# taz.de -- Bundeswehr auf Shoppingtour: Ein Aufstand gegen den Truppenzuschlag – wie schön
> Kaum will die deutsche Armee etwas haben, verteuert es sich auf
> schwindelerregende Weise. Endlich fällt das den Abgeordneten auf.
IMG Bild: Die Chefin des Beschaffungsamts der Bundeswehr Präsidentin Annette Lehnigk-Emden, kann endlich einkaufen - die Industrie freut sich
Dem rheinisch schwingenden, leicht rauen Singsang von Annette Lehnigk-Emden
höre ich gern zu. Die Chefin des Beschaffungsamts der Bundeswehr (die
Abkürzung lautet BAAINBw, die aufgelöste Version davon wollen Sie hier
nicht lesen) spricht sowieso sehr nachvollziehbar davon, wie schön ihr
Beruf geworden ist: „Wir können einfach mal kaufen“, [1][sagte sie im
Frühjahr im Radiointerview] und schob nach: „Die Dinge kaufen, die die
Truppe braucht, um einsatzfähig zu werden.“
Früher, vor dem Ukrainekrieg, erklärte Lehnigk-Emden, hatten sie bei der
Bundeswehr „eine lange, lange Zeit wenig Geld und viel Zeit“, um sich
schönste technische Sonderspezialgeräte auszudenken – das Stichwort hierzu
lautet „Goldrandlösungen“. Jetzt aber, seit dem Ukrainekrieg, ist „von der
Stange“ angesagt, und bitte fix.
Diese Woche ist nun nicht nur wegen ihrer goldenen Ränder, sondern auch
wegen unbeherrschbarer sonstiger Planungsprozesse erst einmal ein
Riesenprojekt gestorben: die Fregatte 126 (F126). Erst vier, dann sechs
dieser Mehrzweckkampfschiffe wurden 2020 noch unter der
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei einer
niederländischen Werft bestellt.
Die Niederländer mussten versprechen, die eifersüchtige deutsche Industrie
großflächig zu beteiligen, und ab da muss dann vieles schiefgegangen sein.
Denn am Mittwoch erklärte das Bundesverteidigungsministerium dann
offiziell, das Schiff werde abbestellt. Über 2 Milliarden Euro
Planungskosten sind damit versenkt. Stattdessen soll die Kieler TKMS-Werft
acht Meko-Fregatten, also Mehrzweck-Kombinations-Schiffe für 12 Milliarden
Euro bauen. Die sind schlichter. Allerdings sind sie „auch schon wieder ein
wenig teurer als geplant“, [2][schreibt der Rüstungsexperte Thomas Wiegold]
dazu ahnungsvoll in seinem Blog.
Plötzlich verdoppelte sich der Stückpreis
Kaum will die Bundeswehr etwas haben, verteuert es sich auch schon auf
schwindelerregende Weise. Die Industrie genehmigt sich angesichts der nicht
schuldengebremsten Rüstungsbeschaffungspolitik quasi einen
Bundeswehrzuschlag, der gern auch ein Vielfaches vom originalen Preis
beträgt. Im Haushaltsausschuss des Bundestags gab es diesen Monat darob
endlich einen Aufstand, auf den ich lange gewartet hatte. Die Abgeordneten
wählten sich ein plastisches Beispiel, um durch Nichtbewilligung ihr
Unwohlsein darüber auszudrücken: den [3][„Container ISO 20 Fuß, Kraftstoff
9 Kubikmeter (TCK 9])“, also einen Benzintank im Stahlrahmen. Davon sollte
die Bundeswehr ein paar Tausend bekommen, doch plötzlich verdoppelte sich
der Stückpreis von rund 142.000 Euro, was immer noch ein stolzer Preis ist
für einen Benzintank, auf 291.000 Euro.
Das war den zuständigen Koalitionären zu viel. Schon seit der
Vorweihnachtssitzung 2025, als in einem Rutsch über 50 Milliarden Euro über
den Tresen gingen, hatte sich im Ausschuss offenbar Unmut übers Verfahren
angesammelt. Aus dem „Whatever it takes“ von Friedrich Merz, dem
Koste-es-was-es-wolle, „ist ein Anything-goes geworden“, klagt der
oppositionelle Grünen-Haushälter Sebastian Schäfer, der sich da mit den
schwarz-roten Ausschusskollegen aber einig ist. Es finde keine
Priorisierung mehr statt, „da sind Tür und Tor geöffnet“.
Der Bundesrechnungshof, der die Kritik aus dem Ausschuss [4][diese Woche
flankierte], müsse sogar Personal abbauen, statt zur Rüstungskontrolle
verstärkt zu werden, erzählt Schäfer. Eine – immerhin denkbare – steuernde
Funktion von Annette Lehnigk-Emdens Beschaffungsamt erwähnt er gar nicht
erst. „Einfach mal kaufen“ ist auch einfach zu schön.
28 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://www.swr.de/swraktuell-radio/chefin-des-bundeswehr-beschaffungsamts-einfach-mal-kaufen-100.html
DIR [2] https://augengeradeaus.net/2026/06/mein-kleines-schiff-ist-geschichte/
DIR [3] https://esut.de/2026/06/meldungen/71783/nur-300-tankcontainer-tck-9-gebilligt/
DIR [4] https://www.spiegel.de/wirtschaft/bundeswehr-rechnungshof-warnt-vor-ueberhoehten-ruestungspreisen-a-51ab5e3e-61cd-4d17-ae5d-5c3f77db153a
## AUTOREN
DIR Ulrike Winkelmann
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