# taz.de -- Iran-USA-Abkommen: Frieden für das Regime
> Ist der Krieg zwischen Iran und den USA vorbei? Trotz des Abkommens
> bleiben Fragen offen. In Iran fürchten viele, dass der Deal den
> Machthabern nützt.
IMG Bild: Waffenstillstand ohne Wandel? Eine Straße in Teheran am Montag. An einem Haus prangen die Bilder der früheren iranischen Führer
Als die Nachricht von der vorläufigen Einigung zwischen Iran und den USA
bekannt wurde, atmeten die globalen Märkte auf. Die Ölpreise sanken,
führende Politiker wie Bundeskanzler Friedrich Merz sprachen von einem
„diplomatischen Durchbruch“, und US-Präsident Donald Trump feierte die
Einigung als Erfolg seiner Diplomatie.
Doch in Iran blieb die Lage angespannt. Für viele, [1][die im Januar gegen
das Regime protestierten], markiert das Abkommen nicht das Ende der Krise.
Es wirkt wie eine kurze Atempause inmitten einer erschöpften Gesellschaft,
die Krieg, Seeblockade, Handelsstörungen, Inflation und Unsicherheit
ertragen musste. Nun steht sie vor einer bitteren Frage: Zerschlägt das
Abkommen den Traum von einer demokratischen Regierung?
Das Abkommen ist vorerst nur ein Rahmen. Es soll in der Schweiz
unterzeichnet werden, die Militäroperationen beenden, die Straße von Hormus
öffnen, die US-Seeblockade aufheben und ein 60-tägiges Zeitfenster für
Verhandlungen über heikle Themen schaffen: das Atomprogramm, Sanktionen und
Irans Uranvorräte. Das Abkommen ist weniger ein Ende der Krise als ein
Waffenstillstand – ein schmaler Grat zwischen Krieg und Frieden.
Hinzu kommt: Trump hatte schon oft ein ganz tolles Abkommen angekündigt,
was dann nie zustande kam. Jetzt hat zwar auch Pakistans Premier Shehbaz
Sharif – dessen Land mitverhandelte – [2][angekündigt], man werde am
kommenden Freitag in Genf diesen „monumentalen Meilenstein“ des Friedens
unterzeichnen. Doch bislang ist der Text des Abkommens nicht bekannt.
[3][Jüngste Leaks seitens iranischer Staatsmedien] zeigten einen Text, den
[4][Trump anschließend als Fake News bezeichnete]. Offizielle
Bestätigungen, dass die Gräben zwischen Iran und den USA überbrückt sind,
fehlen.
## Beide Seiten reklamieren Sieg für sich
Die Islamische Republik feiert das Abkommen als „Rückzug des Feindes“ und
Beweis iranischer Stärke. Trump hingegen sieht es als Ergebnis des
militärischen und wirtschaftlichen Drucks aus Washington. Doch für viele
Iraner ist dieser Kampf der Narrative zweitrangig. Sie fragen sich, wie ein
politischer Wandel mit möglichst geringen Kosten erreicht werden kann.
Nima, ein 37-jähriger Ingenieur aus Teheran, sagt: „Ich habe ein ungutes
Gefühl. Trump hatte versprochen, dass ‚Hilfe auf dem Weg ist‘, daher ist
dieses Abkommen für mich emotional enttäuschend. Aber ich denke trotzdem,
wir sollten es nicht zu emotional betrachten, denn vielleicht ist dieses
Abkommen auch Teil eines größeren Prozesses.“
Er fügt hinzu: „Viele meiner Freunde glauben, dass selbst mit diesem
Abkommen der nächste Krieg bevorsteht und die Vereinigten Staaten
vielleicht versuchen, den Konflikt wegen der Weltmeisterschaft nicht zu
eskalieren.“
Seiner Ansicht nach jedoch hat das Abkommen das Projekt der Entwaffnung der
Islamischen Republik in eine neue Phase geführt. Diese Entwaffnung, sagt
er, umfasst sowohl die potenziellen als auch die tatsächlichen
militärischen Fähigkeiten der Islamischen Republik sowie der Hisbollah in
Libanon und anderer mit dem iranischen Regime verbundene Gruppen.
