden; es gebe auch acht Verletzte.
Der Beamte veröffentlichte auch Fotos von den Schäden. Im Gebiet Jaroslawl
sprach Gouverneur Michail Jewrajew von einem Drohnenangriff auf
Industrieobjekte für die Lagerung von Kraftstoffen. Es sei zu einem Brand
gekommen. Verletzte gebe es nicht, teilte der Beamte mit. Der ukrainische
Geheimdienst SBU teilte später mit, dass mehrere Drohnen in das als
Staatsreserve genutzte Lager in Rybinsk eingeschlagen seien.
## Starmer: Britische Armee stoppt Schattenflotte-Tanker
Das britische Militär hat unterdessen nach Angaben von Premierminister Keir
Starmer einen Öltanker der sogenannten russischen Schattenflotte gestoppt,
der den Ärmelkanal passieren wollte. Er habe die Streitkräfte am frühen
Morgen angewiesen, das Schiff abzufangen, teilte der Regierungschef auf der
Plattform X mit. Der erfolgreiche Einsatz versetze Russland einen weiteren
Schlag und erinnere diejenigen, die Putins Krieg in der Ukraine befeuern,
dass sie sich nicht verstecken könnten.
Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums handelt es sich bei
dem Schiff um den knapp 244 Meter langen Öltanker „Smyrtos“, der laut der
Webseite Marinetraffic.com unter der Flagge Kameruns fährt und von einem
russischen Hafen kommt.
## Sechsstündige Operation gegen Schiff der Schattenflotte
Kräfte der Marine und speziell ausgebildete Beamte der nationalen
Kriminalpolizei hätten das Schiff geentert, hieß es in einer Mitteilung des
britischen Ministeriums. Die Militäroperation habe sechs Stunden gedauert.
„Das Schiff wird nun vor der Südküste festgehalten und überwacht, während
die Ermittlungen andauern.“
Der Premierminister hatte demnach im März zugestimmt, dass britische
Streitkräfte und Strafverfolgungsbehörden Schiffe der Schattenflotte entern
dürfen. Die Operation sei in enger Abstimmung mit Frankreich durchgeführt
worden. Nun werde das Schiff auf Umwelt- und Sicherheitsmängel überprüft.
„Russland finanziert seinen Konflikt in der Ukraine mit seiner
Schattenflotte, und unser Abfangen ist ein Schlag gegen Putins illegalen
Krieg“, sagte Verteidigungsminister Dan Jarvis laut der Mitteilung. Der
ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich auf X bei
Großbritannien für die Aktion: „Russlands Hybris, angeheizt durch hohe Öl-
und Gaseinnahmen, hat den Weg für diesen Krieg geebnet – und jede
Entscheidung von Partnern, die Russland Geld vorenthält, begrenzt auch den
Krieg selbst.“ Europa müsse „dringend legislative Schritte unternehmen“, um
nicht nur das Stoppen der Tanker zu ermöglichen, sondern auch die
Konfiszierung des geladenen Öls.
Mit Schiffen der sogenannten Schattenflotte versucht Russland, die von den
westlichen Alliierten wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine
verhängten Sanktionen zu umgehen. Nach britischen Angaben handelt es sich
um mehr als 700 Schiffe. Die Schiffe werden oft angehalten und überprüft.
Vor zwei Wochen hatte Frankreich einen aus Russland kommenden Öltanker im
Atlantik überprüft – nach Pariser Angaben auch mit Unterstützung
Großbritanniens. Der Kreml kritisierte damals, solche Aktionen grenzten an
„internationale Piraterie“. Russland führt seit mehr als vier Jahren Krieg
gegen die Ukraine.
## Selenskyj kündigt Reisen zu Gipfeln von G7, EU und Nato an
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat für die kommenden Wochen
intensive Gespräche mit den Partnerstaaten auf mehreren Gipfeltreffen
angekündigt. Es gehe um neue Sanktionen gegen den Kriegsgegner Russland,
[3][mehr Unterstützung für die Ukraine] und dabei besonders Flugabwehr und
weitreichende Waffen, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. Kyjiw
hofft zudem auf Fortschritte beim Abschluss von Abkommen, die Investitionen
in die ukrainische Drohnenproduktion gegen die Lieferung fertiger Drohnen
vorsehen.
Ausdrücklich nannte er dabei das Treffen der wirtschaftsstarken G7-Staaten
in Frankreich zu Beginn der Woche und im Anschluss den EU-Gipfel in
Brüssel. Zudem führte Selenskyj den Nato-Gipfel in der zweiten Juliwoche in
der Türkei an. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als
vier Jahren gegen eine russische Invasion.
14 Jun 2026
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