# taz.de -- Regionaler Wohlfahrtsindex: Wie wohlhabend ist Berlin?
> Erstmals wurde der Regionale Wohlfahrtsindex (RWI) für das Land Berlin
> berechnet. Ungleichheiten bestehen vor allem beim Einkommen.
IMG Bild: Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander
Die Lebensqualität der Berliner*innen steigt nicht im gleichen Maße wie
das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Zu diesem Schluss kommt die Studie zur
Berechnung des Regionalen Wohlstandsindex (RWI) Berlin des [1][Institutes
für Interdisziplinäre Forschung Heidelberg (Fest),] die die Grünenfraktion
am Dienstagvormittag im Abgeordnetenhaus vorstellten.
Das BIP misst die reine wirtschaftliche Leistung eines Landes, während der
Wohlfahrtsindex auch die Lebensqualität erfassen will und neben
Konsumverhalten auch Komponenten wie Hausarbeit und Ehrenamt hinzuzieht.
Auf nationaler Ebene gibt es den Wohlfahrtsindex schon seit 2009. Erstmals
wurde der Index nun auch für das Land Berlin gesondert berechnet. Der
[2][Bericht] dazu ist öffentlich einsehbar.
„Das Bruttoinlandsprodukt wird nur auf dem Merkmal Wachstum beschrieben –
das ist ein Fehler“, kritisierte Werner Graf, Fraktionsvorsitzender der
Grünen Berlin. Deswegen ergänzt der RWI das BIP um soziale und ökologische
Komponenten. Wohlfahrtsstiftende Komponenten, die im BIP nicht erfasst
werden, sind Haus- und Familienarbeit, ehrenamtliche Arbeit,
Digitalisierung und Ökosystemleistungen, also monetäre Vorteile, die aus
einem intakten Ökosystem entstehen.
Als wohlfahrtsmindernd werden zum Beispiel die Kosten berechnet, die durch
Ungleichheit, Verkehrsunfälle, Kriminalität, Luftverschmutzung oder
Naturkatastrophen entstehen. Am Ende steht eine Punkteskalierung, ähnlich
wie beim BIP. Im Erhebungszeitraum der Studie von 1999 bis 2024 ist der RWI
von 105 auf 120 Punkte gestiegen. Was erstmal positiv wirkt, relativiert
sich im Vergleich zum BIP, das von 99 auf 152 Punkte gestiegen ist, und
damit dreimal so stark wie der RWI.
## Große Einkommensungleichheit in Berlin
Ein Grund ist die Einkommensungleichheit, die in Berlin noch stärker
gestiegen ist als im bundesweiten Vergleich. So liegt der Gini-Koeffizient,
eine Maßgröße für Einkommensungleichheit, für Berlin bei 0,32, während er
deutschlandweit nur bei 0,3 liegt. Das größte Potenzial für die Erhöhung
des Wohlstands sieht Benjamin Held, Leiter des Arbeitsbereichs „Nachhaltige
Entwicklung“ beim Fest, in der Verringerung der Einkommensungleichheit.
In einer hypothetischen Rechnung der Forscher*innen würde der RWI um 17
Punkte ansteigen, wenn die Einkommensungleichheit auf dem gleichen Niveau
wie 1999 wäre. Damals betrug der Gini-Koeffizient nur 0,26. Um weitere 9
Punkte könnte man den RWI außerdem steigern, wenn die Energie- und
Klimaziele, die sich Berlin bis 2030 gesetzt hat, auch tatsächlich erreicht
würden. Held sieht den Nutzen des RWI vor allem darin, dass er Debatten
anstoßen kann.
„Die Zahl ist nicht allumfassend, aber der RWI spiegelt wider, was das
Bestreben von Politik sein muss“, sagte Graf. Aus den vorliegenden Zahlen
zieht er drei Schlüsse für Berlin: Wirtschaft stärken,
Einkommensunterschiede verringern, Klimaneutralität erreichen. Für diese
Ziele will er zum Beispiel Erbschafts- und Vermögenssteuer reformieren,
Gebäude für eine größere Klimaanpassung sanieren und die öffentlichen
Verkehrsmittel ausbauen.
16 Jun 2026
## LINKS
DIR [1] https://fest-heidelberg.de/
DIR [2] https://gruene-fraktion.berlin/wp-content/uploads/2026/06/RWI_Berlin_2026_Bericht.pdf
## AUTOREN
DIR Anna Simbürger
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