Gespaltenes Land
Natürlich lässt sich die Stimmung im Land nicht genau messen. Iran hat
weder freie Medien, noch transparente Meinungsumfragen. Doch die Proteste
im Januar und die Versammlungen der Diaspora zeigen, dass viele Gegner des
Regimes den Krieg nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance sahen.
Nicht alle sind hoffnungslos. Nazanin, 22, aus Gilan, glaubt zwar, dass
wirtschaftliche Öffnungen nur Regime-Insidern nützen, nicht der
Bevölkerung. Dennoch sieht sie den Sturz des Regimes als Prozess, der
weitergeht. Ihrer Meinung nach hat die Islamische Republik es lediglich
geschafft, am Leben zu bleiben. Dies, so sagt sie, könnte in den kommenden
Monaten zu besseren Ergebnissen für die Bevölkerung führen.
Das Abkommen spaltet nicht nur die Gesellschaft, sondern auch das Regime.
Hardliner vor allem aus der sogenannten Paydari-Front um Saeed Jalili
nennen die Einigung eine „Kapitulation“. Sie attackieren
Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas
Araghchi. Eine Onlinekampagne unter dem Motto „Wir akzeptieren das nicht“
mobilisiert Widerstand.
Jahrelang baute die Islamische Republik ihre Außenpolitik auf dem
„Widerstand gegen Amerika“ auf. Nun muss das Regime mit Washington
verhandeln. Für die Hardliner ist das mehr als eine diplomatische
Entscheidung – es ist ein Angriff auf ihre Identität. Wenn Verhandlungen
möglich sind, was bleibt dann von den Parolen der letzten Jahre?
## Gerüchte um Rausschmiss von Iran-Hardliner
In dieser Atmosphäre haben Gerüchte über die Entlassung von Saeed Jalili
aus dem Obersten Nationalen Sicherheitsrat die interne Debatte zusätzlich
angeheizt. Jalili, einst Atomunterhändler, gilt als Symbol kompromissloser
Außenpolitik. Ein regierungsnaher Propagandabeamter, dem der Bericht über
die Entlassung zugeschrieben worden war, dementierte die Gerüchte zwar
umgehend, doch Jalilis Position scheint geschwächt. Das Regime muss die
Gegner des Abkommens in Schach halten, um es durchzusetzen. Doch die
Hardliner geben nicht auf. Für sie war der Krieg politisches Kapital. Ab
sofort wird ihre eigene Propaganda zum Hindernis.
Hinter der Propaganda zeigt sich eine zerrüttete Machtstruktur: Nach dem
Tod von Ali Khamenei haben die Revolutionsgarden und der Nationale
Sicherheitsrat an Einfluss gewonnen, während der neue Führer eher
symbolisch agiert.
Das bedeutet, dass die Islamische Republik zwar noch besteht, aber
innerlich nicht kohärenter geworden ist. Im Gegenteil: Das Abkommen mit
Amerika trifft sie genau dort, wo jahrelang eine ihrer wichtigsten
Identitätssäulen stand: die permanente Feindseligkeit gegenüber Washington.
Nun muss dasselbe System der Gesellschaft erklären, warum es nach all
diesen Opfern an den Verhandlungstisch zurückgekehrt ist. Und es muss
seinen eigenen Hardlinern erklären, warum die Rückkehr an diesen Tisch kein
Akt des Verrats ist.
Aus dem Englischen mithilfe von DeepL
15 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Protestwelle-in-Iran/!6144573
DIR [2] https://x.com/PakPMO/status/2066450820087136272?s=20
DIR [3] /Abkommen-Iran---USA/!6186784
DIR [4] https://www.timesofisrael.com/trump-fumes-at-dishonorable-iranians-amid-leaks-on-emerging-deals-purported-terms/
## AUTOREN
DIR Mahtab Qolizadeh
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