# taz.de -- KI-Vorfälle bei „Welt“ und „FAZ“: Nehmt den Boomern das Internet weg
> „Kann Anteile von Referenten oder Pressesprechern enthalten“ müsste als
> Disclaimer unter vielen Texten stehen. Was, wenn da auch KI aufgeführt
> ist?
IMG Bild: Springer-Chef Mathias Döpfner lässt KI für sich schreiben
In Sachen Digitalisierung ist Deutschland mit der roten Laterne unterwegs.
Dass immerhin der deutsche Digitalminister schon über die Fähigkeit
verfügt, für seine Reden und Gastbeiträge KI zu nutzen, lässt sich daher
auch positiv werten. [1][Karsten Wildberger (CDU) hat also Beiträge] für
die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und das Handelsblatt mit
freundlicher Unterstützung von Large-Language-Modellen verfasst.
Sein Haus findet nichts dabei. Es betrachtet KI „als unterstützendes
Arbeitsmittel“, über „dessen Nutzung man nicht anders Rechenschaft ablegt
als über Textverarbeitung, Recherche-Tools oder redaktionelle
Unterstützung“, hat das Ministerium der taz geschrieben.
Stimmt ja auch. Denn dass sich Minister*innen, Politiker*innen und
sonstiges gehobenes Personal für Reden und Beiträge höchst umfänglich
zuarbeiten lassen, ist nicht eben neu. „Könnte Textanteile von
Referent*innen, Pressesprecher*innen oder Ghostwriter*innen
enthalten“ müsste als Disclaimer bei so ziemlich all diesen Texten stehen.
Heute gehört eben auch die KI dazu. Verboten ist das nicht.
## Niemand sollte sich der KI komplett an den Hals werfen
Es rächt sich auch von ganz alleine. Denn wenn sich bei der als unfehlbar
geltenden KI Fehler einschleichen und keine guten Geister mehr nachprüfen,
steht am Ende Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) doppelt in den
Erbsen. Die auf die reine Lehre pochende FAZ hat Voigts Gastbeitrag dafür
gesperrt, wie auch der Tagesspiegel seinen ex-Chefredakteur Stephan Andreas
Casdorff.
Der darf bis auf Weiteres nicht mehr als Editor at Large seine ganze
Largesse einbringen, weil seine letzten Kommentare KI-generiert waren. In
Berliner Hauptstadtkreisen wird jetzt gelästert, dass Casdorff seine
ansonsten vor Plattitüden strotzenden Beiträge ein bisschen aufpeppen
wollte.
Sich komplett der KI an den Hals zu werfen, verbietet sich für
Journalist*innen wie Politiker*innen. Weil sie dann schlicht
überflüssig wären, obwohl sie gerade mit ihren Ecken und Kanten gebraucht
werden. Die KI lässt sich je nach Prompt zwar in die eine oder andere
Richtung wenden, ist im Ergebnis aber so gefällig wie rundgelutscht.
## Keine Maschinenstürmerei, sondern Journalismus
Von daher [2][hat sich Springer-Chef Mathias Döpfner schon abgeschafft.]
Denn seine Welt-Sottise, in der er die FAZ wegen Voigt lächerlich macht,
hat er komplett von Google Gemini schreiben lassen. Und ist auch noch
mächtig stolz drauf. Weil die KI der FAZ vorwirft, sie wolle wie weiland
die Postkutschenlobby das Automobil verbieten.
Was all diese älteren Herren eint? Das hat eine kluge junge Frau in den
schönen Satz gepackt, man solle den Boomern endlich das Internet wegnehmen.
Denn dass die FAZ einen Beitrag sperrt, weil er Fehler enthält, ist keine
Maschinenstürmerei, sondern Journalismus.
Die totale Fortschrittsgläubigkeit chez Springer wird sich dafür als
Bumerang erweisen. Spätestens beim nächsten Gastkommentar von Elon Musk.
„Schwören die nicht auf den Pressekodex? Die Welt braucht dringend einen
Verhaltenskodex, der mehr als die publizistischen Grundsätze regelt“, sagt
die Mitbewohnerin.
15 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Steffen Grimberg
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