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       # taz.de -- Israel und das Iranabkommen: Nicht unser Kriegsende
       
       > Das Iran-USA-Abkommen fällt in den israelischen Wahlkampf.
       > Premierminister Netanjahu steht unter Beschuss und kündigt an, im Libanon
       > weiterzukämpfen.
       
   IMG Bild: Am Samstag protestierten Menschen in Jerusalem gegen die Kämpfe in Gaza und im Westjordanland
       
       In Israel herrscht Wahlkampf. Noch vor Ende Oktober sollen seine
       Staatsbürger eine neue Regierung wählen. In diese Phase fällt nun die
       Absichtserklärung, die USA und Iran am Ende dieser Woche in der Schweiz
       unterschreiben wollen. Große Teile der Opposition, von links bis rechts,
       haben dazu eine klare Meinung. Sie sehen Premierminister Benjamin Netanjahu
       als Mitschuldigen an diesem aus ihrer Sicht für Israel schlechten Abkommen.
       
       Jair Golan ist Vorsitzender der linkesten Mainstream-Oppositionspartei
       Israels, den Demokraten. [1][Er schreibt auf X]: „Mit einem einzigen
       Federstrich wurden die gewaltigen militärischen Erfolge, die mit dem Mut
       unserer Piloten und dem Blut unserer Soldaten errungen wurden,
       zunichtegemacht, während Netanjahu am Rande stand – schwach, krank,
       isoliert und machtlos.“
       
       Jair Lapid, führender Oppositionspolitiker und Teil des
       Mitte-rechts-Bündnisses Bejachad, schreibt auf X: Sollte der Deal wie
       berichtet zustande kommen, „wäre dies einer der schockierendsten
       Misserfolge der israelischen Außen- und Sicherheitspolitik, und die
       Verantwortung dafür liegt allein bei Netanjahu“.
       
       Ihre Aussagen müssen einerseits im Kontext des Wahlkampfs betrachtet
       werden: Fehler des Gegners werden ausgeschlachtet, jede Partei versucht,
       das Narrativ zu dominieren.
       
       ## Viele Kriege begonnen, keinen gewonnen
       
       Doch auch im Pro-Netanjahu-Camp rumort es. Trump sei ein „Loser“, erklärt
       etwa Yinon Magal, rechter politischer Kommentar in Israel, unter anderem
       bei dem Pro-Netanjahu-Sender Channel 14. Er schiebt die Schuld an dem Deal
       auf die „kleinen Juden“ Steve Witkoff und Jared Kushner, enge Vertraute des
       US-Präsidenten und Mitverhandler. Beide sind jüdischen Glaubens. Sie hätten
       ihre „Brüder in Israel“ verkauft, seien vom Golfstaat Katar gekauft. Israel
       sei allein – und man gewinne auch allein, betont Magal. „Der Sieg Israels
       lügt nicht.“
       
       Genau das ist aber das Dilemma: Israel führt seit dem Hamas-Angriff in
       Israel am 7. Oktober 2023 an verschiedenen Fronten Krieg. Gewonnen hat es
       bislang keinen einzigen.
       
       Im Gegenteil: Die Hamas, deren völlige Zerstörung israelische Politiker
       versprochen hatten, kontrolliert weiterhin etwa 40 Prozent des
       Gazastreifens und fast die gesamte dort verbliebene Zivilbevölkerung.
       Derzeit attackiert die Hamas nur die Palästinenser unter ihrer Herrschaft.
       Analysten gehen aber davon aus, dass sie auch Israel wieder gefährlich
       werden könnte. Für die Kriegsführung, die zu diesem Ergebnis führte, liegen
       zudem Haftbefehle des Internationalen Strafgerichtshofs aus, [2][gegen
       Netanjahu] und [3][Ex-Verteidigungsminister Joav Galant].
       
       Auch gegen die Hisbollah, die am 8. Oktober 2023 in den Krieg einstieg,
       führt Israel Krieg. Zwar kann Israel auch dort operative Erfolge melden,
       etwa die Tötung des berüchtigten Generalsekretärs Hassan Nasrallah. Große
       strategische Gewinne sind aber nicht erkennbar. Im Gegenteil: Israels
       Ansehen in der Welt leidet unter der großflächigen Zerstörung von Dörfern
       und Städten im Südlibanon und unter mehr als 3.000 getöteten libanesischen
       Zivilisten. Zugleich greift die Hisbollah Nordisrael weiter mit Drohnen an.
       
       ## Mehrheit findet Irankrieg richtig
       
       Und nun Iran. Dutzende führende Köpfe haben die USA und Israel dort
       getötet, unter anderem den obersten Führer Ali Chamenei. Doch das Regime
       hat sich neu aufgestellt, unter noch radikalerer Führung. Als die USA und
       Israel wichtige Stätten des Nuklearprogramms angriffen, schien das zunächst
       ein Erfolg. Dann stellte sich heraus: Der Verbleib des bereits
       angereicherten Urans ist unbekannt.
       
       Netanjahu steht vor einem alten Dilemma: Wie ist die Sicherheit Israels zu
       gewährleisten? Mit Krieg, klandestinen Operationen oder doch Diplomatie?
       
       Die Bevölkerung beantwortet das zumindest in Bezug auf Iran recht
       eindeutig: [4][In einer Studie des US-amerikanischen Pew Research
       Institute] erklärten drei Viertel der befragten jüdischen Israelis, es sei
       richtig gewesen, Iran anzugreifen.
       
       Netanjahu versucht also, zu retten, was noch zu retten ist. Gegenüber Trump
       erklärte er, dass man zumindest gegen die Hisbollah im Libanon weiter Krieg
       führen wolle. Berichten zufolge soll Teheran nämlich eine Waffenruhe an
       allen Fronten gefordert haben, also auch gegen die von Iran unterstützte
       Hisbollah im Libanon.
       
       Während das einen großen Teil der Bevölkerung, vor allem im Süden des
       Landes, aufatmen lässt, gibt es Kritik. Denn der libanesische Staat geht
       derzeit stärker gegen die als Staat im Staat agierende Hisbollah vor.
       Beirut verhandelt direkt mit Israel und spricht von einer Entwaffnung der
       Hisbollah. Die Analystin Hanin Ghaddar schreibt: „Heute ist kein guter Tag
       für Libanon.“ Das Land müsse nun „seine Anstrengungen verstärken“ für einen
       Deal mit Israel, unabhängig „von Irans Forderungen“.
       
       15 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://x.com/YairGolan1/status/2066374981630464232?s=20
   DIR [2] https://www.icc-cpi.int/defendant/netanyahu
   DIR [3] https://www.icc-cpi.int/defendant/gallant
   DIR [4] https://www.pewresearch.org/global/2026/06/09/israelis-palestinians-americans-see-war-in-iran-differently/
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Lisa Schneider
       
       ## TAGS
       
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