# taz.de -- Ungarischer Journalist über Maja T.: „Ich sehe große Chancen auf ein besseres Ergebnis“
> Ein Film erzählt den Fall Maja T. Was sich für den Prozess mit dem neuen
> Ministerpräsidenten Péter Magyar ändern könnte, weiß Journalist Bénjamin
> Lázár.
IMG Bild: Maja T., Antifaaktivist:in vor Gericht in Budapest
taz: Herr Lázár, wie geht es Maja T. momentan?
Bénjamin Lázár: Ich habe Maja vor etwa zwei oder drei Wochen zusammen mit
der Filmemacherin Marta Massa im Budapester Stadtgefängnis besucht, [1][wo
Maja seit fast zwei Jahren in Haft sitzt]. Maja geht es gut, sie sah gesund
aus und lernt Ungarisch. Natürlich möchte Maja nach Hause.
taz: Die Ära von Ministerpräsident Viktor Orbán ist vorbei und [2][Péter
Magyar] ist nun seit eineinhalb Monaten im Amt. Wie ist die Stimmung in den
ungarischen Medien, der Zivilgesellschaft und bei der Antifa?
Lázár: Das größte Thema ist momentan der Abbau des Orbán-Systems, denn nach
16 Jahren ist es natürlich überall tief verwurzelt. Aber noch immer folgen
die Medien eher der Linie der Regierung, anstatt eigene Themen zu setzen.
taz: Die Antifa wurde vergangenes Jahr von Orbán als terroristische
Vereinigung eingestuft und ist seitdem massiven Repressionen ausgesetzt.
Welchen Schaden hat das angerichtet?
Lázár: Dieses Gesetz hat in der antifaschistischen Szene einfach enorme
Unsicherheit ausgelöst. Dass Menschen als Antifa gelten und Repressionen
fürchten müssen, weil sie sagen: „Nazis sind schlecht.“ Ich denke, die
krasseste Folge war das [3][Verbot einer Gedenkveranstaltung], bei der die
Holocaust-Überlebende Katalin Sommer gesprochen hätte. Am selben Tag
durften ungarische Neonazis in SS-Uniformen marschieren.
taz: Wie steht Magyar zur Antifa und rechnen Sie damit, dass er das Gesetz
aufheben wird?
Lázár: Die Medien – mich eingeschlossen – haben darüber noch nicht
berichtet. Aber ich bin zuversichtlich, dass er diese Einschränkungen in
Zukunft aufheben wird. Im Moment steht das leider nicht auf seiner Agenda.
taz: Hat sich Magyar überhaupt zum Fall von Maja T. geäußert?
Lázár: Nein, soweit ich weiß nicht. Er hat kontroverse Themen wie Antifa
und Pride gemieden.
taz: Ein Teil seines Wahlkampfs bestand darin, für unabhängige Gerichte zu
kämpfen. Wird sich das auf Maja T.s Prozess auswirken?
Lázár: Ja! Richter:innen werden weniger unter finanziellem Druck und dem
Druck der Regierungspropaganda stehen. Ich glaube, das wird eine befreiende
Erfahrung sein. Richter:innen, die früher Angst hatten, werden nun offen
dafür sein, Entscheidungen zu treffen, die sie für gerecht halten. Gerade
im Hinblick auf die Berufung und das neue Verfahren sehe ich eine große
Chance auf ein besseres Ergebnis.
taz: Die italienische Regisseurin Marta Massa hat ihren Film noch während
Orbáns Amtszeit gedreht. Sie konzentriert sich auf die
geschlechtsspezifische Diskriminierung. Gab es deshalb Schwierigkeiten bei
den Dreharbeiten?
Lázár: Bei den Dreharbeiten gab es keine Schwierigkeiten, da das
Justizsystem auf den unteren Ebenen wirklich unabhängig ist. Die
Pressestelle des Gerichts war sehr hilfsbereit und stellte Übersetzer zur
Verfügung. Andererseits kann es passieren, dass man als offen linker
Journalist [4][gedoxed] wird. So findet man sich manchmal in
Telegram-Kanälen von Neonazis wieder.
taz: Wie sah die ungarische Berichterstattung zu dem Fall Maja T. aus?
Lázár: Die Regierungsmedien sagten, Maja T. sei Terroristin, spiele die
Gender-Karte aus, und die Opfer seien zufällige Passanten gewesen, keine
Neonazis. Wir bei „Mérce“ haben einfach versucht, objektiv über den Fall zu
berichten.
taz: Im Jahr 2018 wurden viele [5][Journalist:innen durch
regierungstreue] ersetzt. Magyar verfügt über die erforderliche
Zweidrittelmehrheit, um das rückgängig zu machen. Wie wahrscheinlich wird
sich die Medienlandschaft zum Besseren wandeln?
Lázár: Natürlich sind alle hoffnungsvoll, denn wir können bereits
beobachten, dass diese großen Propagandamedien Mitarbeiter:innen
entlassen, weil es keine staatlichen Mittel mehr gibt. Sie werden
untergehen, weil sie keine echte Leserschaft haben. Weniger Mittel für
künstlich aufgeblähte politische Propagandamedien bedeuten mehr Raum für
echten Journalismus.
24 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Nele Rebentisch
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