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       # taz.de -- Volksabstimmung in der Schweiz: Mit direkter Demokratie die Gesellschaft spalten
       
       > Die SVP ist mit ihrer Stimmungsmache gegen Migrant:innen gescheitert.
       > Eine gute Nachricht – und auch ein Weckruf für die Schweizer:innen.
       
   IMG Bild: Menschen am 14. Juni auf dem Weg zum Wahllokal
       
       Ein Aufatmen ging am Sonntag durch die [1][Schweizer] Städte: Mit rund 54
       Prozent Nein-Stimmen schmetterten die urbanen Zentren die
       „Nachhaltigkeitsinitiative“ der rechtspopulistischen SVP ab und
       überstimmten die ländlichen Regionen. Das ist ein Gewinn für eine offene
       Schweiz – zugleich aber ein Alarmsignal.
       
       Die [2][SVP] forderte einen starren Deckel der Wohnbevölkerung auf zehn
       Millionen Menschen bis 2050. Als Konsequenz hätte die Schweiz das
       Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU kündigen müssen und damit das
       Fundament der Beziehungen zur wichtigsten Wirtschaftspartnerin eingerissen.
       
       Auch Deutschland wäre davon betroffen gewesen: Rund 330.000 Deutsche leben
       in der Schweiz; sie stellen die zweitgrößte Einwanderungsgruppe und
       arbeiten in Spitälern, Hochschulen oder im Finanzsektor. Um die Obergrenze
       einzuhalten, hätte Bern die Zuwanderung künftig über staatliche Kontingente
       steuern müssen.
       
       Noch gravierender hätte sich die Initiative auf Schutzsuchende ausgewirkt.
       Sie sah eine drastische Verschärfung des Asylrechts vor und bot der SVP
       Raum, wochenlang Stimmung gegen Ausländer:innen zu machen. Wenn ein
       SVP-Politiker Geflüchtete ungestraft als „Gesindel“ bezeichnet, zeigt das,
       wie weit sich der politische Diskurs bereits nach rechts verschoben hat.
       
       ## Einfache Schuldzuweisungen nach populistischem Handbuch
       
       Den rassistischen Kern der Vorlage verpackte die Partei geschickt unter dem
       Etikett der „Nachhaltigkeit“. So wurde sie auch für Teile der bürgerlichen
       Mitte anschlussfähig. Das Land werde voller, so das Narrativ, die Schweiz
       drohe am „Dichtestress“ zu ersticken. Dabei knüpfte die SVP durchaus an
       reale Probleme an. Zürich etwa erlebt eine der gravierendsten Wohnkrisen
       Europas, und auch der Verkehr ist teils überlastet.
       
       Doch diese Probleme sind komplex. Die SVP setzt nach dem populistischen
       Handbuch auf einfache Schuldzuweisungen: Sie spaltet, schürt Hass und
       blockiert Reformen. Als stärkste politische Kraft bekämpft sie im Parlament
       regelmäßig den Ausbau nachhaltiger Mobilität und griffige
       Wohnschutzvorschriften.
       
       Die Partei wird auch künftig [3][die direkte Demokratie nutzen], um das
       Thema Migration in den Fokus zu rücken. Das Ergebnis vom Sonntag sollte
       deshalb als Weckruf verstanden werden: Die Schweiz muss in den Wohnungsbau,
       die Infrastruktur und den sozialen Zusammenhalt investieren. Und sie darf
       sich nicht auf Debatten einlassen, in denen Migrant:innen auf ihren
       wirtschaftlichen Nutzen reduziert werden.
       
       Das Alpenland ist extrem divers, und genau das macht seinen Reiz aus. Kaum
       etwas macht das sichtbarer als die Fußball-Nationalmannschaften der Männer
       und Frauen, in denen Spieler:innen mit unterschiedlichen
       Herkunftsgeschichten gemeinsam auf dem Platz stehen. Sie stehen
       exemplarisch für die Schweizer Einwanderungsgesellschaft.
       
       Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand,
       Deutsche würden die größte Einwanderungsgruppe in der Schweiz stellen. Sie
       stellen aber nur die zweitgrößte. Wir bitten um Entschuldigung.
       
       14 Jun 2026
       
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