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       # taz.de -- Britische palästinasolidarische Gruppe: Gericht bestätigt Verbot von „Palestine Action“
       
       > In Großbritannien hatte die Einstufung der propalästinensischen Gruppe
       > als terroristisch Proteste ausgelöst. Sie hat Rüstungsfirmen sabotiert
       > und Personen verletzt.
       
   IMG Bild: Protest in London gegen das Urteil des britischen Berufungsgerichts zu Palestine Action, am 15. Juni
       
       Der High Court of England and Wales hat am Montagvormittag die Berufung
       gegen ein vorheriges Urteil zum Verbot der Gruppe Palestine Action
       zurückgewiesen. Im Februar hatte das Gericht geurteilt, die britische
       Regierung habe die Gruppe zu Unrecht als terroristisch eingestuft.
       Daraufhin hatte die Innenministerin Berufung eingelegt.
       
       Palestine Action hat laut den fünf Richter:innen des Berufungsgerichts
       drei Aktionen durchgeführt, die direkt als terroristisch eingeordnet werden
       können. Dazu zählt ein Angriff auf eine Fabrik des israelischen
       Rüstungskonzerns Elbit Systems im August 2024, bei dem die Täter einen
       Millionenschaden anrichteten und eine Polizistin schwer verletzten. Letzte
       Woche waren vier Aktivisten für diese Tat zu langen Haftstrafen verurteilt
       worden.
       
       Außerdem drangen Aktivisten vor einem Jahr in eine britische Militärbasis
       ein, wo sie zwei Tankflugzeuge mit Farbe bespritzten. Die dritte Aktion war
       der Angriff auf eine Rüstungsfabrik des Thales-Konzerns in Glasgow 2022.
       Richterin Baronin Sue Carr, die zugleich Leiterin des englischen und
       walisischen Justizsystems ist, verkündete das Urteil. Sie erklärte, dass in
       vorheriger Instanz weitere geplante Aktivitäten der Gruppe nicht
       ausreichend geprüft worden seien.
       
       Aus einem Dokument der Gruppe sei hervorgegangen, dass sie im Geheimen
       Gewaltaktionen geplant habe. So habe man etwa mit Vorschlaghämmern
       möglichst viel Sachschaden anrichten wollen. Palestine Action habe zudem
       Menschen und Organisationen, die in Verbindung mit Elbit standen, auf
       hinterhältige Weise einschüchtern wollen. Dabei habe die Gruppe auch
       Lieferungen an die Ukraine, Nato-Kräfte oder das britische Militär
       gefährdet.
       
       ## Gericht sieht keine berechtigte Protestform
       
       Carr betonte, dass Palestine Action nicht, wie die Gruppe selbst behaupte,
       den Suffragetten (britische Frauenbewegung Anfang des 20. Jahrhunderts),
       der Antiapartheidbewegung oder Gruppen, die sich gegen den Irakkrieg
       engagierten gleiche. „Das ist keine Protestgruppe der traditionellen
       Friedensbewegung“, so Carr.
       
       Palestine Action habe zwar auch gewaltlose Aktionen durchgeführt, jedoch in
       den 18 Monaten vor ihrem Verbot zunehmend gewaltsam agiert, intransparent
       und ohne den Versuch, Menschen argumentativ zu überzeugen. Im Juni 2025
       hätte ein Bericht auf 158 Aktionen verwiesen, von denen 28 signifikanten
       Sachschaden angerichtet hätten, mit 129 Festnahmen. Bereits zuvor sei
       bekannt gewesen, dass die Gruppe ihre Aktionen eskalieren wollte.
       
       Es sei zwar ungewöhnlich, dass eine terroristische Gruppe eher Sachschaden
       anrichte, als Menschen bedrohe, dies falle dennoch unter die Definition von
       Terrorismus. Carr unterstrich mehrmals, dass Palestine Action sich nie von
       den gewaltsamen Taten distanziert habe und diese auch nicht bereue, sondern
       sie sogar feiere.
       
       Laut Carr schränke das Urteil das Recht nicht ein, sich für
       palästinensische Belange oder gegen den Staat Israel, die israelischen
       Streitkräfte oder Elbit einzusetzen. Ziviler Ungehorsam sei eine etablierte
       Protestmethode in Großbritannien. Die Aktionen von Palestine Action fielen
       aufgrund ihrer Gewalttätigkeit jedoch nicht darunter.
       
       ## Breite Solidaritätsbewegung
       
       Das Gericht sei sich im Klaren darüber, dass derzeit 700 Angeklagte auf
       Verfahren warteten und noch weitere folgen würden. Jeder habe das Recht,
       sich für propalästinensische oder antiisraelische Belange einzusetzen,
       nicht jedoch für eine terroristische Gruppe.
       
       Nach dem Verbot von Palestine Action im Juli 2025 war in Großbritannien
       eine [1][breite Solidaritätsbewegung] entstanden. Laut Amnesty
       International wurden seitdem mehr als 3.300 [2][Menschen festgenommen],
       weil sie sich an Protestaktionen beteiligt hatten, über 2.000 von ihnen,
       weil sie Schilder mit der Aufschrift „Ich bin gegen Völkermord, ich
       unterstütze Palestine Action“ in die Höhe hielten. Die NGO fordert, die
       erhobenen Anklagen fallen zu lassen und verweist darauf, dass die Proteste
       friedlich verliefen.
       
       Im Zuge des Verbots wurden die Rekrutierung von Aktivist:innen und die
       Finanzierung der Gruppe unterbunden. Huda Ammori, Mitgründerin von
       Palestine Action, zeigte sich nach dem Urteil überrascht und kündigte an,
       weiter gegen das vorzugehen, was sie als einen der extremsten Angriffe auf
       die [3][Meinungs- und Versammlungsfreiheit] in der britischen Geschichte
       bezeichnete.
       
       15 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
   DIR Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
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