# taz.de -- Unicredit vs. Commerzbank: Von der Übernahme zur Schlammschlacht
> Die Unicredit und die Commerzbank-Spitze kämpfen weiter um die Kontrolle
> des drittgrößten deutschen Finanzinstituts. Der Konflikt eskaliert
> weiter.
IMG Bild: Zu gern würden die deutschen Beteiligten die Unicredit stoppen: Ampel vor Commerzbankfiliale
Die Mailänder Bank Unicredit – nach dem Börsenwert von 116 Milliarden Euro
das größte, nach dem Geschäftsvolumen das zweitgrößte Institut Italiens –
treibt ihren Plan voran, [1][die Commerzbank komplett unter ihre Kontrolle
zu bringen]. Währenddessen will das Frankfurter Geldhaus weiter verzweifelt
seine Eigenständigkeit verteidigen. Dabei wird der Ton rauer; beide Seiten
bringen mittlerweile auch die Justiz ins Spiel.
Unicredit hatte im September 2024 begonnen, systematisch Commerzbank-Aktien
aufzukaufen; bis zum Mai 2026 konnte sie ihren Anteil auf 29,9 Prozent
steigern. Am 6. Mai legte sie dann den Commerzbank-Aktionären das Angebot
vor, ihre Anteilsscheine in Unicredit-Aktien zu tauschen, um so die völlige
Kontrolle des Frankfurter Instituts zu erlangen. Das soll neben der
Hypo-Vereinsbank zur zweiten deutschen Tochter der Italiener werden.
Dieses Tauschangebot ist an diesem Dienstag ausgelaufen. Es hat den
Mailändern einen weiteren Sprung nach vorn eingebracht: Nunmehr
kontrollieren sie 42 Prozent der Commerzbank-Anteile. Weiterhin aber
leistet die deutsche Front aus der Commerzbank-Spitze unter Chefin Bettina
Orlopp, [2][aus Gewerkschaft und Betriebsrat] sowie [3][aus der
Bundesregierung] erbitterten Widerstand.
Der Bund hält noch 12 Prozent der Commerzbank-Aktien. Am Dienstag teilte
die Finanzagentur des Bundes mit, an deren Tausch sei nicht gedacht, da das
Unicredit-Angebot finanziell „unattraktiv“ sei. Das Frankfurter
Geldinstitut spiele „[4][eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der
deutschen Wirtschaft] und des deutschen Mittelstands“. Zudem beklagt der
Bund das „aggressive Vorgehen“ der Mailänder. Blockieren aber kann er den
Versuch dieser feindlichen Übernahme nicht.
## Arbeitnehmervertreter suchen Rechtsweg
Dagegen will der Commerzbank-Betriebsrat mit einer Strafanzeige „wegen des
Verdachts der Marktmanipulation und Irreführung nach Paragraf 119 und 120
WpHG“ – also des Wertpapierhandelsgesetzes – eine juristische Untersuchung
der Übernahmeschlacht erzwingen, wie am vergangenen Freitag bekannt wurde.
Angeblich nämlich spiele Unicredit mit unsauberen Karten.
Diesen Vorwurf wollen die Mailänder nicht auf sich sitzen lassen. Unicredit
teilte mit, sie habe sich ihrerseits an die BaFin gewandt und dargelegt,
dass die vom Frankfurter Betriebsrat vorgebrachten Vorwürfe „ohne
Grundlage“ seien. Durch die Blume droht auch die italienische Bank eine
Klage an. Jedenfalls werde sie „mit der nötigen Gründlichkeit die
geeignetesten Aktionen prüfen, die eigenen Interessen und die des Marktes
mit Blick auf Transparenz und Korrektheit zu schützen“.
Und noch eine Keule holte die Unicredit unter ihrem Chef Andrea Orcel
heraus. Ziemlich offen droht sie damit, mit ihren über 40 Prozent sei sie
wohl bald „in der Lage, sämtliche Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu
wählen, der seinerseits für die Bestellung des Vorstands zuständig wäre“.
Auf gut Deutsch ist das die ziemlich unverhüllte Mitteilung an die
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, sie könne sich schon mal auf die Suche
nach einem neuen Job machen.
16 Jun 2026
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## AUTOREN
DIR Michael Braun
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