# taz.de -- Lebende WM-Legende Lionel Messi: „Messi schaute, lächelte und lauschte“
> Weltmeister Argentinien bleibt weiter in der Geiselhaft von Lionel Messi.
> Eine WM ohne den achtmaligen Weltfußballer ist weiterhin unvorstellbar.
IMG Bild: Immer ein Genuss: Lionel Messi bei der WM
Wie lange Lionel Messi noch Fußball spielen soll? „Bis dass der Tod uns
scheidet“ würden die zahlreichen Messianisten vermutlich mit der Hand auf
der Brust sagen. Anmar Al Haili ist einer von ihnen. Vor einem halben Jahr
erklärte der Besitzer des saudischen Klubs Al Ittihad: „Wenn Leo bereit
ist, bei Al Ittihad zu unterschreiben, würde ich ihm einen Vertrag
anbieten, bei dem er so viel verdienen könnte, wie er will, und so lange,
wie er will – sogar auf Lebenszeit.“
Messi mag während dieser Weltmeisterschaft seinen 39. Geburtstag feiern,
dass ihm seine Mitmenschen irgendwelche Beschränkungen auferlegen, muss der
achtmalige Weltfußballer nicht befürchten. Seine Einsatzzeit bei diesem
Turnier bestimmt er sowieso selbst. Der argentinische Nationaltrainer
Lionel Scaloni versicherte vor wenigen Tagen [1][der heimischen
Sportzeitung Olé]: „Er wird so lange spielen, wie er will, denn wir wissen
bereits, was er kann, und es ist nicht überraschend, dass er seine sechste
Weltmeisterschaft bestreitet.“ Wäre ja auch noch schöner, wenn der Trainer
festlegen wollte, wann und wie lange Messi auf dem Platz steht.
Es ist davon auszugehen, dass Messi beim Auftaktspiel gegen Algerien am
Mittwoch (3 Uhr MESZ) herzlich gern und lange dabei sein will. Die
spannendere Frage ist, ob Scaloni ein weiteres Mal ein taktisches
Meisterwerk gelingt. Vor vier Jahren führte er das argentinische Team um
den genialen Standfußballer Messi quasi in Unterzahl [2][zum
Weltmeistertitel.] Es war die Verbindung des Heldenfußballs mit der Kraft
des Kollektivs. Ein formidabler Spagat, der vier Jahre später gewiss nicht
einfacher zu bewältigen ist.
Aber die Bedeutung von Messi geht freilich weit über Argentinien hinaus.
Schon bei der Premiere der aufgeblasenen Klub-WM im vergangenen Jahr in den
USA unternahm Fifa-Chef Gianni Infantino für den besseren Umsatz alles,
damit der Senior aus Argentinien dabei sein konnte. Bevor sich sein Verein
Inter Miami wie eigentlich üblich über den Gewinn der Meisterschaft für die
Klub-WM qualifizieren konnte, ließ es sich Infantino nicht nehmen, im
Stadion von Miami selbst die frohe Kunde zu überbringen: „Aufgrund eurer
herausragenden Leistung in diesem Jahr habt ihr es verdient und ihr seid
qualifiziert für die Fifa Klub-WM 2025.“ Das Werturteil des Fifa-Bosses
ersetzte sportliche Qualifikationskriterien. Messi ist immer gut genug.
## Ist eine WM ohne Messi möglich?
Und so kam freilich auch bei der Eröffnungskonferenz dieser WM die Frage
auf, wie wichtig denn allein die Präsenz von Messi für dieses Turnier sei.
Eine WM ohne Messi mag und will sich immer noch niemand vorstellen, auch
Infantino nicht.
Wenn man das Alter von Messi berücksichtigt, ist seine Bilanz in [3][der
zweitklassigen Major Soccer League] nach wie vor sehr beachtlich. In diesem
Jahr hat er für Miami nur eine Partie verpasst und in 14 Spielen 12 Treffer
erzielt und sieben Torvorlagen erbracht. Ein gewisser Respektabstand ihm
gegenüber ist allerdings auch festzustellen. Und wird er doch mal zu Fall
gebracht, straft sein Blick die Gegenspieler härter als jeder
Schiedsrichterpfiff.
Was die Zahlen über den derzeitigen Wert von Messi erzählen? Das Portal
„transfermarkt.de“, das buchhalterisch den Transferwert eines jeden
Spielers berechnet und dabei sportliche Leistungen und Lebensalter
miteinbezieht, kommt bei Messi auf blasphemische 15 Millionen Euro. Nur
zwei Feldspieler im deutschen WM-Kader weisen einen geringeren Wert auf.
Aber mit Zahlen lässt sich das Phänomen Messi freilich auch anders
erzählen. In der WM-Qualifikation, die Argentinien souverän und mit großem
Vorsprung als Erster in der Südamerikagruppe sicherte, erzielte Messi
wieder einmal die meisten Treffer (8) von allen Teilnehmern. Aus
historischer Perspektive sind seine Statistiken eh einzigartig. Beim
letzten Freundschaftsspiel gegen Island vor einer Woche traf Messi direkt
nach seiner Einwechslung per Elfmeter. Im 199. Länderspiel für Argentinien
war es sein 117. Treffer. Nach Verbandsangaben hat die „Albiceleste“ noch
nie einen älteren Torschützen gehabt.
Die Fußballheiligen Pelé und Maradona haben jeweils mit 36 Jahren ihr
letztes Spiel als Fußballprofi bestritten. Lionel Messi, 38, und Cristiano
Ronaldo, 41, scheinen sich nun einen Legenden-Wettstreit zu liefern, wer
denn eigentlich länger kann.
Und Messi muss in diesen Tagen nicht viel tun, um göttergleich verehrt zu
werden. Dass er einem im Rollstuhl sitzenden Journalisten aus Venezuela auf
eine Frage geantwortet und diesen damit so glücklich gemacht hat, wird
selbst von den Nachrichtenagenturen gefeiert. „Messi schaute, lächelte und
lauschte, während er einen Ball unterschrieb“, beschreibt etwa die Deutsche
Presse-Agentur die Szene. Der so reichlich beschenkte [4][Journalist
bedankte sich entsprechend auf Instagram]: „Leo, falls du das liest … was
schon zu viel des Guten wäre …“
Nach der WM ist für Messi übrigens noch lange nicht Schluss. Sein Vertrag
bei Inter Miami läuft noch bis Ende 2028. Dem saudischen Vereinsfußball
kann er also erst einmal nicht helfen. Aber Saudi-Arabien unterstützt er
als Tourismusbotschafter weiter nach seinen Möglichkeiten. Für den schlecht
beleumundeten WM-Gastgeber 2034 ist jedes Messi-Tor bei dieser WM beste
Werbung.
16 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://youtube.com/shorts/LBIydUFN1mc?is=EkQP-gTlxO291etj
DIR [2] /Argentinien-ist-Fussballweltmeister/!5903199
DIR [3] /Fussballstar-in-den-USA/!5941954
DIR [4] https://www.instagram.com/gutierrezmanu/
## AUTOREN
DIR Johannes Kopp
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