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       # taz.de -- Keine Sicherheit im europäischen Exil: Transnationale Repression nimmt in Europa stark zu
       
       > Ein Bericht für das Europaparlament fordert einheitliche Definition und
       > Erfassung der Repression. Doch diplomatischer Druck milderte diesen ab.
       
   IMG Bild: Autoritäre Regime verfolgen, überwachen und bedrohen Menschen auch in Europa
       
       Der türkische Journalist Can Dündar, ehemaliger Chefredakteur der Zeitung
       Cumhuriyet, lebt schon seit 2016 im deutschen Exil. Doch sicher vor
       Verfolgung durch den türkischen Staat ist er hier nicht. Nach Angaben der
       grünen Europaabgeordneten Hannah Neumann ist er „anhaltenden Drohungen“
       ausgesetzt. Sein Vermögen in der Türkei wurde beschlagnahmt. Und die
       türkischen Behörden fordern über Interpol seine Auslieferung. Zwar liefert
       ihn Deutschland nicht aus, doch die Reisemöglichkeiten des Journalisten in
       andere Staaten sind wegen der Fahndung stark eingeschränkt.
       
       Wenn autoritäre Staaten ihre politischen Gegner auch im Exil verfolgen und
       diese damit auch dort nicht mehr sicher sind, [1][spricht man von
       transnationaler Repression]. Diese hat in den vergangenen Jahren stark
       zugenommen, weil die Zahl autoritär regierter Staaten immer größer wird und
       weil diese neue technische Möglichkeiten wie Spionagesoftware und die
       sozialen Medien nutzen. Zudem haben Staaten wie Russland, China, [2][Iran]
       und [3][Vietnam] in der Diaspora Netzwerke von Landsleuten aufgebaut, mit
       deren Hilfe sie Gegner ausspionieren und bedrohen.
       
       An diesem Dienstag stimmt das Europaparlament über einen Bericht zum Thema
       transnationale Repression ab. Für die EuropaparlamentarierInnen ist das
       Neuland. Berichterstatterin ist die grüne Abgeordnete Hannah Neumann aus
       Berlin. „Autoritäre Regime verfolgen, überwachen und bedrohen Menschen auch
       hier in Europa, um sie zum Schweigen zu bringen. Sie kooperieren
       miteinander und mit organisierter Kriminalität. Das Problem wächst“, sagt
       Neumann. Morde wie der Tiergartenmord seien nur die bekannte Spitze des
       Eisbergs.
       
       Autoritäre Staaten nutzen sogar Institutionen der EU-Staaten, die dem oft
       unbedarft gegenüberstehen, so Neumann. Beispielsweise machen sie es ihren
       Gegnern in Einzelfällen unmöglich, im Ausland ein Konto zu eröffnen, wenn
       sie bestimmte Daten in internationale Bankensysteme eingeben.
       
       ## Einschüchterung und Erpressung auch in Europa
       
       Syrien und Eritrea ist es laut Neumann auch gelungen, Anhänger ihrer Regime
       als Dolmetscher für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
       einzuschleusen. Dort schüchterten sie Asylsuchende bei Anhörungen ein und
       lieferten deren Daten an die Verfolgerstaaten. Ein weiteres Beispiel:
       Deutsche Behörden schickten Asylsuchende zu den Botschaften ihrer
       Verfolgerstaaten, um dort Identitätspapiere zu besorgen – ein Einfallstor
       für Einschüchterung und Erpressung durch diese Staaten.
       
       Der Bericht fordert von den Mitgliedsstaaten und der Kommission, das Thema
       anzugehen und ihre Behörden entsprechend zu schulen. So werde das Thema
       transnationale Repression in den Mitgliedsstaaten unterschiedlich oder auch
       gar nicht definiert, sodass dazu unterschiedliche oder gar keine Daten
       erfasst würden. Hier wird eine Vereinheitlichung gefordert.
       
       Nur mit einer Datengrundlage könne das Thema in Zukunft gezielt angegangen
       werden. Es gehe, so Neumann, „um die Frage, ob demokratische Staaten ihr
       Schutzversprechen auch dann einlösen, wenn autoritäre Regime versuchen,
       ihre Macht bis in unsere offenen Gesellschaften auszustrecken. Wer in
       Europa Schutz vor Repression sucht, muss ihn auch finden.“
       
       ## Nicht alle Auslieferungsanträge werden geprüft
       
       Auslieferungsanträge über Interpol und Europol wie für Cam Dündar prüfen
       nicht alle EU-Staaten. Manche liefern ohne Prüfung einfach aus. Das soll
       sich dem Bericht zufolge ändern.
       
       Der Auswärtige Ausschuss des Europaparlamentes hat den von den Grünen
       entworfenen Bericht bereits bestätigt. Allerdings mit wichtigen
       Abmilderungen. Dazu Neumann: „Nachdem der Entwurf öffentlich zugängig war,
       sind einige Botschaften auf EuropaparlamentarierInnen zugegangen und haben
       Druck ausgeübt, damit ihre Staaten nicht explizit erwähnt werden.“ Neumann
       nennt explizit Ägypten und die Türkei. „Danach habe man sich darauf
       geeinigt nur noch Russland, Iran, China und Belarus zu erwähnen.“
       
       16 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.youtube.com/watch?v=CAnVEO1VdVU&list=PLEG8RZE9Ihf8Fa2YPMHUyudFrIei956XR&index=3
   DIR [2] /Angst-Isolation-beobachtet-werden/!6177960
   DIR [3] /Transnationale-Repression/!6171321
       
       ## AUTOREN
       
   DIR Marina Mai
       
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