# taz.de -- Döpfner und die Politik: Die Mauerspechte sitzen in der CDU
> Hat Springer-Chef Döpfner versucht, den Kanzler über die Brandmauer nach
> rechts zu schubsen? Überraschend wäre das nicht. Aber wem nützt das
> Gerücht?
IMG Bild: Döpfner redet, Merz hält Abstand auf einer „Welt“-Veranstaltung 2025
Mit dem Einreißen von Mauern kennen sie sich bei Axel Springer aus. Der
Medienkonzern, der die „DDR“ immer in Anführungszeiten schrieb, hat mit all
seinen Zeitungen gegen die Mauer in Berlin angeschrieben und sie nach
eigenem Verständnis sozusagen höchstpersönlich abgetragen.
Pünktlich zur Präsentation des [1][Reformpakets der Bundesregierung], das
für Friedrich Merz (CDU) ein Befreiungsschlag aus der Talsohle seiner
Kanzlerschaft werden soll, steht jetzt eine andere Mauer mitten im
mildhysterischen Tagesgeschäft der Berliner Republik.
Springers Vorstandchef Mathias Döpfner soll, so stellte es der neue
[2][Podcast „Wenn Sie wüssten …“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND)]
diese Woche dar, zu Jahresanfang bei „Klartext-Kanzler“ Friedrich Merz
höchstpersönlich einmarschiert sein und in einem oder mehreren Gesprächen
ebenfalls Klartext gesprochen haben: [3][Die Brandmauer gegen die AfD muss
weg!]
Allerdings sollte auch das „Gespräch“ hier besser in Anführungszeichen
geschrieben werden, denn beide Seiten dementieren energisch. Im Podcast
berichten RND-Chefredakteurin Eva Quadbeck und der Dokumentarfilmer Stephan
Lamby aber jedenfalls von einer Begegnung, bei der Merz mit Sätzen wie „Nur
über meine Leiche“ reagiert haben soll. Das Gespräch habe im Streit
geendet, Döpfner habe am Ende gedroht, das werde Merz bereuen. Springer
nennt das Ganze eine „glatte Lüge“, und auch die Bundesregierung spricht
von „absurden Gerüchten“.
## Zeitlich falsch zugeordnet
Da staunt der Laie und die Fachfrau wundert sich. Quadbeck und vor allem
Lamby sind eigentlich über heißdüsigen Geraune-Journalismus erhaben. Jetzt
taucht auch noch eine SMS vom November 2025 auf, in der schon ungefähr
dasselbe über eine Begegnung Döpfner-Merz steht; das RND rudert zurück und
räumt ein, „ein Gespräch zwischen Döpfner und Merz zeitlich falsch
zugeordnet zu haben“.
Mal abgesehen davon, dass die AfD wegen dieser Nummer wahrscheinlich vor
Freude hyperventiliert: Was soll der Quark? Dass Springers Bild und Welt
die Abgrenzung gegenüber der AfD immer wieder infrage stellen, ist seit
Monaten zu lesen. Beim Schreiben dieser Zeilen erscheint auf welt.de gerade
ein Kommentar von Chefreporterin Anna Schneider: „Trotz mangelnden Erfolgs
der AfD-Brandmauer rufen ihre Fürsprecher nun zu einer weiteren,
verstärkten Brandmauer nach links auf. Als wäre die deutsche Politik nicht
schon einbetoniert genug“, heißt es darin.
Es braucht also gar keinen Hauch von Hugenberg mit Intervention des
Konzernchefs beim Kanzler, auch wenn das Döpfners Ego sicherlich
schmeichelt. Und welches Blatt hatte noch mal dem Politphilosophen Elon
Musk [4][seine Spalten für einen Gastkommentar geöffnet,] in dem der
Tech-Bro für die AfD trommeln durfte?
Erstaunlich ist da vielmehr, dass ein schon geschriebener Gastbeitrag des
AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland Anfang des Jahres dann [5][doch
nicht das Licht der <i>Welt </i>erblickte.] In dem stehen so schöne Sätze
wie „Nein, es gibt den Prozess der Radikalisierung in den Rechtsextremismus
nicht, von dem kürzlich auch in der Welt am Sonntag zu lesen war“ – und
deshalb sei die Brandmauer Quatsch: „Ich kann nur empfehlen, Mr. Merz, tear
down this firewall. Herr Bundeskanzler, reißen Sie diese Brandmauer
nieder“, so Gauland.
## „Unscriptet“-Podcaster Benjamin Berndt
Doch auch das braucht es nicht. Die effektivsten Mauerspechte sitzen gerade
in der CDU Sachsen-Anhalt und hämmern munter drauflos. In Thüringen steigt
derweil die AfD in Umfragen auf 40 Prozent.
Was wiederum zu gut gemeinten medialen Überreaktionen führt, die sich als
Bumerang erweisen und am Ende nur der AfD nutzen dürften. Die
[6][Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen] (LfM) hat jetzt den
„Unscriptet“-Podcaster Benjamin Berndt aufgefordert, sein ewig langes,
unkritisches „Interview“ mit Thüringens AfD-Chef Björn Höcke abzuändern.
Berndt soll hier eine Falschaussage von Höcke über die SA richtigstellen.
Nun beschwert sich Berndt lautstark über „Zensur“ und lässt sich von
Elon-Musk-Anwalt Joachim Steinhöfel vertreten. Der schreibt, „eine Behörde,
die einem Presseanbieter mitteilt, welche Aussagen eines politischen
Gesprächspartners er zu kommentieren, richtigzustellen oder mit Hinweisen
zu versehen hat, nimmt die Funktion einer Zensurbehörde wahr“.
Das ist zwar auch Quark, da die LfM als Netzaufsicht über die Einhaltung
journalistischer Sorgfaltspflichten zu wachen hat. Der Satz wird aber
natürlich genüsslich von Springers Welt zitiert. Und die AfD lacht und
lacht.
3 Jul 2026
## LINKS
DIR [1] /Schwarz-Rotes-Reformpaket/!6188664
DIR [2] https://www.rnd.de/podcast/
DIR [3] /Bericht-ueber-Merz-Doepfner-Treffen/!6193011
DIR [4] /Interner-Zwist-bei-Springer/!6059229
DIR [5] https://medieninsider.com/ein-jahr-nach-musk-welt-redaktion-verhindert-gauland-gastbeitrag/26928/
DIR [6] https://www.medienanstalt-nrw.de/
## AUTOREN
DIR Steffen Grimberg
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