# taz.de -- Schienenverkehr in Deutschland: Der DB-Totalausfall muss ein Weckruf sein
> Die Bundesregierung muss schleunigst etwas gegen die Krise des
> Staatskonzerns unternehmen. Es braucht eine gemeinwohlorientierte
> Deutsche Bahn.
IMG Bild: Der Hauptbahnhof in Hamburg nach dem Totalausfall am Dienstag
[1][Der Kollaps der Deutschen Bahn] in der Nacht zu Mittwoch ist ein
Weckruf. Die Bundesregierung muss schleunigst etwas gegen die Krise des
Staatskonzerns unternehmen. Mit der jüngsten Personalentscheidung,
ausgerechnet den Automanager und Ex-VWler Michael Obrowski zum
Finanzvorstand zu machen, geht sie aber weiter in die falsche Richtung.
Die Deutsche Bahn braucht endlich eine Führungsspitze, die etwas von
nachhaltiger und kund:innenfreundlicher Mobilität versteht – und eine
attraktive Alternative zum Auto anbieten kann und will.
[2][Der flächendeckende Zugstillstand] in der vergangenen Woche zeigt, wie
dringend die Generalüberholung der Deutschen Bahn ist. Seit 1994 ist sie
eine Aktiengesellschaft. Von dieser Rechtsform versprach sich die Politik
seinerzeit die Umwandlung der „Behördenbahn“, wie die frühere Bundesbahn
spöttisch genannt wurde, in ein modernes, effektives Unternehmen. Das ist
gründlich schiefgegangen.
Eine gemeinwohlorientierte Rechtsform wäre besser. Ältere erinnern sich mit
Wehmut an jene „Behördenbahn“, die noch dem Spruch „So pünktlich wie die
Eisenbahn“ gerecht wurde – und die bei allen Wetterlagen zuverlässig fuhr.
Heute hat die Bahn ganzjährig Probleme. Sie ist ein maroder, nach
privatwirtschaftlichen Vorgaben arbeitender Konzern in Staatsbesitz, bei
dem es an allen Ecken und Enden knirscht.
## Kein Einzelfall
Die Megapanne in der Nacht zu Mittwoch ist der größte Ausfall des
Schienenverkehrs in der Geschichte der Bundesrepublik. Aber das war nicht
die eine große Ausnahme einer ansonsten bestens funktionierenden Bahn. Sie
ist Höhepunkt einer schier endlosen Reihe von mehr oder weniger großen
Schlamassel wie ersatzlosen Zugausfällen, enormen Verspätungen und
wochenlangen Sperrungen zentraler Strecken. Und all das bei sehr hohen
Preisen.
Grund für den enormen Ausfall war der nach einem Update deutschlandweit
nicht funktionierende Bahnfunk, der die Kommunikation zwischen Leitstellen
und Lokomotivführer:innen unterbrach. Das ist kein Schicksal.
Neuralgische Punkte hat jedes Unternehmen. Aber ein gutes Management
zeichnet sich dadurch aus, dass es Schwachstellen erkennt und die damit
verbundenen Gefahren systematisch bannt. Dazu ist die derzeitige
Bahn-Führung offensichtlich nicht in der Lage.
Reisende fragen sich, wie viele weitere kritische Punkte es bei der Bahn
wohl noch gibt – und ob das Management willens und fähig ist, sie zu
erkennen und zu entschärfen. Anders als die Sanierung von Zehntausenden
Kilometern Schienen ist das nicht nur eine Frage des Geldes.
## Endlich die Reißleine ziehen
Auch das Desaster um das Milliardengrabprojekt „Stuttgart 21“, dessen
Eröffnung gerade nochmals [3][um Jahre verschoben wurde], belegt
nachdrücklich das Fehlen von Organisationsgeschick im Bahnmanagement.
Der Staatskonzern sollte hier endlich die Reißleine ziehen und die Pläne an
die Realität anpassen. Wie das jetzt noch gehen könnte, zeigen Konzepte der
immer noch aktiven „Stuttgart 21“-Gegner:innen.
27 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Anja Krüger
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