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       # taz.de -- Das Nationalgericht der Fleischlobby: Über dem Mampf zum Spiel finden
       
       > Ein Lobbyverband engagiert den Koch der 2014er-Fußballweltmeister, um ein
       > „Nationalgericht“ zu kreieren? Da ist unser Kolumnist natürlich mit
       > dabei!
       
   IMG Bild: „Ich glaube, das cruncht sehr gut. Ist sehr lecker. Und auch gut in der Hand zu halten.“
       
       Rotes Fleisch sieht sich hierzulande, um eine der dieser Tage besonders
       inflationär genutzten Fußballmetaphern zu verwenden, einem hohen Pressing
       ausgesetzt. Gute Gegenargumente – [1][Tierwohl], [2][CO2-Bilanz],
       [3][Krebsrisiko] – sorgen für ein Image knapp überm Niveau der Fifa, und
       auch die Ergebnisse stimmen nicht. Seit Jahrzehnten ist der deutsche
       Fleischkonsum rückläufig, wenngleich es 2025 [4][wieder leicht nach oben
       ging].
       
       Daher will der Lobbyverband Initiative Fleisch das rote Fleisch (also Rind,
       Schwein, Lamm) zu alten Erfolgen führen. Quasi über den Mampf zurück ins
       Spiel finden.
       
       Für eine Stärkung des Defensivverbands sorgt schon seit rund einem Jahr die
       Kampagne „Iss, was dir schmeckt!“, eine kulinarische Version der beliebten
       liberal-konservativen [5][Erzählung der Technologieoffenheit], die mit
       Slogans wie „Du. Dein Essen. Dein Ding“ für Toleranz beim
       Lebensmittelkonsum wirbt. Werbungshandwerklich ist das durchaus clever
       gemacht. Doch wie kommt man wieder in die Offensive, wer sorgt für kreative
       spielerische Momente?
       
       Die Antwort liest sich wie die Parodie eines völlig überdrehten
       Agenturmeetings. Man nehme also den Teamkoch der deutschen
       Fußballweltmeister von 2014 ([6][Holger Stromberg]), suche sich aus
       Social-Media-Kanälen die Lieblingsessen von elf aktuellen Nationalspielern
       raus ([7][Stichwort „normale Kartoffeln auf die eins“]) und baue aus den
       elf Gerichten wie Schnitzel, Kartoffeln und Pizza ein neues, das – drunter
       machen wir es nicht – als „erstes deutsches Nationalgericht“ gelabelt wird.
       Weil es das angeblich in Deutschland, anders als etwa in Italien, noch
       nicht gibt.
       
       Das ist einerseits einfach Unsinn, weil kein Land der Welt ein wirklich
       offiziell-festgeschriebenes Nationalgericht besitzt, und umgekehrt
       Deutschland durchaus bereits einige inoffizielle Nationalgerichte hat, zum
       Beispiel das Sauerkraut oder die Bratwurst. Es kann andererseits
       grundsätzlich aber auch klappen, auf diese Weise ein Nationalgericht
       einzuführen – auch das Käsefondue wurde erst [8][durch eine Kampagne der
       Schweizer Käseunion] in den 1950er-Jahren von einem Regionalgericht zu
       einer international bekannten Institution.
       
       Und so hat die Initiative Fleisch kurz vorm WM-Start einen grünen Foodtruck
       in den Innenhof der Berliner Kulturbrauerei, dem Prototyp einer
       „Event-Location“, gestellt. An einer Taktiktafel verschiebt Holger
       Stromberg kleine Trikots, auf denen Namen wie D. ÖNER und L. ASAGNE stehen,
       und erklärt einer Handvoll Journalisten, wie er zu seiner Kreation gekommen
       ist. Er spricht von „Gaumendisco“, vom „Stromberg-Code“ und vom ersten,
       zweiten und dritten Crunch, den er im Gericht verbaut hat. „Ich glaube, das
       cruncht sehr gut. Ist sehr lecker. Und auch gut in der Hand zu halten.“
       
       Das mit der Hand stimmt: Das Ergebnis ist ein Laugenbrotfladen, in dem sich
       Krautsalat, eine in Kartoffelflocken panierte Veggie-Maultasche (diese
       Toleranz!), eine Carbonara-Cordon-bleu-inspirierte Käsecreme, Kochbanane
       und wahlweise Rinderbolognese oder ein Stück Schweinerücken finden. Da ist
       also sehr viel [9][umami] mit drin, tatsächlich auch Crunch, aber
       gleichzeitig schmeckt alles recht salzig und ein wenig trocken, die
       Maultaschen sind fettig wie Fischstäbchen, während die wirklich
       interessante Kochbanane ziemlich untergeht. Und so wirkt das vermeintliche
       Nationalgericht am Ende so überladen und unausgegoren wie [10][ein
       Matchplan von Julian Nagelsmann].
       
       3 Jul 2026
       
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   DIR [1] /Quaelerische-Tierhaltung/!6118526
   DIR [2] /Preisanstieg-staerker-als-Inflation/!6116135
   DIR [3] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/ist-fleisch-krebserregend-12300
   DIR [4] https://www.bzfe.de/presse/pressemeldungen-archiv/aktuelle-zahlen-zum-fleischverzehr-in-deutschland
   DIR [5] /Der-Bullshit-Wort-Check-Folge-6/!vn6002826/
   DIR [6] /Fussballer-Ernaehrung-alarmiert-DFB-Koch/!5159370
   DIR [7] https://www.youtube.com/watch?v=gSaHAGCHbj8
   DIR [8] https://blog.nationalmuseum.ch/2019/11/geschichte-des-fondue-in-der-schweiz/
   DIR [9] /Alles-umami-oder-was/!1394005/
   DIR [10] /Niederlage-der-DFB-Elf-Daemlicher-deutscher-Hochmut/!6192046
       
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