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       # taz.de -- Fußballprofi mit Christusfimmel: Platzverweis für Jesus!
       
       > Der deutsche Nationalspieler Felix Nmecha trägt seinen Glauben wie eine
       > Monstranz vor sich her. Dahinter steht ein finsteres Menschenbild.
       
   IMG Bild: Eine Krone für Jesus: Felix Nmecha huldigt Gottes Sohn auf dem Platz
       
       Ach, Gottchen! Hat er das wirklich gesagt nach dem Spiel? „Wir alle
       glauben, dass Jesus durch das Spiel verherrlicht wird.“ Man könnte lachen
       über diese Bemerkung des Nationalspielers Felix Nmecha [1][nach dem
       7:1-Auftaktsieg] der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Curaçao. Der
       Fußball mag ja vieles in Bewegung setzen können, aber wie bitte soll ein
       Kick wie jener der Deutschen gegen Curaçao Gottes Sohn verherrlichen. Na
       ja, wer's glaubt. Und damit sind wir beim Problem.
       
       Denn Nmecha, der am Sonntag in Houston im Mittelfeld der Deutschen vor
       allem in der ersten Hälfte einen sehenswerten Auftritt hingelegt und mit
       einem wunderbaren Schlenzer die Deutschen in Führung gebracht hat, ist
       offensichtlich nicht nur als Kicker in den USA unterwegs, sondern auch als
       Missionar. Er trägt seinen Glauben wie eine Monstranz vor sich her. Wer die
       Vorberichterstattung zum Spiel der Deutschen verfolgt hat, konnte, besser
       sollte, sehen, dass er den Teambus mit einer Bibel in der Hand verlassen
       hat.
       
       Er kniete sich auf den Rasen, formte mit seinen Händen etwas, was
       vielleicht eine Dornenkrone darstellen sollte und tat so, als legte er
       diese auf dem Rasen ab. Dann reckte er die Hände gen Himmel. Ein Bild davon
       [2][postete er auf Instagram] mit den Worten „Thank you Jesus!“ Nach der
       Partie bildete er zusammen mit Jonathan Tah und ein paar Spielern von
       Curaçao einen Gebetskreis.
       
       Es gibt bestimmt Schlimmeres als Fußballer, die gemeinsam beten, ihren
       Glauben ausleben. Nmecha jedoch ist längst in die Rolle eines Predigers
       gewechselt. Er ist das deutsche Gesicht einer Gruppe von Fußballern, die
       sich zu einer Vereinigung namens „Ballers in God“ zusammengetan haben.
       
       ## Das Spiel und Jesus
       
       Deren Chef, der ehemalige englische Fußballprofi John Bostock, hat
       zahlreiche prominente Kicker für seine Plattform gewinnen können, darunter
       etwa den brasilianischen Torhüter Alisson Becker. Auf Instagram folgen den
       gläubigen Kickern über 750.000 Menschen. „Impacting the beautiful game for
       Jesus“, ist das Motto der Vereinigung, die man getrost als evangelikale
       Sekte bezeichnen kann.
       
       Bostocks Verbindungen zu führenden Aktivisten der fundamentalistischen
       Awakening-Bewegung in Europa, die Homosexualität für eine krankhafte Abart
       hält und Konversionstherapien anbietet, [3][sind gut belegt]. Erst im Mai
       veröffentlichte Nmecha [4][auf seinem Youtube-Kanal] ein langes Interview
       mit Bostock, in dem er ihn als seinen Mentor bezeichnet.
       
       Das passt nur allzu gut zu den Social-Media-Posts von Nmecha, in denen er
       Anhänger der Pride-Bewegung mit dem Teufel gleichsetzt oder gegen trans
       Menschen agitiert hat. Als Screenshots dieser finsteren Instagram-Storys,
       zu denen auch Interviewschnipsel mit dem Aktivisten Matt Walsh gehören, der
       sich selbst als „theokratischer Faschist“ bezeichnet, die Runde machten,
       teilte der DFB mit, Nmecha zum Gespräch darüber zu bitten. Vor drei Jahren
       war das.
       
       Als Nmecha im Sommer 2023 vom VfL Wolfsburg zu Borussia Dortmund wechselte,
       verkündete sein neuer Verein nach Fanprotesten, dass er auf die
       Social-Media-Aktivitäten des Spielers achten wolle. Ein Trauerpost nach dem
       Mord am christlich-fundamentalistischen Politprediger Charlie Kirk in den
       USA sorgte im September 2025 dann für erneute Aufregung um Nmecha. Und die
       Fragen, welches Menschenbild hinter den braven Jesus-Sprüchen steckt, die
       Nmecha gern postet, steht nach wie vor im Raum. „Ich bin ein Christ, der
       Fußball spielt“, ist so ein Spruch, den er gern benutzt.
       
       Bei der Vereinigung „Baller in God“ wird man stolz sein nach Nmechas erstem
       WM-Auftritt. Die Interviewfetzen nach dem Spiel wurden mit englischen
       Untertiteln versehen auf Instagram geteilt. Wie sagte ARD-Experte Bastian
       Schweinsteiger nach Nmechas kleiner Predigt vor großem TV-Publikum nach dem
       Spiel? „Amen!“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
       
       15 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] /WM-Auftakt-der-DFB-Elf/!6187160
   DIR [2] https://www.instagram.com/felix_nmecha/
   DIR [3] https://www.belltower.news/ballers-in-god-und-awakening-europe-wie-evangelikale-netzwerke-den-fussball-erobern-164343/
   DIR [4] https://www.youtube.com/watch?v=WU3euzIlw_w
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Andreas Rüttenauer
       
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