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       # taz.de -- Thüringen: Wenn Rechtsextremismus sich im Alltag etabliert
       
       > Rassistische Gewalt in der Schule, zivile Akteure unter Druck:
       > Rechtsextreme Positionen prägen in Thüringen zunehmend das tägliche
       > Leben, warnen Experten.
       
   IMG Bild: Thüringer Zustände: „Widersetzen Erfurt“ und Remigration-Demo in Erfurt am 12 Juni 2026
       
       Rechtsextremismus im Klassenzimmer? Da sei es früher um einzelne
       Schüler:innen gegangen, heute müssten Lehrer:innen mit ganzen Gruppen
       von extrem Rechten klarkommen. „Der Rechtsruck innerhalb der Gesellschaft
       macht keinen Halt an der Tür des Schulgebäudes“, heißt es in der
       [1][aktuellen Ausgabe „Thüringer Zustände“].
       
       Am Dienstag wurde der [2][jährlich erscheinende Bericht] in Jena
       vorgestellt. Herausgegeben wird er von den Thüringer Beratungsstellen Ezra
       und Mobit sowie von Komrex, dem Zentrum für Rechtsextremismusforschung an
       der Universität Jena, und dem Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft
       (IDZ).
       
       Die Entwicklung in Schulen ist nur ein Aspekt, den die Autor:innen in
       dem Bericht betrachten. Die zwölf inhaltlichen Beiträge dokumentieren eine
       gemeinsame Tendenz: Während [3][zivilgesellschaftliche Akteure zunehmend um
       ihre demokratischen Positionen kämpfen müssten], habe sich die extreme
       Rechte im Thüringer Alltag etabliert.
       
       Laut einem Beitrag über die Situation von internationalen Studierenden etwa
       berichteten diese in Interviews von zunehmend rassistischen Erfahrungen.
       Das „führt zu wachsender Verunsicherung und beeinflusst Lebens- und
       Bleibeentscheidungen“, sagt etwa Laura Dellagiacoma, wissenschaftliche
       Mitarbeiterin des Komrex an der Uni Jena und Mitautorin des Beitrags.
       
       ## Statistik über rechte Gewalt in Thüringen
       
       Vergangenes Jahr habe es 181 rechte Angriffe in Thüringen gegeben,
       berichtet zudem Theresa Lauß, Projektleiterin von Ezra, der Beratungsstelle
       für Betroffene rechter Gewalt. „Besonders besorgniserregend ist die
       Brutalität vieler Angriffe“, sagt Lauß. Als Beispiel dafür steht im Bericht
       ein lebensgefährlicher Angriff in der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt.
       Dort sei ein schwules Paar, das sich an den Händen hielt, von hinten
       geschlagen worden. Einer der Männer fiel laut Bericht mit dem Kopf auf
       einen Betoneimer und wurde dort weiter vom Täter getreten.
       
       Bei 103 der 181 Angriffe sei das Tatmotiv Rassismus gewesen, berichtet
       Ezra. Es sei damit weiterhin das häufigste. In 33 Fällen hätten sich
       Angriffe gegen politische Gegner:innen gerichtet.
       
       Die demokratische Zivilgesellschaft in Thüringen sei außerdem Angriffen
       durch die AfD ausgesetzt, heißt es in einem Beitrag des Instituts für
       Demokratie und Zivilgesellschaft. Das strategische Vorgehen der Partei und
       die kampagnenartige Zusammenarbeit [4][mit dem „politischen Vorfeld“]
       belege eine zunehmende Professionalisierung.
       
       Problematisch sei, dass demokratische Akteur:innen wie die CDU
       mittlerweile delegitimierende Narrative der extremen Rechten übernehmen
       würden. Das zeige sich etwa am Fall des Förderprogramms „Demokratie
       leben!“.
       
       ## Antifaschistische Gegenstrategien
       
       An anderer Stelle in den „Thüringer Zuständen“ analysiert die Recherche und
       Informationsstelle Antisemitismus (Rias) die „Montagsspaziergänge“ in
       Thüringen. Dort mischten sich rechtsextreme und
       christlich-fundamentalistische Inhalte, gerahmt von einem antisemitischen
       Weltbild. Deren Inhalte fänden Anschluss bis in die AfD hinein. „Die
       Gegenüberstellung eines homogenen ‚Volkes‘ und zerstörerischer, global
       agierender Kräfte“ seien etwa auch bei AfD-Landeschef Björn Höcke zu
       finden.
       
       Die „Thüringer Zustände“ handeln aber nicht nur davon, wie die extreme
       Rechte an Einfluss gewinnt. Hanna Merkle und Christian Nöth von der Mobilen
       Beratung in Thüringen erzählen auch von zivilgesellschaftlichen
       Gegenimpulsen. Kontakte knüpfen und emotionale Resilienz ausbilden, zum
       Beispiel. Füreinander zu sorgen sei „eine antifaschistische Gegenstrategie,
       um Ohnmacht entgegenzuwirken“.
       
       Das gilt auch in Schulen. Lehrer:innen sind laut Bericht nicht nur mit
       Anfeindungen von rechten Schüler:innen konfrontiert. Eltern und
       Kolleg:innen trügen ebenso zu einem rechten Klima bei. Um damit umgehen
       zu können, bräuchten demokratische Lehrer:innen politische Rückendeckung
       vom Bildungsministerium.
       
       16 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
   DIR [1] https://www.idz-jena.de/im-dialog/thueringer-zustaende
   DIR [2] /Studie-zu-rechter-Gewalt-in-Thueringen/!5866464
   DIR [3] /Rechtsextremismus-in-Thueringen/!6164097
   DIR [4] /Rechtsextreme-Konzerte/!6160768
       
       ## AUTOREN
       
   DIR David Muschenich
       
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