# taz.de -- Brände in Libyen: Die libysche Kleinstadt al-Asabaa rätselt um eine Brandserie
> Bei der Aufklärung geben sich Regierung und Milizen die Klinke in die
> Hand. Das Ministerium für religiöse Angelegenheiten vermutet „Dschinns“
> hinter den Bränden
IMG Bild: Brennendes Haus – Symbolfoto – In dem Ort Al-Asabaa in Libyen brennen Häuser und niemand findet die Ursache dafür
Bis vor Kurzem schien die Welt in der Kleinstadt al-Asabaa noch in Ordnung.
Vereinzelte Wochenendausflügler aus der 120 Kilometer entfernten libyschen
Hauptstadt Tripolis kamen her, um den spektakulären Blick von den
Nafusa-Bergen zu genießen. Der regelmäßige Regen hat den
30.000-Einwohner-Ort mit ertragreichen Böden gesegnet. Die gute Luft auf
850 Metern Höhe ist auch im Sommer erholsam.
Doch dann begann ein Phänomen, das sogar im kriegsgeplagten Libyen für
Angst und Schrecken sorgt. Seit Anfang vergangenen Jahres wird die
Kleinstadt von einer Brandserie heimgesucht, die fast 500 Häuser
beschädigte – einige wurden völlig zerstört. Im Februar 2025 brannten
innerhalb einer Woche 30 Häuser. Die Bewohner berichteten von unerklärlich
auftretenden Flammen. Mal sollen sich Sofas, mal Betten, mal Fensterbänke
plötzlich entzündet haben.
Wie fast alle Gemeinden Libyens hat al-Asabaa seit dem Bürgerkrieg vor
sechs Jahren keine funktionierende Feuerwehr mehr. Die Regierung in
Tripolis, deren Mandat seit Jahren abgelaufen ist, hat schon lange kein
Geld mehr überwiesen. Seit dem vergangenen Sommer brannte es fast jedes
Wochenende irgendwo. Das Innenministerium in Tripolis schickte eine
Untersuchungskommission. Die Experten konnten nichts Verdächtiges finden;
einen Bericht haben sie nie veröffentlicht. Staatliche Ölfirmen entsendeten
schließlich Löschfahrzeuge in die Nafusa-Berge. Doch die Brandserie setzte
sich fort.
Mohamed Seroussi hat wie viele junge Leute genug. Der 25-Jährige arbeitet
als Flugbegleiter in Tripolis. In dem Haus seiner Eltern in al-Asabaa
herrsche Angst. „Der Aberglaube ist in religiösen Kreisen weit verbreitet“,
sagt er. Ein Onkel, der sich mit seiner Familie gerade noch aus dem
brennenden Haus retten konnte, habe bei den Eltern Zuflucht gefunden.
## „Dschinns“ oder Brandstiftung?
Andere fürchten, es sei ein schlechtes Omen sei, die Brandopfer
aufzunehmen. „Gastfreundschaft ist die Essenz des Zusammenlebens in Libyen.
Dass dies nun durch diese Angst infrage gestellt wird, ist schockierend“,
so Seroussi.
Im Sommer vergangenen Jahres schickte das Ministerium für religiöse
Angelegenheiten islamistische Milizen. Sie sollten „Dschinns“, böse
Geister, vertreiben. Diese waren in den ländlichen Gebieten der
Nafusa-Berge als Ursache für die Feuer identifiziert worden. Spätestens
jetzt wurde die Sache politisch.
In den Anhöhen südlich von Tripolis leben mehrheitlich libysche Berber.
Unter Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi durften sie ihre Sprache Amazigh
nicht benutzen; auch die nach dem Arabischen Frühling 2011 omnipräsenten
Islamisten lehnen die Kultur ethnischer Minderheiten ab. Wollte jemand die
Bergbewohner in Angst und Schrecken versetzen und zugleich Freund und
Helfer spielen? Oder ist ein Brandstifter unterwegs? Nach dem Chaos und den
Kriegen der vergangenen Jahre hätten viele den Verstand verloren, hört man
in al-Asabaa. Doch obwohl in den meisten Vierteln nun Freiwillige Wache
schieben, steigt die Zahl der abgebrannten Häuser. Verletzte oder Tote gab
es bislang nicht.
In Ostlibyen, wo [1][Feldmarschall Haftar] das Sagen hat und [2][viele das
Milizenkartell Westlibyens kritisch sehen], hat man eine andere Erklärung
für die Brände: Wegen der Kompensationszahlungen der Regierung aus Tripolis
würden die Bewohner ihre Häuser selbst anzünden.
Mazigh, ein Menschenrechtsaktivist aus den Nafusa-Bergen, stimmt zu. Doch
niemand traue sich, die Narrative der Islamisten anzuzweifeln. „Milizen
versuchen, mit dem Unglück der Bewohner ihre Existenz zu sichern“, so der
Libyer, der seinen Nachnamen nicht nennen wollte. In al-Asabaa hört man
hingegen, nachdem die Regierung Geld geschickt habe, seien die Feuer
abgeebbt.
Das große Drama ist für viele, dass das Machtvakuum in Libyen und die
Streitigkeiten innerhalb der westlibyschen Regierung dazu führen, dass
niemand die Brandserie ausreichend untersucht. „Sie wird wohl niemals
aufgeklärt“, sagt Mazigh.
4 Jul 2026
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## AUTOREN
DIR Mirco Keilberth
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