# taz.de -- Scharfes Essen: Wenn der Schmerz nachlässt
> In Mitteleuropa galt Paprikagulasch lange als das höchste der
> Schärfegefühle. Unsere Autorin wurde in Indien von Chilis erweckt und
> weiß: Da geht mehr!
IMG Bild: Chilischoten auf dem Markt: Schon zu Aztekenzeiten war die Chili ein wichtiges Würzmittel
Denkt man an eine der meistangebauten Gewürzpflanzen der Welt, fällt einem
die Chili nicht im ersten Moment ein. Dabei macht es natürlich Sinn: Die
über 3.000 Sorten sind vom Aussehen und der Schärfe so unterschiedlich,
dass für fast jeden etwas dabei sein dürfte.
[1][Schon zu Aztekenzeiten] war die Chili ein wichtiges Würzmittel, in
Mitteleuropa hingegen galt ein scharfes Paprikagulasch lange als das
höchste der Gefühle. Bitte keine Despektierlichkeiten gegen [2][unsere
Paprika] – alle Chilis sind Paprikas, aber die meisten Paprikas keine
Chilis. Den Unterschied macht der Capsaicin-Gehalt, der für die Schärfe
verantwortlich ist. Hat man einen empfindlichen Magen, sollte man es bei
der Gemüsepaprika belassen.
Ich hatte mein Chili-Erweckungserlebnis im Norden Indiens, als ich in
Rajasthan mit einem Maharadscha kochen durfte. Das Rezept war für sechs
Personen ausgelegt, und als die getrockneten, recht scharfen Chilis an der
Reihe waren, wies er mich an, zwei große Hände voll zum Fleisch zu geben.
Der Eintopf war köstlich – und im ersten Moment auch nicht scharf. Bis sich
das Capsaicin auf den Schleimhäuten verteilte und ich ordentlich anfing zu
schwitzen. Aber wie schön, wenn der Schmerz nachlässt und Glückshormone
freisetzt! Dann will man mehr.
Mittlerweile würze ich mit Chili beinahe alles. Es lohnt sich jedoch immer,
einen kleinen Probebiss zu machen. Manche sind erstaunlich neutral, manche
sind kleine Teufelchen, die einem das ganze Essen zerfeuern können. Wer’s
milder mag, entfernt die Kerne und die weißen Innenwände und hält ein Glas
Buttermilch, Sahne oder ein Stück Kokosnuss parat, welche die Schärfe gut
von den Schleimhäuten waschen.
[3][In Thailand] gibt es zu Frühlingsrollen und Frittiertem die scharfe
Srirachasauce. Selbst zubereitet, ist sie nicht so süß und komplexer im
Geschmack. Dazu nehme ich viele rote frische Chilis, etwas Fischsauce,
einige Knoblauchzehen, etwas Reisessig, wenig Wasser, ein Bisserl Honig
oder Zucker und köchle alles, bis die Chilis richtig weich sind. Dann
püriere ich das Ganze und schmecke den Dip mit Salz ab.
Eine meiner Lieblingsmarinaden für Hühnerstreifen besteht aus gleichen
Teilen feingehacktem Ingwer, Knoblauch und Chili, denen ich Austernsauce,
Sojasauce und Fischsauce hinzufüge. Die Mischung wird mit einem kräftigen
Schluck gerösteten Sesamöl abgerundet. Darin lasse ich das Fleisch
mindestens eine halbe Stunde ziehen und brate dann alles ordentlich und
schnell an. Wokgemüse dazu, bei Riesenhunger noch einige Glasnudeln drauf
und fertig ist ein gehaltvolles köstliches Mahl. Guten Appetit!
29 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] /Die-Azteken/!1329225/
DIR [2] /Vitamin-C-Bombe-aus-dem-Gemuesegarten/!5939937
DIR [3] /Thailand/!t5007755
## AUTOREN
DIR Sarah Wiener
## TAGS
DIR Kolumne Die Zutat
DIR wochentaz
DIR Genuss
DIR Gewürz
DIR Reden wir darüber
DIR Kolumne Starke Gefühle
DIR Kolumne Die Zutat
DIR Kolumne Die Zutat
DIR Kolumne Die Zutat
## ARTIKEL ZUM THEMA
DIR Von der Wut aufs Kochen: Bereitet eure Trendgerichte doch alleine zu!
Kochen wird als Achtsamkeitsübung verkauft, dabei ist es Höllenarbeit,
findet unsere Autorin. Und dann bleibt auch noch was vom Essen übrig...
DIR Eine Zutat mit vielen Namen: Langweilig? Nicht die Bohne!
Egal, ob man sie Vieh- oder Saubohne nennt, Pferde- oder Puffbohne, Acker-
oder Feldbohne, Faber- oder Favabohne – die Dicke Bohne schmeckt immer.
DIR Grün, knackig, sensibel: Ein Bart, der zu fast allem passt
Der Mönchsbart ist ein salziges Kraut, das gerne an der Küste wächst.
Gourmets schätzen das Kraut für seinen maritimen Geschmack.
DIR Kräuterküche: Grünes Frühglück
Kerbel ist vor allem in Hessen bekannt. Dort kommt das Kraut in die Grüne
Soße. Aber auch zu Fisch schmeckt es delikat.