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       # taz.de -- Rassistische Krawalle in Nordirland: Unionisten wollen „Hintertür nach Großbritannien“ schließen
       
       > Nordirland will die Grenze nach Irland schließen, um Migration zu
       > stoppen. Dabei kommen die meiste Migranten gar nicht über Irland.
       
   IMG Bild: Die Demonstration „Together Against Hate“ in Belfast wurde von der Gruppe „Unite Against Racism“ organisiert
       
       Nach den Krawallen der vergangenen Tage in Nordirland ist die mehr als 100
       Jahre alte Vereinbarung eines gemeinsamen Reisegebiets zwischen Irland und
       dem Vereinigten Königreich unter Beschuss geraten. Am Montag vergangener
       Woche hatte ein 30-jähriger Sudanese einen Einheimischen mit einem Messer
       brutal angegriffen und schwer verletzt.
       
       Der Angriff löste zwei Nächte voller Gewalt aus, nachdem bekannt geworden
       war, dass der Attentäter vom Sudan nach Paris und dann nach Dublin gereist
       war, bevor er mit dem Bus nach Belfast fuhr, wo ihm 2023 im
       Schnellverfahren Asyl gewährt wurde. Bei den Krawallen, die von
       Rechtsextremen wie dem britischen Aktivisten Tommy Robinson und
       US-Tech-Milliardär Elon Musk angeheizt worden waren, gingen in den
       protestantisch-unionistischen Vierteln [1][Nordirlands zahlreiche Häuser]
       von Migranten in Flammen auf.
       
       Am Samstag demonstrierten Tausende von Menschen in der [2][Innenstadt von
       Belfast gegen den Rassismus.] Die Kundgebung wurde von dem Bündnis „United
       Against Racism“ organisiert und von Gewerkschaften unterstützt. Die
       Organisatoren und viele Demo-Teilnehmer sagten, sie wollten zeigen, dass
       die rassistischen Ausschreitungen nicht repräsentativ für Belfast seien.
       
       Verschiedene Redner gingen auf die Gefahr für das gemeinsame Reisegebiet
       (Common Travel Area, CTA) ein. Es umfasst Großbritannien, Nordirland, die
       Kanalinseln, die Isle of Man und Irland. Die Regelung besteht seit 1922 und
       gewährt britischen und irischen Bürgern gegenseitige Rechte in den
       jeweiligen Ländern.
       
       ## Reisefreiheit gefährdet
       
       Innerhalb des gemeinsamen Reisegebiets können irische und britische
       Staatsbürger frei reisen. Es gibt keine Pass- oder Einreisekontrollen. Für
       Nicht-Iren und Nicht-Briten gilt das freilich nicht. Der britische
       Nordirlandminister Hilary Benn sagte, die irischen Behörden müssten Fragen
       beantworten, weil der Messerangreifer über Dublin nach Belfast gereist sei.
       
       Der Vorsitzende der Democratic Unionist Party (DUP), die in Nordirland die
       stellvertretende Regierungschefin stellt, hat deshalb gefordert, die
       irische Grenze zu schließen. Der gemeinsame Reiseraum sei eine „Hintertür
       nach Großbritannien“, sagte er.
       
       Diese Behauptung beruht auf der Annahme, dass das Vereinigte Königreich für
       Asylsuchende so etwas wie das gelobte Land sei – frei nach dem Motto des
       britischen Imperialisten und Bergbau-Magnaten Cecil Rhodes aus dem 19.
       Jahrhundert: „Als Brite geboren zu werden bedeutet, in der Lotterie des
       Lebens den Hauptgewinn gezogen zu haben.“
       
       Die Zahlen des Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten und Handel
       (DFAT) in Dublin sprechen eine andere Sprache: Im Jahr 2024 hatten 18.500
       Menschen in Irland Asyl beantragt. Es wird angenommen, dass rund 90 Prozent
       von ihnen mit dem Flugzeug oder der Fähre von Großbritannien nach Belfast
       und über die inner-irische Landgrenze weiter nach Dublin gereist waren.
       
       Laut [3][Angaben des Guardian] teilte das britische Innenministerium mit,
       dass im vergangenen Jahr rund 900 Personen festgenommen wurden, die die
       offene Landgrenze nach Nordirland nutzten. Weder Irland noch Großbritannien
       können die genau Zahl der Grenzübertritte kontrollieren. Die Daten des DFAT
       legen jedoch mehr Migration in Richtung Irland nahe.
       
       ## UK nun doch „sicheres Drittland“
       
       Der irische High Court hatte Anfang 2024 entschieden, dass die Einstufung
       des Vereinigten Königreichs als „sicheres Drittland“ aufgrund der
       umstrittenen Abschiebepolitik nach Ruanda rechtswidrig sei. Die Regierung
       scheiterte mit ihrer Berufung gegen das Urteil. Irland hat aber [4][das
       Gesetz zur Reform des europäischen Asylsystems (Geas) unterzeichnet,] das
       nach jahrelangen Verhandlungen seit Freitag gilt. Nach der neuen
       Gesetzgebung kann das Vereinigte Königreich nun als „sicheres Drittland“
       eingestuft werden, in das Asylsuchende zur Bearbeitung ihres Antrags
       zurückgeschickt werden können.
       
       Damit es gar nicht erst so weit kommt, will die Labour-Regierung in den
       nächsten drei Jahren 3,7 Milliarden Pfund für die Festnahme, Abschiebung
       und Erfassung illegaler Einwanderer bereitstellen.
       
       15 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /Rassistische-Krawalle-in-Nordirland/!6186192
   DIR [2] https://www.rte.ie/news/2026/0613/1578276-anti-racism-rally-belfast/
   DIR [3] https://www.theguardian.com/uk-news/2026/jun/12/ireland-asylum-seekers-northern-land-border
   DIR [4] /Neuen-EU-Asylsystem-Geas/!6184825
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Ralf Sotscheck
       
       ## TAGS
       
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       1969.